Der Gravel-Radsport boomt. Das stößt nicht nur auf Freude. Denn was lange Zeit eine Disziplin abseits der Straßen-Konventionen zu sein schien, mit eigenen Stars und lockerem Umgang, ist zunehmend in den Fokus der absoluten Top-Fahrer geraten. Und die fahren nun einmal auf der Straße für ihren Lebensunterhalt. Der Radsport-Weltverband UCI hat erkannt, dass die Fortentwicklung des Rennradsports kommerziell von höchster Bedeutung ist. Die Sportlerinnen und Sportler wissen, dass sie auf diesem Gelände Neuland beackern können – gerade auch kommerziell. Also wagen sie sich in die Wettbewerbe.
Überhaupt erst zum zweiten Mal organisierte die UCI 2023 eine Gravel-Weltmeisterschaft. Wieder war die italienische Region Veneto Gastgeberin, wenngleich das Rennen kurzfristig von Vicenza in die Hügel des Prosecco verlegt wurde. Dort prallten erneut Welten aufeinander: World-Tour-Straßenprofis fuhren gegen Schotterspezialisten. Und am Ende blieb erneut die Erkenntnis: Wenn es hart auf hart kommt, setzen sich die Straßenprofis durch. Bei den Männern war es der Slowene Matej Mohoric, der nach hartem Kampf seinen Verfolger Florian Vermeersch aus Belgien auf Abstand hielt.
Bei den Frauen überraschte die Polin Kasia Niewiadoma nicht nur mit ihrer kurzfristigen Teilnahme, sondern auch mit einem erfolgreichen Angriff auf Gold. Sie hielt Silvia Persico aus Italien und Demi Vollering aus den Niederlanden auf Abstand. Für die Polin, die stets auf Top-Niveau agiert, war es der erste Sieg seit 2019. Und für ihren Fahrradausstatter bot das Rennen die Gelegenheit, neues Equipment zu präsentieren. Denn das Rad der Weltmeisterin war zuvor noch nicht zu sehen gewesen. Schade war indes ein Aufreger der Gravel-WM. Vom Frauenrennen gab es keine Live-Bilder im Fernsehen und im Netz. Ein vorläufiger Rückschlag bei der Entwicklung des Radsports.