Steile Kletterpartie bei der TourWelche Räder am Plateau de Solaison vorne liegen

Robert Kühnen

 · 19.07.2026

Steile Kletterpartie bei der Tour: Welche Räder am Plateau de Solaison vorne liegenFoto: Getty Images / Tim de Waele
Zweistellige Steigungen sind ein echter Killer für die Fahrer, die keine ausgewiesenen Kletterer sind.
​Noch bis zum 26. Juli messen sich die besten Radsportler der Welt bei der Tour de France. Über Sieg und Niederlage auf den Straßen Frankreichs entscheiden dabei nicht nur die Beine, sondern auch das Material. Das TOUR Tech-Briefing zur 15. Etappe.

Die 15. Etappe haben alle dick markiert, die im Gesamtklassement mitreden möchten. Insgesamt sind 3950 Höhenmeter zu absolvieren.

Hart wird es ab Kilometer 131, dann steht der Col de la Croisette im Weg (4,7 km mit 11,2%). Aber der dickste Hammer kommt zum Schluss. Der Anstieg zum Plateau de Solaison ist steil und lang. Es geht gleich zu Beginn stramm himmelwärts mit einer Durchschnittssteigung von über zehn Prozent auf den ersten vier Kilometern, insgesamt sind 11,3 Kilometer mit 9,2 Prozent Durchschnitt zu erklimmen.

Zweistellige Steigungen sind ein echter Killer für die Fahrer, die keine ausgewiesenen Kletterer sind.

Viele Höhenmeter und steile Anstiege im letzten Drittel: Kletterer nach vorne!Foto: A.S.O.Viele Höhenmeter und steile Anstiege im letzten Drittel: Kletterer nach vorne!

​Sicherlich werden auch auf dieser Etappe Fluchtgruppen versuchen wegzukommen. Aber spannend dürfte vor allem der Kampf um das Gesamtklassement werden. Wer bleibt in den Top Five, wer kommt und wer muss gehen?

Der Schlussanstieg beginnt sehr steil. Die Schnellsten werden eine gute halbe Stunde am Limit fahren, um auf das Plateau zu gelangenFoto: A.S.O.Der Schlussanstieg beginnt sehr steil. Die Schnellsten werden eine gute halbe Stunde am Limit fahren, um auf das Plateau zu gelangen

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​Die Simulation des Tages nimmt den Schlussanstieg unter die Lupe. Wer hat das beste Rad für die steile Kletterei?

Zahl des Tages: 37 Sekunden

​In der der Berechnung stechen die Räder mit Mindestgewicht hervor. Selbst das oft abgestrafte Cervélo R5 fährt bis ins Mittelfeld vor. Am Tabellenboden steht ein Aerobolide mit 1,5 Kilo Übergewicht; der Abstand zur Spitze beträgt 37 Sekunden.

Aerobikes mit Übergewicht sind heute nur etwas für die Helfer, die auf den ersten zwei Dritteln Tempo fahren. Im Finale zählt das Gewicht. Die Teams werden daher ihre Bergräder auspacken, sofern sie welche dabeihaben, oder noch ein paar Titanschrauben eindrehen.

Entspannt zurücklehnen kann sich Jonas Vingegaard. Sein Rad führt das Ranking wieder an. Einziges Handicap für den Dänen: sein einfach-Getriebe weist größere Gangsprünge auf als die Standardkombination mit zwei Blätter. Da es am Schlussanstieg kurzzeitig sehr steile Abschnitte gibt, kann das einfach-Getriebe dort ans Limit kommen.

Das (fast) vollständige Feld im Überblick*:

Berechnete Fahrzeiten für den Schlussanstieg mit 6,7 Watt pro Kilo und einem Fahrergewicht von 66 KiloFoto: Robert KühnenBerechnete Fahrzeiten für den Schlussanstieg mit 6,7 Watt pro Kilo und einem Fahrergewicht von 66 Kilo

​Die Tabelle zeigt die berechneten Fahrzeiten für den Schlussanstieg – mit 6,7 W/kg (66 kg Fahrergewicht). Die offizielle Marschtabelle weist diese Fahrzeit aus, geht also von einem Höllentempo aus! Wie erwartet ballen sich vorne die Räder mit Mindestgewicht. Klare Sache: Bei dieser Steilheit sollten die Räder möglichst kein überschüssiges Gramm Fett haben.

Die ausgewiesene „Aero-Power“ ist die von TOUR im Windkanal gemessene Leistung zur Überwindung des aerodynamischen Widerstands von Rad und Dummy mit bewegten Beinen bei 45 km/h. Für die Simulation fügen wir rechnerisch noch den Oberkörper des Fahrers hinzu und skalieren den Widerstand auf das tatsächliche Renntempo.


​* Simulationsberechnungen

Basierend auf den eigenen Windkanaltests stellen wir Simulationsberechnungen für das Tour de France Tech-Briefing an. So testet TOUR: Aero-Rennrad-Test im Windkanal.

Wir gehen dabei der Frage nach, welche Räder in welcher Situation einen technischen Vorteil bieten können. Variablen, die wir in der Simulation beeinflussen können, sind Radgewicht, Fahrergewicht, Trägheit der Laufräder, Luftwiderstandsbeiwert, Rollwiderstandsbeiwert und die Effizienz des Antriebsstrangs.

Für die Modellierung der Fahrzeiten setzen wir realistische Leistungen und Gewichte für die Fahrer an, kombinieren sie mit unseren Windkanaldaten und lassen die Fahrer virtuell über ausgesuchte Streckenabschnitte rasen, die wir aus den offiziellen Streckendaten extrahieren; zentral sind dazu die abgeleiteten Höhenprofile. Zur Modellierung gehören auch Kurven, die wir realistisch anbremsen können und einstellbare Powerprofile für verschiedene Fahrertypen. So unterscheiden wir zwischen Antritten am Berg und richtigen Endspurts. In der Summe macht dies die Simulierung realitätsnah. Was wir nicht abbilden können, sind fahrdynamische Effekte wie das individuelle Verhalten der Räder auf verschiedenen Untergründen.

Die ermittelten Fahrzeiten für die rennentscheidenden Streckenabschnitte machen den Einfluss der Räder sichtbar – unter der Voraussetzung, dass die Fahrer sich in einem Szenario immer gleich verhalten.

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Robert wurde 1964 in Düsseldorf geboren und fuhr seine ersten Straßenrennen mit 17 Jahren. Zum Spitzenrennfahrer reichte es nicht, aber zu späten Nischenerfolgen. 2011 gelang es Robert, Zeitfahrweltmeister der Journalisten zu werden. Nach seinem Maschinenbaustudium in Essen führte ihn sein Weg bereits 1993 zur TOUR, wo er anfangs mit der Legende Hans Christian Smolik zusammenarbeitete. Heute ist Robert freiberuflich für TOUR und BIKE unterwegs, mit den Schwerpunktthemen Aerodynamik, Messtechnik und Entwicklung neuer Prüfmethoden. Motto: Geht nicht? Gibt‘s nicht. Robert berät auch die Radindustrie und Profiteams, coacht Athleten und kümmert sich um den Radsportnachwuchs. Als Radsportler mag es Robert kurz und schnell, auf schmalen wie auf breiten Reifen.

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