Tour de France 2026Unterm Radar - Die gefährlichen Außenseiter

Leon Weidner

 · 03.07.2026

Tour de France 2026: Unterm Radar - Die gefährlichen AußenseiterFoto: Getty Images/Tim de Waele
Die sogenannte zweite Reihe bei der Tour de France wirkt fast schon zu prominent um eine zu sein
Hinter dem Duell Pogačar vs. Vingegaard lauert bei der Tour de France 2026 die gefährliche „zweite Reihe“. Sie fliegen unter dem Radar und können für eine riesige Überraschung sorgen. Sie alle sind noch jung und pochen auf die Wachablösung der großen Favoriten.

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Während sich vor der Tour de France 2026 nahezu alle Augen auf Tadej Pogačar und Jonas Vingegaard richten, formiert sich im Schatten der beiden Dominatoren eine Gruppe junger, hungriger Fahrer, die genau aus dieser Rolle ihre Stärke ziehen. Sie sind die Underdogs der diesjährigen Tour de France, Fahrer denen nicht die ganz große Favoritenrolle zugeschrieben wird, die dadurch aber ohne den permanenten Erwartungsdruck agieren können. Und genau das macht sie so gefährlich.

Denn in einem drei Wochen langen Rennen wie der Tour de France sind es oft nicht nur die klaren Favoriten, die den Unterschied machen. Wer im richtigen Moment angreift, wer konstant bleibt und wer von Rückschlägen verschont wird, kann plötzlich ganz vorne auftauchen. Während sich die Konkurrenz auf Pogačar und Vingegaard fokussiert, nutzen andere Fahrer genau diese Dynamik, um sich in Stellung zu bringen.

Frankreichs Hoffnungsträger bei der Tour de France

Allen voran gehört Paul Seixas zu dieser Kategorie. Der erst 19-jährige Franzose gilt als aktuell größtes Talent im internationalen Radsport und steht nun vor einer gewaltigen Herausforderung: seinem Grand-Tour-Debüt ausgerechnet bei der Tour de France.

Schon allein sein Alter macht klar, dass er nicht als Topfavorit gelten kann. Doch genau darin liegt seine Chance. Ohne die Bürde, gewinnen zu müssen, kann Seixas frei fahren, mutig attackieren und Erfahrungen sammeln, mit der Möglichkeit für die große Überraschung zu sorgen. Gleichzeitig trägt er als vielleicht größte französische Hoffnung eine gewisse Erwartungshaltung mit sich. Ein Spannungsfeld, das ihn zusätzlich interessant macht: zwischen jugendlicher Unbekümmertheit und nationaler Aufmerksamkeit. Noch würden es ihm seine Landsleute verzeihen, wenn er nicht den ganz großen Coup landet, in Zukunft könnte die Erwartungshaltung anders aussehen.

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Geteilte Ambitionen im selben Team

Auch Florian Lipowitz steht stellvertretend für diese zweite Reihe an Fahrern bei der Tour de France, die jederzeit in das Geschehen eingreifen können. Der Deutsche hat mit seinem überraschenden dritten Platz bei der Tour im vergangenen Jahr eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial in ihm steckt.

Doch seine Ausgangslage ist komplex: Innerhalb seines Teams muss er sich die Kapitänsrolle mit Remco Evenepoel teilen. Der Belgier, selbst einer der talentiertesten Fahrer seiner Generation, geht dabei laut Teamhierarchie mit einem kleinen Vorteil ins Rennen. Diese Konstellation kann zur Herausforderung, aber auch zur Chance werden. Ohne die alleinige Verantwortung kann Lipowitz möglicherweise taktisch flexibler agieren und gezielter seine Momente auswählen.

Evenepoel wiederum bringt seine eigenen Ambitionen mit, wodurch sich ein dynamisches Zusammenspiel ergeben könnte, oder im Extremfall auch interne Spannungen. Gerade solche Konstellationen sind es, die bei langen Rundfahrten schnell eine Eigendynamik entwickeln können.

Das unterschätzte Talent mit großem Fragezeichen

Ein weiterer Name, der leicht übersehen wird, ist Juan Ayuso. Der Spanier hat bereits früh mit starken Platzierungen bei der Vuelta a España, Rang drei und vier in den Jahren 2022 und 2023, sein enormes Talent unter Beweis gestellt. Doch seitdem fehlte ihm die nötige Konstanz, um sich dauerhaft in der absoluten Weltspitze zu etablieren.

Mit seinem Wechsel zu Lidl-Trek begann in diesem Jahr ein neues Kapitel. Ayuso wirkt motiviert, fokussiert und bereit, sein Potenzial endlich über drei Wochen hinweg konstant abzurufen. Die Voraussetzungen für eine gute Tour de France sind also vorhanden: ein starkes Team, Erfahrung auf höchstem Niveau und die Fähigkeit, in den entscheidenden Momenten mitzuhalten.

Seine größte Herausforderung bleibt jedoch seine Unberechenbarkeit. Wenn er sturzfrei bleibt und interne Konflikte vermeidet, kann er jederzeit in den Kampf um die Top-Platzierungen, vielleicht sogar um den Sieg, eingreifen. Gerade weil ihn viele nicht ganz oben auf der Rechnung haben, könnte genau er zur Überraschung des Rennens werden.

​Alles ist möglich bei der Tour de France

Was all diese Fahrer verbindet, ist ihre Rolle im Schatten der großen Favoriten. Während sich Strategie, Medien und Konkurrenz auf Pogačar und Vingegaard konzentrieren, können Seixas, Lipowitz, Evenepoel und Ayuso ihre Chancen aus einer Position heraus suchen, die ihnen mehr Freiheit lässt.

Die Rollen bei dieser Tour de France scheinen zwar klar verteilt: Hier die beiden dominierenden Favoriten, dort die Herausforderer und Außenseiter. Doch genau diese klare Ordnung kann trügerisch sein. Stürze, Krankheiten, Formschwankungen oder taktische Wendungen können das Kräfteverhältnis innerhalb kürzester Zeit verändern. Und genau dann sind es oft die Fahrer aus der zweiten Reihe, die zur Stelle sind.

Während also alle über Pogačar und Vingegaard sprechen, lauern hinter ihnen junge, hungrige Talente auf ihre Chance, bereit die große Überraschung zu schaffen und die Tour de France vielleicht doch in eine völlig neue Richtung zu lenken.

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Leon Weidner

Leon Weidner

Redakteur

Leon Philip Weidner ist Kölner, verfolgt den Profi-Radsport intensiv und ist selbst leidenschaftlich auf dem Rennrad unterwegs. Neben langen Kilometern im Sattel des Straßenrads sitzt er auch regelmäßig auf dem Zeitfahrrad – stets mit dem nächsten Triathlon im Blick. Seine Expertise verbindet sportliche Praxis mit Szenewissen.

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