Robert Kühnen
· 22.07.2026
Noch bis zum 26. Juli messen sich die besten Radsportler der Welt bei der Tour de France. Über Sieg und Niederlage auf den Straßen Frankreichs entscheiden dabei nicht nur die Beine, sondern auch das Material. Das TOUR Tech-Briefing zur 17. Etappe.
Nach den Bergen und dem Zeitfahren werden Ausreißer voraussichtlich die 17. Etappe dominieren. Auch Team Visma könnte nach dem Ausscheiden von Jonas Vingegaard auf Etappenjagd gehen, um ein zählbares Ergebnis von der Tour mitzunehmen.
Je nach Fahrweise haben auch Sprinter eine Chance, wenn sie den bergigen Anfang der Etappe unbeschadet überstehen. Die Anfahrt im Finale ist mit drei scharfen Kurven auf den letzten 1000 Metern und einer ansteigenden Zielgeraden nicht ganz einfach. Das Streckendesign deutet darauf hin, dass der Veranstalter nicht mit einem Massensprint rechnet.
Das wahrscheinlichste Szenario erscheint uns eine Ausreißergruppe. In der Simulation des Tages nehmen wir eine Attacke aus einer Gruppe heraus an. 15,4 Kilometer vor dem Ziel aus, an einer leichten Steigung kurz vor der finalen Abfahrt, zieht unser Angreifer davon. Er tarnt seinen Antritt, indem er sitzen bleibt – quasi ein Sprint im Sitzen.
Sollte ein Sprinter in der Fluchtgruppe mitfahren, müssten Nicht-Sprinter diesen vorher mit solch einer Aktion überraschen.
Die Simulation zeigt, dass erneut die Aerodynamik der Schlüssel zum Erfolg ist. Wer sich aus der Gruppe wegschleichen und durchziehen will, muss so effizient wie möglich mit seiner Energie umgehen, also vor allem gut durch den Wind schlüpfen.
Das Van Rysel RCR-F Pro ist einmal mehr der König in dieser Disziplin und fährt gegenüber einem nicht optimierten Bike 37 Sekunden in nur 20 Minuten Fahrzeit heraus. Dafür, dass das Bike nur einen kleinen Teil zur Gesamtperformance beisteuert, ist das viel.
Ob solch eine Attacke aus einer Fluchtgruppe gelingt, hängt aber vor allem am Verhalten der anderen Sportler. Nur wenn sich eine Lücke auftut, weil die anderen zögern sofort nachzusetzen, hat ein Tempostarker Fahrer eine Chance, solo ins Ziel zu kommen.
Das (fast) vollständige Feld im Überblick*:
Die Tabelle zeigt die simulierten Fahrzeiten für die finalen 15,4 Kilometer der Etappe. Welches Rad würde den Angreifer bei einer Attacke aus einer Ausreißergruppe heraus am besten unterstützen? Einmal mehr glänzen die Aero-Bikes mit den kürzesten Fahrzeiten, das Gewicht spielt trotzt des leicht ansteigenden Finales eine deutlich untergeordnete Rolle.
Basierend auf den eigenen Windkanaltests stellen wir Simulationsberechnungen für das Tour de France Tech-Briefing an. So testet TOUR: Aero-Rennrad-Test im Windkanal.
Wir gehen dabei der Frage nach, welche Räder in welcher Situation einen technischen Vorteil bieten können. Variablen, die wir in der Simulation beeinflussen können, sind Radgewicht, Fahrergewicht, Trägheit der Laufräder, Luftwiderstandsbeiwert, Rollwiderstandsbeiwert und die Effizienz des Antriebsstrangs.
Für die Modellierung der Fahrzeiten setzen wir realistische Leistungen und Gewichte für die Fahrer an, kombinieren sie mit unseren Windkanaldaten und lassen die Fahrer virtuell über ausgesuchte Streckenabschnitte rasen, die wir aus den offiziellen Streckendaten extrahieren; zentral sind dazu die abgeleiteten Höhenprofile. Zur Modellierung gehören auch Kurven, die wir realistisch anbremsen können und einstellbare Powerprofile für verschiedene Fahrertypen. So unterscheiden wir zwischen Antritten am Berg und richtigen Endspurts. In der Summe macht dies die Simulierung realitätsnah. Was wir nicht abbilden können, sind fahrdynamische Effekte wie das individuelle Verhalten der Räder auf verschiedenen Untergründen.
Die ermittelten Fahrzeiten für die rennentscheidenden Streckenabschnitte machen den Einfluss der Räder sichtbar – unter der Voraussetzung, dass die Fahrer sich in einem Szenario immer gleich verhalten.

Redakteur
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