Manchmal schreibt der Sport besonders schöne Geschichten: ein echter Radsportfan, der plötzlich selbst am Start steht, das ist die Geschichte des deutschen Karl Hall. Noch vor Kurzem hat Hall sich als Radsportfan neben Tadej Pogačar fotografiert - jetzt rückt er selber nahe ran an den Profi-Radsport. Hall arbeitete 2024 und 2025 als Mechaniker für das Team Bike Aid und betreute die Räder der Fahrer bei internationalen Rennen. “Er hat sich bei uns als Betreuer beworben, wollte gerne nah am Radsport sein. Sein heimliches Ziel war natürlich selbst wieder Rennen zu fahren. Davon hat er erstmal nix erzählt”, berichtet Bike-Aid-Manager Matthias Schnapka. Bei Trainingsausfahrten fiel sofort auf, wie gut er auf dem Rad sitzt und wie schnell er die Berge hinauf und auch wieder runter kommt. Das brachte sein Team BIKE AID dazu, Karl Hall die Chance auf eine Profikarriere zu geben. Der ehemalige Teammechaniker erhält einen Stagiaire-Vertrag für die zweite Saisonhälfte 2026.
Hall war in seiner Jugend Leistungsschwimmer und zeigte früh Talent im Radsport. Die Anmeldung für ein Radsportinternat stand bereits fest - er hatte das Internat zusammen mit seinen Eltern ausgesucht. Doch dann platzte der Traum ohne Vorwarnung. Eine Immunerkrankung zwang ihn, den Leistungssport aufzugeben. Der Traum vom Profiradsport blieb trotz der gesundheitlichen Rückschläge bestehen. Im Winter 2024 reiste Hall mit Bike-Aid-Gründer Matthias Schnapka nach Monaco. Bei gemeinsamen Trainingsfahrten durch die Berge rund um Nizza fuhr Hall mit Schiffer und mehreren WorldTour-Profis. Bergauf hielt Hall das Tempo mit, auch bergab zeigte er gute Fahrtechnik. “Ich war mit ihm in Monaco und wie üblich trifft man dort auf die WorldTour Bubble, Karl wollte unbedingt bei einer Trainingsrunde mitfahren”, berichtet Schnapka. Bei der ersten Ausfahrt machte er sich noch Sorgen, dass Hall bergauf nicht abgehängt wird und bergab nicht überfordert ist. Die Leistung überraschte das Bike Aid Team. Hall traf während der Reise im Hafen von Monaco sogar auf Tadej Pogačar und machte ein Fan-Selfie. “Man konnte ihm ansehen, wie viel ihm dieser Sport bedeutet und dass da noch ein eigener Traum schlummert”, heißt es vom Team Bike Aid. Die Saison 2025 verbrachte Hall auf der anderen Seite des Profiradsports. Er begleitete BIKE AID als Mechaniker zu vielen Rennen, kümmerte sich um die Räder und unterstützte die Fahrer hinter den Kulissen. Parallel fuhr er selbst wieder Rennen im Amateurbereich.
Über den Winter verbesserte sich Halls gesundheitlicher Zustand. Die Ärzte gaben grünes Licht für ein Training im Leistungsbereich. Hall begann ernsthaft zu trainieren und entwickelte sich 2026 innerhalb weniger Monate zu einem der stärksten deutschen Amateure. In der Rad Bundesliga überzeugte er mit mehreren Siegen. So konnte er unter anderem bei den Landesmeisterschaften in Baden-Württemberg mit Süddeutscher Meisterschaft 1er-Straße den Sieg in seiner Klasse einfahren. Die Ergebnisse zeigten, dass sein früherer Weg in den Leistungssport berechtigt war.
Bike Aid entschied, Hall die Chance auf eine Profikarriere zu geben. Die lange Pause durch die Erkrankung hatte seine sportliche Entwicklung unterbrochen. Das Team will ihm ermöglichen herauszufinden, welches Potenzial in ihm steckt.
Hall startet Ende der Woche bei La Polynormande in Frankreich. Das Eintagesrennen markiert sein Debüt im Profiradsport. Danach folgt die bergige Tour du Limousin als nächste Aufgabe. Bei beiden Rennen wird er auf einen prominenten Stagiare treffen: Der Biathlet Émilien Jacquelin feiert dort ebenfalls seinen Profi-Einstand. 2025 stand Hall bei solchen Rennen noch am Teambus und bereitete die Fahrräder der Bike Aid Profis vor. Jetzt erhält er selbst eine Startnummer.

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