Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entscheidet am 26. September, welcher deutsche Kandidat sich um die Olympischen und Paralympischen Spiele zwischen 2036 und 2044 bewerben darf. Zur Auswahl stehen Berlin, KölnRheinRuhr und München. Mit dem nationalen Votum beginnt für den Gewinner allerdings erst das internationale Bewerbungsverfahren des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).
Die DOSB-Mitgliederversammlung stimmt am 26. September über die drei deutschen Konzepte ab. Die positiven Bürgerentscheide in München und der Region KölnRheinRuhr könnten nach Einschätzung des Kölner Sportpolitikexperten Jürgen Mittag einen leichten Vorteil darstellen. In der Vergangenheit seien Bewerbungen wiederholt an mangelnder Unterstützung in der Bevölkerung gescheitert. Die Abstimmungsergebnisse seien deshalb “ein maßgeblicher Faktor”, sagte Mittag. Über die langfristige Tragfähigkeit der jeweiligen Konzepte sagten sie jedoch nur wenig aus. Neben der Qualität der Bewerbung dürften geopolitische Bedingungen, mögliche Gegenkandidaten, wirtschaftliche Interessen und die strategischen Ziele des IOC eine Rolle spielen. Entscheidend sei zudem, welche Geschichte ein Konzept vermittle und welches langfristige Erbe es verspreche.
Ansgar Thiel, Rektor der Deutschen Sporthochschule Köln, sieht in einer möglichen Austragung vor allem langfristige Entwicklungschancen. Olympische und Paralympische Spiele könnten “ein starkes Zukunftsprojekt für die Region” sein, erklärte er mit Blick auf KölnRheinRuhr. Voraussetzung sei, dass Investitionen etwa in Sportstätten, Mobilität und Stadtentwicklung dauerhaft der Bevölkerung zugutekämen.
Der Gewinner der DOSB-Abstimmung gehört noch nicht automatisch zum engeren Kreis möglicher Gastgeber. Ab März 2027 kann das IOC entscheiden, welche Städte oder Regionen in den neuen “Strategic Dialogue“ aufgenommen werden. Das reformierte Verfahren soll Bewerbern früher eine Einschätzung ihrer Erfolgsaussichten ermöglichen. Das IOC wolle verhindern, “dass Städte jahrelang enorme Summen in eine Bewerbung investieren, ohne zwischendurch eine realistische Einschätzung ihrer Chancen zu bekommen”, sagte Wassong. Nach seiner Einschätzung könnte die Auswahl dadurch transparenter und kostengünstiger werden.
Mit Zwei-Drittel-Mehrheiten haben sich die Menschen in München und KölnRheinRuhr für eine Olympiabewerbung ausgesprochen, während Berlin auf einen ebenso breiten Beschluss des Abgeordnetenhauses setzt und Hamburg nach einem negativen Referendum ausgestiegen ist. Der Sportpolitikforscher Prof. Jürgen Mittag von der Deutschen Sporthochschule Köln bewertet die Bürgerentscheide als wichtigen Vorteil für München und KölnRheinRuhr.
“Die Bürgerentscheide sind aus meiner Sicht ein maßgeblicher Faktor“, sagte Mittag und verwies auf die direkte demokratische Legitimation der Bewerbungen. Zugleich warnte er davor, die Abstimmungen überzubewerten, da sie noch nichts darüber aussagten, ob ein Konzept “sportfachlich überzeugt, finanziell tragfähig ist und international konkurrenzfähig“.
Im Rennen sieht der Wissenschaftler München und KölnRheinRuhr vor Berlin, wobei München wegen des Olympiaparks, der Erinnerung an 1972 und der kurzen Wege derzeit knapp vorn liege. KölnRheinRuhr punkte dagegen mit zahlreichen vorhandenen Sportstätten, großer Veranstaltungserfahrung und einem hohen Zuschauerpotenzial, müsse aber die Funktionsfähigkeit seines weitläufigen, polyzentrischen Konzepts beweisen.
Mit Blick auf das Auswahlverfahren fordert Mittag nachvollziehbare Begründungen: “Am Ende sollte aber erkennbar sein, warum sich der DOSB für einen bestimmten Kandidaten entschieden hat und welche Kriterien dabei ausschlaggebend waren.“
Deutschlands Chancen auf die Spiele 2036 schätzt er wegen der geopolitischen Konkurrenz zurückhaltend ein, während er 2040 für aussichtsreicher hält: “Die strategisch interessantere Perspektive dürfte 2040 sein.“

Redakteur
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.