Matthias Borchers
· 26.07.2026
Richard Carapaz hat in Alpe d'Huez seinen dritten Etappensieg bei der Tour de France gefeiert. Der Ecuadorianer, der die letzten drei Kilometer des Anstiegs mit einem Schnitt von 24,7 km/h absolvierte, gewann damit bereits zum zweiten Mal bei dieser Tour nach seinem Erfolg in Orcières-Merlette.
Sein erster Tour-Etappensieg gelang ihm 2024 in Superdévoluy. Mit nun drei Erfolgen gehört der Fahrer von EF Education-EasyPost endgültig zu den erfolgreichsten Grand-Tour-Kletterern seiner Generation.
Mit seinem Erfolg in Alpe d'Huez erreicht Carapaz eine exklusive Marke. Er ist erst der 27. Fahrer der Radsportgeschichte, der mindestens drei Etappen bei allen drei Grand Tours gewinnen konnte.
Insgesamt kommt der Ecuadorianer nun auf zehn Grand-Tour-Etappensiege: jeweils drei bei der Tour de France und der Vuelta a España sowie vier beim Giro d'Italia.
Unter den aktuell aktiven Fahrern haben dieses Kunststück nur Tadej Pogacar, Primoz Roglic, Jonas Vingegaard, Mads Pedersen und Michael Matthews ebenfalls geschafft. Der unerreichte Rekordhalter bleibt Eddy Merckx mit insgesamt 65 Etappensiegen bei den drei großen Landesrundfahrten.
Richard Carapaz ist der erste Ecuadorianer und erst der zweite Südamerikaner überhaupt, der eine Tour-Etappe in Alpe d'Huez gewinnt.
Der bislang einzige südamerikanische Sieger am berühmtesten Anstieg der Tour war der Kolumbianer Luis Herrera. Er triumphierte dort 1984 nach einer Solofahrt vor Laurent Fignon und Miguel Arroyo.
Nach mehr als vier Jahrzehnten steht damit wieder ein Fahrer aus Südamerika ganz oben auf dem Podium der legendären 21 Kehren.
Mit 33 Jahren, einem Monat und 26 Tagen gehört Richard Carapaz nun zu den ältesten Siegern auf der Alpe d'Huez.
Älter waren lediglich Carlos Sastre, der 2008 im Alter von 33 Jahren und drei Monaten gewann, sowie Joaquim Agostinho. Der Portugiese triumphierte 1979 sogar mit 37 Jahren auf dem legendären Alpenanstieg.
Für Carapaz ist der Erfolg ein weiterer Beweis dafür, dass Erfahrung und Rennintelligenz auch im modernen Radsport weiterhin entscheidende Faktoren sein können.
Tadej Pogacar musste diesmal den Tagessieg abgeben, verteidigte seine Gesamtführung aber souverän. Der Slowene trug damit bereits zum 70. Mal in seiner Karriere das Gelbe Trikot.
Diese Marke erreichten zuvor lediglich die fünfmaligen Tour-Sieger Eddy Merckx und Bernard Hinault. Zugleich führte Pogacar zum 90. Mal überhaupt eine Grand Tour an, denn zu seinen 70 Gelben Trikots kommen noch 20 Tage im Rosa Trikot des Giro d'Italia hinzu.
An Miguel Indurain fehlt Pogacar mittlerweile nur noch ein Trio von Führungstrikots. Der Rekord von Eddy Merckx mit insgesamt 200 Tagen als Gesamtführender einer Grand Tour bleibt dagegen weiterhin außer Reichweite.
Mads Pedersen steht unmittelbar vor dem Gewinn des Grünen Trikots. Der Fahrer von Lidl-Trek baute seinen Vorsprung durch den Sieg beim Zwischensprint in Saint-Julien-Mont-Denis auf 82 Punkte aus.
Da auf der Schlussetappe nach Paris nur noch 75 Punkte vergeben werden, kann Jasper Philipsen den Dänen rechnerisch nicht mehr einholen.
Bemerkenswert ist dabei die Art und Weise, wie Pedersen seine Führung aufgebaut hat: Von seinen insgesamt 527 Punkten holte er 358 bei Zwischensprints. Der ehemalige Weltmeister gewann acht dieser Wertungen und sammelte auf jeder Straßenetappe mindestens zwölf Punkte.
Mit den Höchstwertungen auf Croix de Fer, Télégraphe und Galibier sammelte Richard Carapaz weitere 65 Punkte für die Bergwertung und steht kurz vor seinem zweiten Gewinn des Gepunkteten Trikots.
Der Fahrer von EF Education-EasyPost sicherte sich die Führung in der Kletterwertung erst auf den letzten Alpenetappen und wiederholt damit nahezu exakt das Szenario von 2024.
Vor Carapaz gelang es lediglich fünf Fahrern, das Bergtrikot erst in den letzten Tagen der Tour an sich zu reißen. Zu ihnen gehören Giancarlo Bellini, Samuel Sánchez, Nairo Quintana, Chris Froome und Tadej Pogacar. Besonders bemerkenswert: Pogacar schnappte Carapaz das Trikot 2020 auf den letzten Metern noch weg, vier Jahre später revanchierte sich der Ecuadorianer.

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