Als Mathieu van der Poel gerade seinen ersten großen Erfolg des Jahres 2023 ersprintet hatte, mochte er noch leicht reden. “Das ist sicherlich einer der drei schönsten Siege, die ich in meiner Karriere hatte. Ich werde mich lange Zeit daran erinnern”, sagte der Niederländer über seinen fünften Weltmeistertitel im Radcross. Da konnte er allerdings noch nicht wissen, dass ihm ein Jahr vieler großartiger und erinnerungswürdiger Siege bevorstand.
Die Querfeldein-WM in Hoogerheide brachte den erhofften Showdown der beiden Top-Stars der Winterdisziplin. Mathieu van der Poel und der Belgier Wout van Aert lieferten sich schon von der ersten der insgesamt zehn Runden auf einem sehr schnellen Parcours in der Frühjahrssonne ein packendes Duell. Vor allem der Niederländer attackierte immer wieder, doch wurde er seinen Dauerrivalen nicht los. So kamen van der Poel und der dreimalige Cross-Weltmeister van Aert der asphaltierten Zielgeraden immer näher, bis van der Poel früh den Endspurt anzog, den sprintstarken Belgier damit überrumpeln und den Vorsprung bis ins Ziel halten konnte.
Die spannungsgeladene Cross-WM brachte starke Bilder, war gute Werbung und lockte etwa 50.000 Zuschauer aufs Gelände, wo der wichtigste Radcross-Wettbewerb des Jahres stattfand. Doch besteht, abseits dieser herausgehobenen Festtage des Querfeldeinsports, eher Grund zur Besorgnis. Sven Nys, der emeritierte Cyclocross-Superstar aus Belgien, machte sich zu Beginn der Saison 2023/24 öffentlich Gedanken. Dass van der Poel und van Aert überhaupt noch im Winter ins Gelände kämen, sei “ein Sieg für den Querfeldeinsport”, so der Weltmeister von 2005 und 2013. Aber auf der anderen Seite bringe die Konzentration der Veranstalter auf die beiden Superstars auch Probleme mit sich. Es werde sich zeigen, dass die beiden Top-Stars nicht mehr so häufig antreten könnten. “Und dann finde ich es schade, dass einige dieser Veranstalter enttäuscht sind und im September und Oktober nichts mehr organisieren.” Für Nys steht fest: Nach den Karrieren der beiden Mega-Stars wird der Radcross wieder von Spezialisten der Disziplin dominiert.
Als solche Spezialistin gilt die neue Weltmeisterin Fem van Empel. Die vormalige U23-Weltmeisterin legte auf einem deutlich schwieriger als bei den Männern zu befahrenden, nass-matschigen Rundkurs einen Solosieg hin. Erneut zeigte sich auch die Dominanz der Niederländerinnen in der Renndisziplin des Winters. Acht Frauen in Orange standen in Startreihe eins. Mit Puck Pieterse (Silber) und Lucinda Brand (Bronze) kamen nur Niederländerinnen aufs Podium.