TOUR Online
· 10.07.2023
Er ist einer der Gewinner der ersten neun Tour-Tage. Denn den Debütanten dürften nicht viele für Spitzenplätze bei den Sprintankünften auf dem Zettel gehabt haben. Beim ersten Kräftemessen der schnellen Leute auf der 3. Etappe nach Bayonne belegte Bauhaus allerdings sofort Platz zwei hinter Jasper Philipsen (Alpecin-Deceuninck) – es fehlten nur wenige Zentimeter zum Sieg. Einen Tag später bestätigte er mit Platz drei in Nogaro seine gute Form. In Bordeaux auf der 7. Etappe fehlte ihm auf den letzten Hundert Metern allerdings eine freie Linie, sein Sprint kam nie zur vollen Entfaltung – er wurde Siebter. Und beim Bergaufsprint der 8. Etappe in Limoges wurde er bereits im Vorfeld auf dem hügeligen Terrain abgehängt.
Dennoch hat Bauhaus bewiesen, dass er Positionskämpfe bei der Tour de France bestehen und an guten Tagen um den Sieg mitsprinten kann – mehr, als im Vorfeld erwartet wurde. Das zeigt sich auch daran, dass sein Team, das primär Klassementambitionen verfolgt, Bauhaus für die Sprints immer wieder Unterstützung durch Nikias Arndt, Fred Wright oder Matej Mohoric zur Verfügung stellte. Die nächste Chance für die Sprinter steht auf der 11. Etappe nach Moulins an. Danach muss sich Bauhaus erst einmal durch eine ganze Reihe von Bergetappen kämpfen.
Der Deutsche Meister ist für diese Tour als wichtigster Helfer für Jai Hindley vorgesehen – und führt diese Aufgabe bislang herausragend aus. Seine großen Auftritte hatte Buchmann in den Pyrenäen. Auf der 5. Etappe nach Laruns gelang ihm mit Hindley der Sprung in die große Fluchtgruppe, in der Buchmann viel Arbeit leistete und bis zum Ziel einer der entscheidenden Protagonisten des Tages war: Als Hindley zum Tagessieg fuhr, blieb Buchmann in der Verfolgergruppe um Jonas Vingegaard konsequent am Hinterrad.
Die Etappe beendete er selbst als Vierter, was ihn zugleich auf Platz vier des Gesamtklassements spülte. Am Folgetag musste Buchmann seine gute Position auf der nächsten Pyrenäen-Etappe jedoch aufopfern – es gelang zwar nicht, Gelb zu verteidigen, als letzter Mann an der Seite von Hindley leistete Buchmann allerdings erneut wertvolle Dienste. Am ersten Ruhetag liegt er mit 9:09 Minuten Rückstand auf Platz 13 der Gesamtwertung. Bei den vielen Bergetappen der zweiten Tour-Hälfte dürften für Buchmann weiterhin primär Helferdiente im Hochgebirge anstehen – möglicherweise ergeben sich für ihn aber auch Chancen auf Fluchtgruppen.
Groß aufgefallen ist Arndt in den ersten neun Tour-Tagen nicht. Das liegt allerdings auch an seiner Aufgabe: Er ist quasi der Vorarbeiter für Phil Bauhaus, um diesen in eine gute Position für den letzten Kilometer zu bringen. Und da Bauhaus bislang mit einem zweiten und einem dritten Platz gute Resultate einfuhr, kann Arndts Arbeit nicht so schlecht gewesen sein. Arndt, der nach zwei Jahren Pause nun wieder bei der Tour de France dabei ist, nimmt vor allem die Rolle des “Road Captains” im Team ein – gerade mit Blick auf die Klassementfahrer Mikel Landa, Jack Haig und Pello Bilbao bei den flachen und mittelschweren Etappen.
Im Vorfeld der Tour hatte der 31-Jährige auch eigene Chancen in Ausreißergruppen ins Auge gefasst. Inwiefern er diese angesichts der internen Konkurrenz im Team durch Matej Mohoric oder Fred Wright noch erhält, bleibt abzuwarten. Dass er jedoch Etappen aus Fluchtgruppen gewinnen kann, bewies Arndt 2019 mit seinem Tagessieg bei der Vuelta a Espana.
Bei seiner neunten Tour de France ist Degenkolb ähnlich wie Arndt als “Road Captain” und im Sprintzug von Sam Weslford im Einsatz. Mit den bisherigen Ergebnissen bei den Sprintetappen dürfte Degenkolb allerdings nicht zufrieden sein – Welsford kam keinmal in die Top 10, das beste Teamergebnis ist Platz fünf von Nils Eekhoff im Bergaufsprint von Limonges. Bereits auf den ersten beiden Sprintetappen in Bayonne und Nogaro gelang es dem Team nicht, Welsford in eine gute Position zu bringen.
