Sean KellyIrlands erfolgreichster Klassikerjäger wird 70

Thomas Musch

 · 13.05.2026

Sean Kelly war einer der erfolgreichsten Rennfahrer der 1980er-Jahre und feiert dieses Jahr seinen 70. Geburtstag
Foto: Getty Images/Tim de Waele

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Am 24. Mai feiert einer der populärsten Radprofis der 80er-Jahre seinen 70. Geburtstag: Sean Kelly gewann zwischen 1977 und 1994 insgesamt 194 Rennen und zählte zu den dominierenden Fahrern seiner Ära.

Der Ire aus Carrick-on-Suir war einer der vielseitigsten Rennfahrer seiner Zeit. Er gewann vier der fünf Monumente des Radsports mehrfach, darunter Paris-Roubaix zweimal und die Lombardei-Rundfahrt dreimal. Bei Paris-Nizza stellte Sean Kelly mit sieben aufeinanderfolgenden Siegen zwischen 1982 und 1988 einen bis heute gültigen Rekord auf. Die Vuelta a España gewann er 1988, bei der Tour de France sicherte er sich viermal das Grüne Trikot des besten Sprinters. Von 1984 bis 1989 führte Kelly fünf Jahre lang ununterbrochen die Radsport-Weltrangliste an.

Sean Kelly: Vom Bauernsohn zum Radprofi

Der am 24. Mai 1956 in Waterford geborene Sean Kelly wuchs als dritter von vier Brüdern in der elterlichen Landwirtschaft auf. Während seine Brüder auf dem Hof arbeiteten, folgte Kelly einem Aufruf örtlicher Radclub-Funktionäre, sich im Radsport zu versuchen - mit Erfolg: In drei Jahren als Amateur sammelte er bereits eine beachtliche Anzahl an Siegen. Durch die Vermittlung eines Reporters reiste er nach Frankreich, um dort in der Region um Metz Radrennen zu bestreiten, von denen er einige gewinnen konnte.

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Das Heimweh nach Irland trieb den jungen Rennfahrer allerdings bald wieder zurück auf die Insel, noch bevor die Talentsucher der Profiteams Kontakte zu ihm knüpfen konnten. Lediglich der französische Teamleiter Jean de Gribaldy, der ein gutes Gespür für vielversprechende Talente hatte, heftete sich an die Fersen des damals 20-jährigen Kelly und reiste ihm nach Irland hinterher. Er konnte den Rotschopf davon überzeugen, einen Profivertrag zu unterschreiben. Im Januar 1977 landete Kelly in Besançon und startete seine Karriere an der Seite von Freddy Maertens und Michel Pollentier beim Gribaldys Team Flandria.

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Clever und sprinstark

​Mit Stärke, Schnelligkeit, exzellenter Rennübersicht und einem unwiderstehlichen Finale entwickelte sich Sean Kelly im Laufe der Jahre zum Siegfahrer. Bei den Eintagesrennen feierte er seine größten Triumphe. Er gewann vier der fünf Monumente des Radsports mehrmals. Paris-Roubaix entschied er 1984 und 1986 für sich. Lüttich-Bastogne-Lüttich gewann er 1984 und 1989. Mailand-San Remo holte er 1986 und 1992. Die Lombardei-Rundfahrt dominierte er mit Siegen 1983, 1985 und 1991. Lediglich die Flandern-Rundfahrt fehlt in seiner Siegesliste der Monumente.

​Kelly war aber nicht nur bei Eintagesrennen erfolgreich, sondern gehörte auch bei Rundfahrten und Etappenrennen zu den Besten. Ein besonderes Verhältnis entwickelte er zu Paris-Nizza. Das „Rennen zur Sonne", das die Saison der Etappenrennen im Frühjahr einläutet, gewann er siebenmal in Folge von 1982 bis 1988 und ist damit bis heute Rekordsieger. Die Tour de Suisse entschied er 1983 und 1990 für sich. Bei der Vuelta a España holte er viermal die Punktewertung und gewann 1988 die Gesamtwertung. Als starker Zeitfahrer sicherte er sich 1986 den Grand Prix des Nations sowie dreimal das Critérium International in den Jahren 1983, 1984 und 1987.

Die Sean-Kelly-Straße

In seinem Geburtsort Carrick-on-Suir wurde 1982 eine Straße nach ihm benannt, nachdem er bei der Tour de France erstmals das Grüne Trikot des besten Sprinters nach Paris getragen hatte. Diesen Erfolg wiederholte er 1983, 1985 und 1989. Insgesamt fuhr Kelly fünf Etappensiege bei der Tour de France heraus. Seine Sprinterqualitäten machten ihn zu einem gefürchteten Gegner im Massensprint.

Bei den Straßenrad-Weltmeisterschaften blieb ihm der ganz große Erfolg verwehrt. 1982 und 1989 wurde er jeweils Dritter. Seine Konstanz spiegelte sich in der Radsport-Weltrangliste wider, die er seit deren Einführung 1984 über fünf Jahre ununterbrochen anführte. Als Radprofi gewann er 194 Rennen.

Co-Kommentator bei Eurosport

Seit dem Ende seiner aktiven Laufbahn betreibt Kelly Radsport als Freizeitsportler. In Irland lockt er bei diversen Jedermannrennen Tausende von Hobbysportlern auf die Räder. Als Co-Kommentator bei Eurosport bleibt er eng mit der Szene verbunden und gibt seine Erfahrungen an die nächste Generation weiter. Neben Stephen Roche gehört Sean Kelly zu den erfolgreichsten Fahrern Irlands.

Sean Kellys Trophäenschrank

  • Paris-Roubaix 1984 und 1986
  • Lombardei-Rundfahrt 1983, 1985 und 199l
  • Mailand-San Remo 1986 und 1992
  • Lüttich-Bastogne-Lüttich 1984 und 1989
  • Vuelta a España 1986
  • Paris-Nizza 1982, 1983, 1984, 1985, 1986, 1987 und 1988
  • Tour de Suisse 1983 und 1990
  • Grand Prix des Nations 1986
  • Critérium International 1983, 1984 und 1987
  • Grünes Trikot der Tour de France 1982, 1983, 1985 und 1989

Thomas Musch

Thomas Musch

Herausgeber

Der lupenreine Freizeitsportler beschloss einst als Student der Germanistik und Politikwissenschaften, sein Glück als Journalist zu versuchen. Seine Rennradleidenschaft führte ihn schnurstracks als Praktikant in die TOUR-Redaktion, woraus eine inzwischen mehr als 30 Jahre währende Herzensangelegenheit geworden ist, 16 Jahre davon als Chefredakteur. Als – nach eigener Aussage – „Generalist in der Nische Radsport“ interessiert er sich für alle Themen rund ums Rennrad (und Gravelbike) und begeistert sich bis heute ganz besonders für den Rennsport. Highlights seiner eigenen Rennradler-Karriere sind die Teilnahme an der TOUR-Transalp, dem einen oder anderen Jedermann-Rennen und die regelmäßigen Alpentouren mit Freunden.

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