Die Clásica San Sebastián gehört seit ihrer Premiere im Jahr 1981 zu den Aushängeschildern des internationalen Radsports. Als einziges spanisches Eintagesrennen im Kalender der UCI WorldTour zählt sie zu den renommiertesten Klassikern überhaupt und gilt unmittelbar hinter den fünf Monumenten als eines der bedeutendsten Rennen seiner Art. Besonders bemerkenswert: Seit der Einführung des Rad-Weltcups im Jahr 1989 gehört die baskische Traditionsveranstaltung ununterbrochen zur jeweils höchsten internationalen Rennserie, heute der UCI WorldTour.
Das Rennen wird von der baskischen Organisation OCETA (Organizaciones Ciclistas Euskadi) ausgerichtet, die auch für die Baskenland-Rundfahrt der Frauen und Männer verantwortlich ist. Tief verwurzelt ist die Clásica dabei in der Kultur des Baskenlandes. Statt einer herkömmlichen Siegertrophäe erhält der Gewinner traditionell eine Txapela, die typische baskische Mütze. Sie ist längst zu einem Markenzeichen des Rennens geworden und gehört für viele Profis zu den begehrtesten Trophäen im Radsport.
Nicht zuletzt aufgrund ihres anspruchsvollen Profils mit den berühmten Anstiegen rund um Jaizkibel, sowie ihrer unmittelbaren Nähe zur Tour de France genießt die Clásica San Sebastián unter Fahrern und Fans einen ganz besonderen Stellenwert. Jahr für Jahr zieht sie die besten Kletterer und Klassikerjäger der Welt ins Baskenland, auch aufgrund ihres unvorhersehbaren Ausgangs. Hier können die klassischen Gesamtklassement-Fahrer ebenso wie reine Klassikerspezialisten gewinnen.
Der San-Sebastián-Klassiker ist für seine zahlreichen schweren Anstiege bekannt. Mit insgesamt 4150 Höhenmetern nähert sich das Rennen den Anforderungen von Lüttich-Bastogne-Lüttich an. Im Vergleich zu den Vorjahren wurde die Strecke angepasst. 2026 müssen die Profis sieben statt bisher sechs kategorisierte Anstiege bewältigen. Der Andazarrate fällt aus dem Programm, dafür stehen mit dem Kalbario und dem Azkarate gleich zu Beginn zwei neue Anstiege auf dem Streckenplan. Danach bleibt der Kurs unverändert. Durch die Anpassungen verlängert sich die Renndistanz jedoch um zehn Kilometer.
Entscheidend für den Ausgang des Rennens dürften die beiden letzten Anstiege sein. Sowohl der Erlaitz als auch der Murgil weisen besonders steile Passagen mit einer durchschnittlichen Steigung von mehr als zehn Prozent auf. Zuvor führt die Strecke zweimal durch das Ziel in San Sebastián, bevor die Fahrer auf die finale Zielgerade einbiegen. Beide Zieldurchfahrten sind zudem mit Zwischensprintpunkten versehen.
Der Topfavorit ist in diesem Jahr ganz klar Remco Evenepoel. Der Belgier kann mit einem vierten Sieg zum alleinigen Rekordhalter der Clásica San Sebastián werden. Nach seinem starken zweiten Platz bei der Tour de France reist er mit viel Selbstvertrauen ins Baskenland. Die einzige Frage ist, wie gut er die Belastungen der vergangenen drei Wochen verkraftet hat.
Der Titelverteidiger Giulio Ciccone steht ebenfalls wieder am Start, befindet sich aktuell jedoch nicht in seiner besten Form. Ein erneuter Triumph des Italieners käme daher eher überraschend. Ähnliches gilt für den Giro-Zweiten Felix Gall. Die Anstiege liegen ihm grundsätzlich, doch die kurzen und explosiven Attacken im Finale dürften ihm weniger entgegenkommen. Gegen Fahrer wie Evenepoel fehlt ihm auf den letzten Rampen womöglich die entscheidende Spritzigkeit.
Lenny Martinez zählt nach seiner starken Tour de France zu den interessantesten Fahrern im Feld. Der Franzose sollte vor allem von einem harten Rennen profitieren und besitzt das Potenzial für eine Top-Platzierung. Auch Giulio Pellizzari bringt die nötigen Qualitäten mit. Allerdings dürfte der junge Italiener in erster Linie als Edelhelfer für Evenepoel eingeplant sein und nur bei einem ungewöhnlichen Rennverlauf eigene Freiheiten erhalten.
Zu den größten Herausforderern der Kletterspezialisten zählen Mauro Schmid und Quinn Simmons. Beide präsentierten sich zuletzt in starker Form und verfügen über die nötige Bergfestigkeit, um die entscheidenden Anstiege zu überstehen. Kommt eine kleine Gruppe gemeinsam ins Ziel, dürften sie vielen reinen Bergfahrern im Sprint überlegen sein. Besonders Simmons gehört deshalb neben Evenepoel zu den ganz heißen Anwärtern auf den Sieg.
Mit Jan Christen und Jhonatan Narváez schickt UAE Emirates-XRG gleich zwei interessante Optionen ins Rennen. Christen vereint Explosivität mit Kletterstärke und bringt damit ideale Voraussetzungen für das Profil mit. Narváez besitzt sogar noch mehr Endschnelligkeit, könnte jedoch Schwierigkeiten bekommen, falls das Rennen an den letzten Anstiegen maximal forciert wird.
Die Liste der Siegkandidaten ist lang. Schmid, Simmons, Martinez, Gall oder das UAE-Duo verfügen allesamt über realistische Chancen auf ein Spitzenresultat. Dennoch führt die Favoritenrolle klar über Remco Evenepoel. Das Profil passt perfekt zu seinen Fähigkeiten und mit der Aussicht auf den alleinigen Rekord dürfte die Motivation zusätzlich groß sein. Dreimal hat er schon gezeigt, weshalb dieses Rennen nur zu gut zu ihm passt.
Das Eintagesrennen Clásica San Sebastián wird im deutschen Fernsehen am Samstag, dem 1. August nicht live im Fernsehen übertragen. Das Finale des Rennens wird lediglich beim kostenpflichtigen Streaming-Dienst Discovery Plus ab 15 Uhr gezeigt.

Redakteur
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