Die Flachetappe endet auf der Autorennstrecke Paul Armagnac. Das mit Abstand wahrscheinlichste Szenario ist wie gestern ein Massensprint. Die letzten 3,1 Kilometer fährt das Feld auf der Rennstrecke. Es wird harte Positionskämpfe geben, um in guter Ausgangsposition durch die vielen Kurven zu kommen, bevor es auf die schnurgerade, 750 Meter lange und neun Meter breite Zielgerade geht, die minimal (um 3 Meter) ansteigt. Wir simulieren im Unterschied zu gestern einen kürzeren Sprint, bei dem der Fahrer erst 100 Meter vor dem Zielstrich äußerst explosiv aus dem Windschatten tritt.
Ist der rechnerische Vorsprung der schnellsten Räder im Feld gegenüber dem langsamsten im 100-Meter-Sprint aus hohem Anfangstempo. Das entspricht beim erreichten Endtempo von 65,5 km/h einem Vorsprung vom Durchmesser des Vorderrades - immerhin.
An der Spitze aber geht es sehr, sehr dicht zu. Auf eine Hundertstelsekunde gleich sind vier Räder in unserem Rechenmodell. Aber bei der Zielfotoauswertung kann auch eine Reifenstärke über Sieg und Niederlage entscheiden. Hundertstelsekunden sind dafür ein zu grobes Raster, wir müssten hierfür mit Tausendstelsekunden kalkulieren.
Auch bei einem kurzen Sprint sind Aero-Bemühungen immer noch sehr wertvoll. Voraussetzung aber ist, dass der Fahrer sehr explosiv beschleunigen kann – sonst hat er gar keinen Weg mehr, um am Vordermann noch vor dem Zielstrich vorbeizukommen.
*) Die Berechnungen beruhen auf den von TOUR in Labor und Windkanal getesteten Rädern. Die Maschinen bei der Tour de France können in Details davon abweichen. Auch Last-Minute-Prototypen konnten wir natürlich noch nicht untersuchen. Hintergründe zur Simulation.
Robert Kühnen ist studierter Maschinenbauer, schreibt für TOUR über Technik- und Trainingsthemen und entwickelt Prüfmethoden. Die Simulationsrechnungen verfeinert Robert seit Jahren, sie werden auch von Profi-Teams genutzt.