Sebastian Lindner
· 13.07.2026
Nach dem Ruhetag im Departement Cantal wartet auf das Peloton im Herzen des Zentralmassivs die nächste schwierige Etappe. 3800 Höhenmeter stehen auf dem Programm - fast so viele wie auf der Tourmalet-Etappe in den Pyrenäen. Statt endlos langer Anstiege geht es im Mittelgebirge aber permanent hoch und runter. Insgesamt sieben Bergwertungen sind angesetzt.
Die ersten 60 Kilometer der Etappe, die in Aurillac beginnt, kommen erst noch recht verhalten daher. In einer großen Schleife nach Süden, auf der auch der Zwischensprint nach 25 Kilometern liegt, nimmt die Strecke Anlauf für die anspruchsvollen letzten 100 Kilometer. Die erste Bergwertung (3. Kategorie) wartet nach 68 Kilometern, ist recht kurz, dafür aber in seinen Steigungsprozenten auch schon relativ anspruchsvoll.
Nach 20 Kilometern ohne Berg ändert sich die Taktung dann aber in ein reines Auf und Ab. Dem Col de la Griffoul (2. Kategorie) mit knapp sechs Kilometern bei 6,7 Prozent folgt nach drei Kilometern Abfahrt unmittelbar der nächste Kategorie-3-Anstieg, der bei ähnlicher Steigung in etwa halb so lang ist. Über die Côte de Murat (3. Kategorie) geht es anschließend zu den beiden Höchstschwierigkeiten des Tages. Der Puy Mary (1. Kategorie) ist mit 1589 Metern über dem Meeresspiegel der höchste Punkt des Tages. Erreicht wird er über eine knapp acht Kilometer lange Auffahrt mit sechs Prozent im Mittel. Nach der Abfahrt folgt dann der Col de Pertus (1. Kategorie), mit vier Kilometern wesentlich kürzer, mit 8,5 Prozent etwas steiler.
Schließlich wartet knapp drei Kilometer vor dem Ziel nochmal ein Anstieg der 3. Kategorie, bevor die 500 Meter lange Schlussrampe ins Bergresort Le Lioran mit 7,4 Prozent den Abschluss des Tages bildet.
Wer im Kampf um das Bergtrikot mitreden will, kann es sich nicht leisten, an diesem Tag leer auszugehen. Bis zu 33 Punkte kann ein einzelner Fahrer auf der 10. Etappe sammeln und damit in der Theorie sogar dann an die Spitze der Wertung fahren, wenn er auf den ersten neun Etappen, also beinahe der Hälfte der Tour, nicht einen einzigen Zähler auf sein Konto gebracht hat.
Genauso wichtig wird das Finale aber auch für die Klassementfahrer. Auch wenn die Etappe lange Zeit von Ausreißern bestimmt werden dürfte, wird spätestens am Puy Mary auch der Schlagabtausch der Favoriten für die Gesamtwertung beginnen. 30 Kilometer sind es von dort noch bis ins Tagesziel, inklusive Schlussrampe warten noch drei Anstiege.
Gute Erinnerungen an dieses Finale dürfte vor allem Jonas Vingegaard (Team Visma | Lease a Bike) haben. Denn hier hat er vor zwei Jahren zum letzten Mal eine Tour-Etappe gewonnen, dabei Tadej Pogacar (UAE Team Emirates - XRG) sogar im Sprint geschlagen. Ein seltenes Phänomen, gleichzeitig auch die letzte Niederlage des Slowenen im direkten Duell mit dem Dänen. Und eine, die vielleicht auch eine Revanche verlangt.
Spannend wird es aber auch einmal mehr dahinter. Im Kampf um Rang drei kommt die Etappe, die doch reichlich Spritzigkeit und Punch erfordert, wieder der Jugend um Paul Seixas (Decathlon CMA CGM) und Pogacar-Adjutant Isaac Del Toro entgegen. Und auch Remco Evenepoel (Red Bull - BORA - hansgrohe) wird hier nochmal gut aussehen, war auch 2024 an gleicher Stelle Dritter. Hart dürfte der Tag hingegen für seinen Co-Kapitän Florian Lipowitz werden. Der 25-Jährige braucht lange Anstiege, um seine Stärken auszuspielen. In Le Lioran wird er aufpassen müssen, nicht zu viel Zeit auf die direkte Konkurrenz zu verlieren.
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