Das TOUR Tech-Briefing zur 3. Etappe der Tour de France 2026

Robert Kühnen

 · 06.07.2026

Das TOUR Tech-Briefing zur 3. Etappe der Tour de France 2026Foto: Getty Images/Dario Belingheri
Am 18. Juni bei La Depeche du Midi gewann Michael Woods am Anstieg nach Les Angles, dem Anstieg, auf den auch die Fahrer der Tour de France 2026 am Ende der Etappe treffen.

Vom 4. Juli bis zum 26. Juli messen sich die besten Radsportler der Welt bei der Tour de France. Über Sieg und Niederlage auf den Straßen Frankreichs entscheiden dabei nicht nur die Beine, sondern auch das Material. Das TOUR Tech-Briefing zur 3. Etappe.

Schon am dritten Tag stehen die ersten richtigen Berge an, die Tour hält vom Meer auf die Pyrenäen zu, 3950 Höhenmeter sind zu erklettern. Der Col des Toses nach 127,5 Kilometern ist immerhin ein Berg der ersten Kategorie. Die Strecke ist bergig, aber nicht superschwer.

Fällt eine frühe Entscheidung in der Gesamtwertung, weil wir früh in die Berge fahren? Eher nein. Die GC-Fahrer werden sich vermutlich nicht exponieren, die Tour ist noch lang und heute gäbe es die Gelegenheit, ein vielleicht unliebsames Leadertrikot, gewonnen im Team-Zeitfahren, wieder loszuwerden – an Ausreißer, die im Gesamtklassement potenziell keine Rolle spielen werden.

Ich rechne daher eher mit einer Ausreißergruppe, die sich nach stürmischem Anfang der Etappe davonstiehlt. Für die Kletterleichtgewichte im Feld sind die Berge des Tages nicht steil genug, um sich Vorteile zu verschaffen.

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Welches Bike sollten Fahrer wählen, die vorhaben, den Tag in der Fluchtgruppe zu verbringen? Wer die Tech-Briefings des Vorjahres kennt, kennt die Antwort!

Das Höhenprofil der 3. EtappeFoto: ©A.S.O.Das Höhenprofil der 3. Etappe

Langer, welliger Anlauf mit ansteigender Tendenz: zum Ende der Etappe erreichen die Fahrer die Pyrenäen. Die Etappe kann sehr verschieden verlaufen. Am wahrscheinlichsten ist eine starke Fluchtgruppe, die am Ende den Tagessieg unter sich ausmacht.

Zahl des Tages: 3:28 Minuten

Aero-Bikes führen das Ranking des Tages an. Lange Fluchten über nicht allzu steile Anstiege begünstigen die Räder, die besonders windschnittig designt sind. 3:28 Minuten fährt ein Aero-Bike in unserem Szenario gegen eine Leichtbike heraus.

Aber im Rennen kommt es nicht nur aufs Bike an, denn der Fahrer selbst sorgt für den mit Abstand größten Teil des Luftwiderstands. Deshalb werden die Fahrer mit Ambitionen auf dieser Bergetappe Aero-Anzüge tragen, Aero-Helme und Aero-Socken. Das ganze Programm. Sie werden Lenker mit Mindestbreite fahren und sich so flach aufs Rad falten, wie es nur geht. Optimiert wird auch etwas, was viele unterschätzen: TT-Reifen werden den Rollwiderstand schmälern, was für die Flucht des Tages über eine Minute ausmachen kann.

Leicht durch die Luft zu schlüpfen ist aber die Kern-Qualifikation für längere Fluchten. Energieschonend fahren, ohne die Beine kaputt zu machen. Dazu gehört auch, die Strecke richtig zu lesen. Gefragt ist nicht gleichmäßige Dauer-Power sondern vor allem hohes Tempo. Das heißt über Kuppen hinweg beschleunigen, Schwung durch die Kurven oder über Wellen tragen. Gutes Pacing bedeutet punktuell härter hinzulangen und sorgt für mehr Tempo bei gleicher Anstrengung.

Das schnellste Bike des Vortages, das Tarmac SL9, hat im heutigen Szenario das Nachsehen. Ein-Rad-für-alles ist keine Strategie für Bestzeiten unter allen Umständen. Allerdings wird es einen Fahrer nicht hindern, in einer schnellen Gruppe mitzurollen. Sollte die Entscheidung aus der Gruppe heraus erst am Schlussanstieg fallen (1,7 km, 6,5%), könnte ein Tarmac sogar im Vorteil sein gegenüber reinen Aeroboliden mit etwas Übergewicht.

Das (fast) vollständige Feld im Überblick*:

Das (fast) vollständige Feld im Überblick*:Foto: Robert KühnenDas (fast) vollständige Feld im Überblick*:

Die Tabelle zeigt die Fahrzeit für verbleibende 87 Kilometer – gerechnet für einen Solisten. Wahrscheinlich ist aber eine Gruppe, wodurch das Tempo in den flachen und abfallenden Passagen höher und die Gesamtfahrzeit kürzer würde. Der Trend ist aber auch so klar: Aero regiert bei der Flucht auf dieser Bergetappe. Über drei Minuten lässt ein Bike liegen, dass so leicht wie möglich, aber aerodynamisch nicht optimiert ist. Weswegen wir das Cervelo R5 auch nicht am Start sehen werden, es dient vor allem als Referenz in unserer Berechnung.

Die ausgewiesene „Aero-Power“ ist die von TOUR im Windkanal gemessene Leistung zur Überwindung des aerodynamischen Widerstands von Rad und Dummy mit bewegten Beinen bei 45 km/h. Für die Simulation fügen wir rechnerisch noch den Oberkörper des Fahrers hinzu.

* Die Berechnungen basieren auf den von TOUR in Labor und Windkanal getesteten Rädern. Die Maschinen bei der Tour de France können in Details davon abweichen. Wo Startgewichte bekannt sind, gleich wir diese an. Last-Minute-Prototypen konnten wir natürlich noch nicht untersuchen. Hintergründe zur Simulation.

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Robert wurde 1964 in Düsseldorf geboren und fuhr seine ersten Straßenrennen mit 17 Jahren. Zum Spitzenrennfahrer reichte es nicht, aber zu späten Nischenerfolgen. 2011 gelang es Robert, Zeitfahrweltmeister der Journalisten zu werden. Nach seinem Maschinenbaustudium in Essen führte ihn sein Weg bereits 1993 zur TOUR, wo er anfangs mit der Legende Hans Christian Smolik zusammenarbeitete. Heute ist Robert freiberuflich für TOUR und BIKE unterwegs, mit den Schwerpunktthemen Aerodynamik, Messtechnik und Entwicklung neuer Prüfmethoden. Motto: Geht nicht? Gibt‘s nicht. Robert berät auch die Radindustrie und Profiteams, coacht Athleten und kümmert sich um den Radsportnachwuchs. Als Radsportler mag es Robert kurz und schnell, auf schmalen wie auf breiten Reifen.

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