Sebastian Lindner
· 28.05.2026
In Feltre am Rande der Dolomiten nimmt sie ihren Lauf - die unbestritten schwierigste Etappe des Giro d’Italia 2026. 151 Kilometer, 5000 Höhenmeter. Und die konzentrieren sich dabei auf die letzten 100 Kilometer. Denn das erste Drittel des Tages in nordwestlicher Richtung durch das Tal des Piave bis Orzes dient dabei als Einrollphase.
Dann aber wird es heftig. Bis ins Ziel geht es nur noch steil bergauf oder steil bergab. Beginnend mit dem Passo Duran (1. Kategorie) werden sechs Anstiege in unmittelbarer Folge überfahren. Nach dem Duran, der mit zwölf Kilometern der längste ist, mit 8,2 Prozent aber einer der weniger steilen, geht es durch das Val di Zoldo nach Coi (2. Kategorie) und im Anschluss weiter über den Staulanzapass (2. Kategorie). Beide Anstiege sind mit rund sechs Kilometern eher kurz, der nach Coi aber mit bis zu 19 Prozent aber auch steil.
Nach dem Forcella Staulanza ist gut die Hälfte des Tages zurückgelegt, doch es warten noch drei schwierige Berge. Der Passo Giau ist der nächste, mit 2233 Höhenmetern die Cima Coppi der diesjährigen Rundfahrt. Nach der Abfahrt des zehn Kilometer langen Anstieges mit mehr als neun Prozent Steigung im Schnitt geht es runter bis kurz vor Cortina d’Ampezzo. Dort wechselt die Strecke von Richtung Nord auf West, um als nächstes den Passo Falzarego (2. Kategorie) in Angriff zu nehmen. Nach weiteren zehn Kilometern Anstieg, die aber mit nicht ganz sechs Prozent vergleichsweise einfach zu fahren sind.
Oben angekommen, dreht die Richtung wieder, jetzt auf Süd. Mehr als 20 Kilometer Abfahrt warten bis Alleghe. Dort angekommen, wartet der Finale Anstieg aufs Hochplateau von Piani di Pezzè (2. Kategorie). Die letzten fünf Kilometer sind stark verwunden. Und vor allem die letzten 1000 Meter werden schwierig. Sie kommen im Mittel mit elf Prozent Steigung daher.
Auf den Hochebenen von Pezzè endete bislang noch keine Etappe des Giro. Doch die 19. Etappe der diesjährigen Austragung wird dafür sorgen, dass der Name die Radsportwelt schnell erobern wird.
Diese Königsetappe lässt sich nicht mal eben im Vorbeigehen gewinnen. Giulio Ciccone (Lidl - Trek) wird es versuchen und dabei wahrscheinlich auch weiterhin zweigleisig fahren, auch das Bergtrikot im Blick haben. Vor allem so dürfte es ein schwieriges Unterfangen werden. Aber das gilt auch für alle anderen Ausreißer. Kaum vorstellbar, dass sich Jonas Vingegaard (Team Visma | Lease a Bike) diesen Tagessieg entgehen lassen will. Mit seinem starken Team im Rücken kann er alle Fluchtgruppen kontrollieren und die Abstände relativ geringhalten.
Auch wenn der Schlussanstieg mit fünf Kilometern relativ kurz ist, reichen zwei Minuten Vorsprung für erschöpfte Ausreißer wahrscheinlich nicht, wenn es der Däne wirklich drauf anlegt und unten in Alleghe Vollgas gibt.
Der Kampf um die Podiumsplätze dahinter könnte sich hingegen weiter zuspitzen. Zwischen Felix Gall (Decathlon CMA CGM), Thymen Arensman (Netcompany INEOS) und Jai Hindley (Red Bull - BORA - hansgrohe) liegt weniger als eine Minute. Gerade Hindley als Mann der Woche kommt diese Hammeretappe nochmal entgegen.