Flucht oder Sprint? Auf der 19. Etappe der Tour de France 2023 scheint beides möglich. Wahrscheinlich aber ist, dass am Ende so oder so ein Sprint über den Tagessieg entscheiden wird. Denn die Anfahrt ist nach dem letzten topographischen Hindernis, der Cote d’Ivory (2,4 Kilometer, 5,9 Prozent), 28 Kilometer vor dem Ziel, im Wortsinn gut überschaubar. Die letzten sieben Kilometer gehen schnurstracks geradeaus auf einer Hauptstraße. Sollte ein Fahrer in Front liegen, ist er damit ein perfektes Jagdopfer. Sollten sich Ausreißer durchsetzen, kommt es vermutlich zum Sprint einer Gruppe. Schafft es das Feld über die Hügel des Tages, ist die Sprintgruppe größer.
Die Zielgerade ist leicht ansteigend. Auf den letzten 1000 Metern beträgt die Höhendifferenz vier Meter. Hat diese Auswirkungen auf den Sprint?
In unserer Sprintsimulation über 150 Meter Schlussspurt geht es einmal mehr um Hundertstelsekunden. Sollte Jasper Philipsen im Sprint mitmischen, hat er in unserer Simulation gute Karten, denn seine Canyon-Maschine gehört zum Kreis der drei schnellsten: Canyon Aeroad, Cervelo S5 und Cannondale System Six.
Die Endgeschwindigkeit in unserer Sprintsimulation beträgt 68 km/h – unter der Voraussetzung, dass die Anfahrer 62 km/h vorlegen.
*) Die Berechnungen beruhen auf den von TOUR in Labor und Windkanal getesteten Rädern. Die Maschinen bei der Tour de France können in Details davon abweichen. Auch Last-Minute-Prototypen konnten wir natürlich noch nicht untersuchen. Hintergründe zur Simulation.
Robert Kühnen ist studierter Maschinenbauer, schreibt für TOUR über Technik- und Trainingsthemen und entwickelt Prüfmethoden. Die Simulationsrechnungen verfeinert Robert seit Jahren, sie werden auch von Profi-Teams genutzt.