Eschborn-Frankfurt 2026Wer holt sich den Sieg in Frankfurt?

Leon Weidner

 · 30.04.2026

Eschborn-Frankfurt 2026: Wer holt sich den Sieg in Frankfurt?Foto: Picture Alliance/Roth
Der Mammolshainer Stich ist auch in diesem Jahr wieder eine der Schlüsselstellen und könnte sogar zur Entscheidung führen
​Eschborn–Frankfurt 2026 wird deutlich selektiver. Ein neuer Anstieg und der Mammolshainer Stich könnten für die Entscheidung sorgen. Wer kommt mit der verschärften Strecke am besten zurecht – und ist eine Überraschung für Nils Politt drin?

Das deutsche WorldTour-Rennen Eschborn-Frankfurt zeigt sich in diesem Jahr mit einer zentralen Neuerung: Der Kurs wurde deutlich verschärft. Zusätzliche Höhenmeter und vor allem der Burgweg in Niederreifenberg verändern das Profil spürbar. Damit sinken die Chancen der klassischen Sprinter erheblich, während Fahrer mit ausgeprägten Klassiker-Qualitäten klar im Vorteil sind. Entsprechend dürfte sich auch die Taktik im Rennen wandeln: weniger Kontrolle im Hinblick auf einen Massensprint, dafür mehr Spielraum für Attacken und einen selektiveren Rennverlauf. Für die Spannung des Klassikers ist das eine positive Nachricht.

Die Favoriten für Eschborn-Frankfurt

Die beiden kennen sich: Tobias Lund Andresen und Matthew Brennan haben ähnliche StärkenFoto: Getty Images/Con ChronisDie beiden kennen sich: Tobias Lund Andresen und Matthew Brennan haben ähnliche Stärken

Der Titelverteidiger Michael Matthews bringt jede Menge Erfahrung und Klasse mit. Doch mit 35 Jahren bleibt ein weiterer Triumph eher die Ausnahme als die Regel: Ein Sieg ist möglich, aber angesichts der neuen Streckencharakteristik deutlich weniger wahrscheinlich als noch vor einigen Jahren. Zumal die Konkurrenz nicht nur jünger ist, sondern auch explosiver fährt und damit spürbar besser zum überarbeiteten Profil passt.

Ganz oben auf der Liste der heißen Kandidaten stehen Tobias Lund Andresen und Matthew Brennan. Beide kombinieren eine starke Endschnelligkeit mit der nötigen Härte, um ein selektives Rennen nicht nur zu überstehen, sondern selbst in die Offensive zu gehen. Gerade auf der neuen Strecke könnten sie ihre Trümpfe ausspielen, vorausgesetzt sie finden im entscheidenden Moment den richtigen Anschluss und können an Fahrern wie Pello Bilbao dranbleiben. Im Sprint aus einer kleinen Gruppe heraus haben sie das Steuer in der Hand.

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Direkt dahinter wird es aus deutscher Sicht besonders spannend: Nils Politt. Der Kölner kennt die Straßen, bringt einen gewaltigen Motor mit und gehört zu den wenigen Deutschen im Feld, denen man realistische Siegchancen zutrauen kann. Der Schlüssel liegt allerdings in der Teamtaktik. Nur wenn seine Mannschaft tatsächlich auf ihn setzt und das Finale für Politt ausrichtet, wird aus der Außenseiter-Option ein echter Sieganwärter. Selten, aber alles andere als ausgeschlossen. Dass Politt bei Tagesrennen mitfahren kann, hat er bereits eindrucksvoll bewiesen, zumeist findet man ihn jedoch in der Helferrolle für seinen Kapitän Tadej Pogačar.

Nils Politt hat schon mehrfach bewiesen, dass er bei Eintagesrennen ganz vorne mitmischen kannFoto: Getty Images/Pim WaslanderNils Politt hat schon mehrfach bewiesen, dass er bei Eintagesrennen ganz vorne mitmischen kann

Ebenfalls zum erweiterten Favoritenkreis gehören Pello Bilbao, Ion Izagirre und Alex Aranburu. Ihr Problem liegt allerdings auf der Hand. Sie müssen das Rennen vor dem Sprint entscheiden. Gegen Fahrer wie Brennan oder Andresen haben sie im direkten Finale kaum eine Chance. Entsprechend wird man von ihnen Attacken erwarten, idealerweise rund um den entscheidenden Abschnitt am Mammolshainer Stich. Doch selbst dort gilt: Ein kleiner Vorsprung reicht nicht. Nach der letzten Überfahrt sind es noch rund 35 Kilometer bis ins Ziel, genug Zeit für eine organisierte Verfolgung.

Ein Fragezeichen steht hinter Tim Wellens. Der Belgier bringt grundsätzlich das perfekte Profil für dieses Rennen mit, doch seine Form ist schwer einzuschätzen. Nach seinem Sturz bei Kuurne-Brüssel-Kuurne befindet er sich noch immer im Aufbau und ist womöglich nicht bei 100 Prozent.

Rennausgang offener denn je

Alles deutet darauf hin, dass Eschborn-Frankfurt in diesem Jahr deutlich offener und selektiver wird. Die neue Strecke verhindert einen klassischen Sprint zwar nicht, macht aber die Tür für vielseitige Klassikerfahrer weiter auf. Besonders Tobias Lund Andresen und Matthew Brennan stechen heraus, doch auch Nils Politt könnte vor heimischem Publikum für eine Überraschung sorgen.

Leon Weidner

Werkstudent

Leon Philip Weidner ist Kölner, verfolgt den Profi-Radsport intensiv und ist selbst leidenschaftlich auf dem Rennrad unterwegs. Neben langen Kilometern im Sattel des Straßenrads sitzt er auch regelmäßig auf dem Zeitfahrrad – stets mit dem nächsten Triathlon im Blick. Seine Expertise verbindet sportliche Praxis mit Szenewissen.

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