In Nogaro nahm Degenkolb den Fehler sogar auf seine Kappe, als Weslford an einem Kreisverkehr der Platz ausging und er den längeren Weg links herum wählen musste – der Sprintzug war damit dahin. Immerhin bleiben bis Paris noch zwei bis drei potenzielle Sprintetappen, um die bisher dürftige Bilanz aufzubessern. Abzuwarten bleibt, ob Degenkolb noch eigene Chancen in Fluchtgruppen bei dieser Tour de France wahrnimmt. Möglicherweise stellt er sich auch voll in den Dienst der Mannschaft.
Seine gute Form bewies Politt kurz vor der Tour mit dem Sieg im Zeitfahren bei der Deutschen Meisterschaft. Auf den ersten neun Etappen stand bislang ins Politts Aufgabenheft: Klassementfahrer Jai Hindley im Feld beschützen und in der Sprintvorbereitung als tempoharter Fahrer Jordi Meeus aus dem Wind halten. Seinen Wert für das Team bewies Politt ebenfalls auf 5. Etappe, als Hindley und Emanuel Buchmann sich zu Anfang der Pyrenäen-Etappe in der Fluchtgruppe absetzten – und Politt mit seinen Teamkollegen im Feld wertvolle Störarbeit bei der Verfolgung leistete.
Am Ende holte Hindley den Tagessieg und trug für einen Tag das Gelbe Trikot. In der zweiten Tour-Hälfte dürften für Politt weiterhin Helferaufgaben im Mittelpunkt stehen. Es können sich aber auch noch eigene Möglichkeiten ergeben. Die 10. Etappe nach Issoire wäre ein Teilstück für Politt, der mit einer späten Attacke aus einer Fluchtgruppe bereits 2021 in Nimes eine Etappe bei der Tour de France gewann.
Im Vorfeld der Tour de France 2023 galt Zimmermann als einer der aussichtsreichsten deutschen Fahrer auf einen Tour-Etappensieg, immerhin holte er zuletzt als Ausreißer einen Tagessieg beim Vorbereitungsrennen Criterium du Dauphine. Und beinahe wäre der 25-Jährige gleich mit einem Coup in diese Tour gestartet: Auf der ersten Etappe kämpfte Zimmermann bei der entscheidenden Bergwertung um das Bergtrikot, landete hinter Neilson Powless (EF Education EasyPost) jedoch auf Platz zwei. “Das war wirklich ärgerlich. Ich hätte das Bergtrikot in den Beinen gehabt. Es ist doof gelaufen”, sagte Zimmermann hinterher.
Bei Fluchtgruppen hatte der Augsburger bislang ebenfalls kein Glück: Auf der 5. Etappe durch die Pyrenäen ging er einige Attacken mit, verpasste letztendlich jedoch den Sprung in die große Gruppe um Jai Hindley und Emanuel Buchmann. Für Zimmermann bietet die zweite Tour-Hälfte allerdings noch zahlreiche mittelschwere Etappen, auf denen er sich zeigen kann – beispielsweise die 10. Etappe nach Issoire oder die 12. Etappe nach Belleville-en-Beaujolais.
Die Vorbereitung auf die Tour de France 2023 verlief durch Corona-Erkrankung im Frühjahr und fehlende Ergebnisse im Vorfeld nicht optimal für Geschke. Und bislang bestreitet der 37-Jährige eine relativ unauffällige Frankreich-Rundfahrt. Auf den Pyrenäen-Etappen war er vor allem als Helfer für Guillaume Martin eingeteilt, auf der 9. Etappe zum Puy de Dome probierte Geschke dann in die Fluchtgruppe zu kommen – verpasste jedoch den Postabgang, befand sich kurzzeitig alleine in der Verfolgung und ließ sich dann wieder einholen.
Womöglich war der Angriff jedoch ein Fingerzeig, dass Geschke in der zweiten Tour-Hälfte nun vermehrt um Ausreißergruppen kämpft. Das Terrain mit einigen hügeligen und sehr bergigen Etappen sollte ihm zumindest entgegenkommen. Die Bergwertung dürfte, nachdem Geschke das Trikot im Vorjahr neun Tage trug, dieses Mal aber kein Thema mehr sein. Bislang hat der gebürtige Berliner noch keinen Punkt in der Bergwertung gesammelt.