Sturz von Florian Lipowitz bei der TourAlle Infos zum Tour-Aus des Deutschen

Kristian Bauer

 · 22.07.2026

Sturz von Florian Lipowitz bei der Tour: Alle Infos zum Tour-Aus des DeutschenFoto: Screenshot A.S.O.
Florian Lipowitz Sturz Tour de France 2026
​Schockmoment beim Zeitfahren der Tour de France. Florian Lipowitz war in einer Rechtskurve gestürzt und gegen einen Bordstein gerutscht. Dabei brach er sich das Schlüsselbein und konnte die 16. Etappe nicht beenden. Wie ist das passiert und was sind die Folgen für das Team Red Bull - BORA – hansgrohe? Wie beantworten die wichtigsten Fragen.

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​Das war ein echter Schockmoment für alle Radsportfans. Im Zeitfahren der Tour de France von Évian-les-Bains nach Thonon-les-Bains lag der Deutsche Florian Lipowitz sehr gut im Rennen. In einer Rechtskurve kam er zu Sturz und schlitterte über den Asphalt, knallte in den Bordstein und eine Barriere. Sofort war klar: Die Tour de France ist für den Podiumskandidaten beendet. Später teilte das Team mit, dass sich Florian Lipowitz bei seinem Sturz einen Schlüsselbeinbruch zugezogen hat.

Warum ist Lipowitz gestürzt?

Die TV-Bilder zeigen mehrere Dinge: man sieht, dass Florian Lipowitz die Kurve sehr steil ansteuert, weil er einem Kanaldeckel ausweicht und dann nicht mehr viel Platz zu den Absperrungen rechts bleibt. Er ist mit hohem Tempo unterwegs und das Rad wird durch Unebenheiten der Straße leicht durchgeschüttelt – das bedeutet der Kontakt zur Straße ist nicht optimal. Er überfährt einen Zebrastreifen – das bedeutet eine Farbschicht auf dem Asphalt. Florian Lipowitz steuert extrem steil in die Kurve und auf den TV-Bildern sieht man wie sein Lenker sich nach rechts dreht und das Vorderrad wegrutscht. Er ist also nicht zur Seite gekippt, sondern das Vorderrad hat den Kontakt zur Straße verloren. Dann rutscht er über den Asphalt und knallt mit der Schulter in den Bordstein. Für alle Zuschauer war erkennbar: Das bedeutet das Ende der Tour de France. Teamchef Ralph Denk erklärte am Abend: „Im Endeffekt war er zu schnell.“ Er kritisiert, dass es kaum möglich gewesen sei, die komplizierte Strecke vorher in Ruhe abzufahren: „Bei so einem Zeitfahren geht man volles Risiko und hat nur ein kleines Zeitfenster um die Strecke zu begutachten. Die Strecke war weder gestern gesperrt, wo wir eigentlich Zeit gehabt hätten, heute Nachmittag gab es nur ein kurzes Zeitfenster und dann musst du dir halt 26 Kilometer einprägen.“

Was genau war die Sturzursache?

Fakt ist, dass Florian Lipowitz sehr schnell und in einem sehr steilen Winkel in die Kurve jagte. Durch Unebenheiten lag das Zeitfahrrad nicht ruhig auf der Straße. Bei den heutigen Zeitfahrrädern liegen die Arme sehr eng beieinander und hoch über dem Lenker. So eine Kurve bei Erschütterungen zu steuern ist daher sehr anspruchsvoll. Bekannt ist, dass die Farbe auf einer Straße immer eine Gefahr darstellt, weil die Haftung reduziert ist. Lipowitz fuhr gerade über einen Zebrastreifen. Echte Unfallforscher würden auch sofort nach dem gefahrenen Reifendruck fragen. Beim Zeitfahren ist der ideale Reifendruck besonders wichtig. Weniger Druck bedeutet mehr Aufstandsfläche, auf der sich der Gummi mit dem Asphalt verzahnen kann – dadurch haftet er sicherer. Zugleich federt der weichere Reifen mehr und folgt dem Untergrund besser, was den Grip ebenfalls fördert. Außerdem sinkt das Risiko, dass der Reifen auf Unebenheiten springt und dann wegrutscht. Wie gefährlich die Kurve war, zeigte sich später bei Tadej Pogačar: auch er rutschte in der Kurve kurz und das obwohl er bereits vorgewarnt war.

