Wegen einer Überweisung von umgerechnet rund neun Euro an die Anti-Korruptions-Stiftung des verstorbenen Kremlkritikers Alexej Nawalnyj hat die Polizei in Sankt Petersburg einen deutschen Staatsbürger aus der Radsportszene festgenommen. Das berichten übereinstimmend russische Exil-Medien. Sie berufen sich auf die regionale Abteilung des russischen Innenministeriums, das auch Videos verbreitet hat. Die verbreiteten Aufnahmen der Festnahme zeigen Igor Leonovich, der 2008 für das Schweizer UCI Continental Team Atlas Personal – Romer's Hausbäckerei fuhr und zuvor u.a. für den RSC Wiesbaden antrat. 2007 gewann er die Hessenmeisterschaft im Bergzeitfahren und im Einzelzeitfahren. Er lebt seit mehreren Jahren in St. Petersburg, betreibt mit einem Geschäftspartner ein Fitnessstudio.
Dem Radsportler und Fitness-Coach wird vorgeworfen 900 Rubel – umgerechnet etwas mehr als neun Euro – an die Anti-Korruptions-Stiftung Nawalnyjs überwiesen zu haben, die von den russischen Behörden als “extremistisch” und “terroristisch” eingestuft wird.
Auf einem Video, das von den Behörden veröffentlicht wurde, sieht man, wie stark bewaffnete und vermummte Polizisten einer Anti-Terroreinheit ihn an seine Wohnungstür drücken. Die Polizei durchsuchte die Wohnung und beschlagnahmte einen Laptop sowie ein Smartphone. Videoaufnahmen der Behörden zeigen, wie die Hände des Mannes bei der Festnahme zitterten und er die Beamten bat, seine Familie nicht zu erschrecken. Er ist Vater von vier Kindern. Der Radsportler sitzt in den Videos an seinem Küchentisch und liest die ihm vorgelegten Vorwürfe vor, bevor er verhaftet wird. Dass die Polizei selbst das Video verbreitet, lässt vermuten, dass dadurch ein Signal gesendet werden sollte - evtl. auch nach Deutschland. Am 27. November 2025 stufte der Russische Oberste Gerichtshof die Anti-Korruptions-Stiftung (FBK) als „terroristische Organisation" ein. Das unabhängige russische Medium Mediazona errechnete, dass bis April 2026 russlandweit mindestens 225 Strafverfahren wegen Spenden an die Anti-Korruptions-Stiftung eröffnet worden waren. “Der Fall ist dem Auswärtigen Amt bekannt. Unsere Kolleginnen und Kollegen des Generalkonsulats St. Petersburg sind eingeschaltet”, erklärte ein Sprecher gegenüber TOUR. Der Name des Verhafteten wird allerdings nur in den russischen Meldungen genannt.

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