Pogačar gegen PantaniFällt der Alpe-d'Huez-Rekord?

Sandra Schuberth

 · 24.07.2026

Pogačar gegen Pantani: Fällt der Alpe-d'Huez-Rekord?Foto: Composing aus Getty Images / Tim de Waele und Getty Images / Bongarts
Pogacar vs Pantani am Anstieg nach Alpe d'Huez
Tadej Pogačar kann bei der Tour de France 2026 den legendären Rekord von Marco Pantani angreifen. Ob der Slowene die Bestzeit tatsächlich bricht, hängt jedoch nicht nur von seiner Form ab. Auch die Rennsituation und das Tempo vor dem Schlussanstieg werden entscheidend sein.

Themen in diesem Artikel

Die 19. Etappe führt am 24. Juli 2026 von Gap über 127,9 Kilometer nach Alpe d'Huez. Nach mehreren Anstiegen (Col Bayard, Col du Noyer, Col d'Ornon) wartet das Finale über die berühmten 21 Kehren hinauf zum Wintersportort auf 1.850 Metern Höhe.

Pantanis Zeit als Maßstab

Marco Pantani stellte 1997 im Duell mit Jan Ullrich und Richard Virenque den offiziellen Bergrekord am Alpe d'Huez auf: 37:35 Minuten. Gemessen wurde damals auf einer längeren Strecke von 14,5 Kilometern. Umgerechnet auf die heute übliche, kürzere Distanz von 13,8 Kilometern gilt allerdings nicht diese Fahrt als seine schnellste: Nach mehreren Nachberechnungen fuhr Pantani seine tatsächlich schnellste Zeit auf der modernen Strecke bereits 1995 – 36:50 Minuten, hauchdünn vor seiner eigenen 1997er-Fahrt (36:55).

Pantanis Fahrten bleiben bis heute unerreicht: Mit den Rängen 1, 2 und 3 der schnellsten je gemessenen Zeiten dominiert er die Liste allein. Seine Bestzeiten sind allerdings untrennbar mit den Dopingjahren der 1990er verbunden.

Seitdem haben zahlreiche Spitzenfahrer versucht, an diese Marken heranzukommen. Lance Armstrong kam 2004 auf 37:36 und steht damit bis heute auf dem vierten Rang der Bestenliste. Pogačar selbst steht mit 39:08 aus dem Jahr 2022 auf Platz 18 der Bestenliste, deutlich abgeschlagen hinter den 1990er-Zeiten.

35:59 Minuten sind theoretisch möglich

Tadej Pogačar bringt die körperlichen Voraussetzungen für einen Angriff des Rekords mit. Moderne Rad-Technologie hilft zusätzlich dabei, seine Watt bestmöglich in Vortrieb umzusetzen, statt sie unnötig zu verschenken. Robert Kühnens Simulationen aus unserem Tech Briefing zeigen: Mit einer durchschnittlichen Leistung von 440 Watt könnte Pogačar den Anstieg in 35:59 Minuten bewältigen. Das entspräche ungefähr 6,7 Watt pro Kilogramm und wäre eine neue Bestzeit.

Diese Berechnung beschreibt allerdings ein ideales Szenario, bei dem Pogačar den Berg vom ersten Meter an mit maximalem Tempo fahren müsste. Jede taktische Zurückhaltung, eine Attacke erst im oberen Abschnitt oder eine vorherige Belastung durch die Anstiege der Etappe würde die mögliche Endzeit verschlechtern.

Die Simulation vom Technik-Experten zeigt damit vor allem eines: Pantanis Rekord ist theoretisch erreichbar. Sie ist jedoch keine Vorhersage für den tatsächlichen Rennverlauf.

Unsere Prognose

Mit 127,9 Kilometern und ohne die üblichen Hochgebirgs-Hämmer davor ist die 19. Etappe für Alpe-d'Huez-Verhältnisse kurz und vergleichsweise einfach. Es geht also möglicherweise mit vergleichsweise frischen Beinen in den Schlussanstieg nach Alpe d'Huez. Dass eine 30 Jahre alte Bestzeit unter diesen Bedingungen fallen kann, ist deshalb keine Fantasie, wäre da nicht auch der Fakt, dass Pogis Team angeschlagen ist. Auch wird spekuliert, wie es um Pogacars Gesundheit steht, da er zuletzt eine schwarze anstelle der gelben Radhose wählte. Hat auch er diese “Magenprobleme”? Neben der Gesundheit, bestimmt auch die Rennsituation, ob Pogačar wirklich vom Fuß des Bergs an volles Risiko fährt. Ein Angriff erst im oberen Drittel, ein GC-Duell auf Sicht oder taktisches Abwarten würden selbst 440 Dauerwatt nicht in 35:59 Minuten verwandeln. Auch die Motivation ist entscheidend: Ein Bergrekord bringt keine Sekunde im Gesamtklassement, und wie wichtig Pogačar sich selbst so eine Marke nimmt, ist von außen schwer einzuschätzen. Mit dem Etappenprofil, moderner Radtechnik, Pogacars Form und der nötigen Portion Motivation liegen die Zutaten für einen neuen Rekord auf dem Serviertablett. Ob er zugreift und alles passend miteinander komponiert, wird sich zeigen. Was denkt ihr?

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Sandra Schuberth

Sandra Schuberth

Redakteurin

Sandra Schuberth, mal Feierabendrunde, mal Trainingsride, mal unsupported Bikepacking-Challenge. Hauptsache sie und ihr Gravelbike – abseits vom Verkehr. Seven Serpents, Badlands oder Bright Midnight: Sie hat anspruchsvolle Bikepacking-Rennen gefinisht. Gravel und Bikepacking sind ihre Herzensthemen, ihr Anspruch an Equipment ist hoch. Was sie fährt, nutzt und empfiehlt, muss draußen bestehen: nicht im Marketing, sondern im echten Leben.

Meistgelesen in der Rubrik Profi - Radsport

Shorts