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Was bedeutet das Aus für Florian Lipowitz und das Team?

Für Florian Lipowitz ist der Crash besonders bitter. Er lag gut in der Gesamtwertung und die schweren Etappen in den Alpen wären genau auf ihn zugeschnitten gewesen. Teammanager Denk und alle Beobachter hatten ihm in der dritten Tour-Woche gute Chancen eingeräumt noch wertvolle Zeit gutzumachen. „Ich habe immer gesagt wartet mal ab auf die letzte Woche und jetzt ist er nicht mehr hier - das ist schade. Aber ich muss auch sagen, wir sind froh über unsere Doppelstrategie“, erklärte Denk. Das Team kann jetzt alles auf Remco Evenepoel setzen, der das gestrige Zeitfahren gewonnen hatte. Für Lipowitz wird sich zeigen, wann er wieder aufs Rad steigen kann. Nicht jeder Schlüsselbeinbruch heilt gleich schnell. Im Profi-Radsport gab es Beispiele, bei denen Profis bereits nach vier Wochen wieder aufs Rad stiegen. Der Einschlag bei Florian Lipowitz sah aber besonders brutal aus. Bei einem komplizierten Bruch dürfte die Pause länger dauern. Die Rad-WM in Montreal (20. bis 27. September) könnte aber noch ein mögliches Saisonziel sein.

Parallele Florian Lipowitz zu Vingegaard

TV-Zuschauer mussten unweigerlich an den Sturz von Jonas Vingegaard auf der 15. Etappe denken. Auch Vingegaard brach sich das Schlüsselbein und musste die Tour aufgeben. Die Parallelen sind aber noch größer: bei beiden fand in der Nacht vor dem verhängnisvollen Sturz eine Doping-Kontrolle statt. Alle acht Fahrer des Red-Bull-Teams wurden am Abend vor dem Einzelzeitfahren gegen 22.00 Uhr kontrolliert. Dabei handelte es sich aber nicht um eine der umstrittenen Nachtkontrollen, die es zuletzt beim viermaligen Toursieger Pogacar und dem nach einem Sturz ausgeschiedenen Vingegaard gab. Pogacar war um fünf Uhr, Vingegaard um zwei Uhr morgens vor seinem Sturz geweckt worden. Trotzdem eine bizarre Parallele zwischen den Stürzen von Florian Lipowitz und Jonas Vingegaard.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Es ist unklar, ob es wirklich an der Straßenmarkierung lag – wissenschaftlich erwiesen ist es aber, wie gefährlich die Farbe für schmale Rennradreifen ist. Standard-Fahrbahnmarkierungen (wie Thermoplastik, Kaltplastik oder Dispersionsfarben) werden flüssig oder heiß aufgetragen. Sie füllen die Poren des Asphalts aus und härten als glatte Kunststoff- bzw. Harzschicht aus. Dadurch geht sowohl die Makro- als auch die Mikrotextur verloren. Der Reifen kann sich nicht mehr in den Untergrund „verkrallen“.

In einer Kurve wirkt die Fliehkraft als Seitenkraft. Solange der Reifen auf Asphalt rollt, herrscht ein hohes Haftungsniveau. Trifft das Vorderrad in Schräglage auf den weißen Streifen fällt der Reibwert schlagartig ab (oft um 30–60 %), der Reifen verliert für Millisekunden die Führung, baut Schlupf auf und rutscht seitlich weg. Selbst wenn der Reifen direkt danach wieder auf normalen Asphalt trifft, reicht der Impuls des plötzlichen Rutschens meist aus, um den Fahrer aus dem Gleichgewicht zu bringen.

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Kristian Bauer

Kristian Bauer

Redakteur

Kristian Bauer ist gebürtiger Münchner und liebt Ausdauersport – besonders wenn es in die Berge geht. Er ist ein Fan der Tour de France und bevorzugt solide Rennradtechnik. Er führt für TOUR Interviews, berichtet von Events im Hobbyradsport und schreibt Artikel über die Fahrradbranche sowie Trends im Rennradsport.

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