So schlugen sich die Top-Talente 2023Leknessunds Leistungsexplosion beim Giro

Sebastian Lindner

 · 29.10.2023

Andreas Leknessund fuhr 2023 beim Giro d’Italia fünf Tage im Rosa Trikot und beendete die Rundfahrt als Achter.
Foto: Getty Velo
Zu Beginn der Saison 2023 hatte TOUR den Blick auf zehn Youngster geworfen, die gute Chancen auf einen Durchbruch im Peloton der Profis haben. So lief das Jahr für Andreas Leknessund.

Im Team nennen sie ihn von Zeit zu Zeit auch mal den “Hund”. Warum Andreas Leknessund von seinen Kollegen entsprechend bezeichnet wird, ist nicht genau überliefert. Doch dürfte die Zähigkeit des Norwegers, der aus Tromso, also aus dem Inneren des Polarkreises, stammt, eine wesentliche Rolle dabei spielen.



Leknessund deutete 2022 mit dem Sieg bei seinem Heimatrennen, dem Arctic Race of Norway, an, wo seine Stärken liegen. Zudem stellte er seine Qualitäten durch mehrere Top-Platzierungen in den Nachwuchswertungen diverser Rundfahrten unter Beweis - unter anderem mit Platz fünf im Kampf um das Weiße Trikot bei der Tour de France. 2023 zeigte der Norweger, dass möglicherweise noch mehr in ihm steckt.

Leknessund beißt sich in den Giro d’Italia

Und dafür suchte er sich eine große Kulisse aus. Beim dauerverregneten Giro d’Italia suchte sich der damals noch 23-Jährige die 4. Etappe aus, die erste kleine Bergankunft am Lago Laceno. Nach mehr als 100 Kilometern als Ausreißer beendete er den Tag als Zweiter. Im Ziel brach er in Tränen aus. Doch nicht etwa aus Trauer über den verpassten Tagessieg.



Andreas Leknessund war damit ins Rosa Trikot gefahren. Er verteidigte es fünf Tage lang, selbst auf der Etappe hinauf zum Gran Sasso d’Italia. Erst im Einzelzeitfahren musste er es wieder abgeben. Auch nachdem der DSM-Profi das Leadertrikot wieder los war, brach er im Gesamtklassement nicht ein. Selbst auf den schwersten Bergetappen fuhr er lange Seite an Seite mit den Top-Athleten der Rundfahrt. Seine Zähigkeit spielte eine wesentliche Rolle, um den Giro als Achter zu beenden.

Giro einziges Highlight in Leknessunds Saison

Nach dem Giro war vom Norweger allerdings für den Rest der Saison nichts mehr zu sehen. Bei den beiden Etappenrennen, für die er bis Saisonende noch gemeldet war, das Artic Race und die Tour of Guangxi, steht ein Did Not Start direkt hinter der 1. Etappe. Bei der einen Hälfte der acht Tagesrennen, die er noch bestritt, erreichte er nicht das Ziel, bei den anderen - zwei davon im Trikot der Nationalmannschaft - weit jenseits von Top-Platzierungen.

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Direkt am 1. August, dem ersten Tag, an dem Transfers veröffentlicht werden dürfen, wurde Leknessunds Wechsel zum norwegischen Team Uno-X bekannt. Vom Development-Team des Pro Teams kam er drei Jahre zuvor. Es ist eine Rückkehr in die Heimat. Dass atmosphärische Störungen zwischen Leknessund und dsm-firmenich zu den Gründen der schwachen zweiten Saisonhälfte gehören, ist nicht auszuschließen.



Fazit: Leknessund wird 2024 wieder liefern

Allerdings ist bei jungen Sportlern, gerade wie nach Extrembelastungen beim Giro, Konstanz ein großes Thema. Und auch bei arrivierten Kräfte wie Geraint Thomas (Ineos Grenadiers), der den Gesamtsieg bei der Italien-Rundfahrt nur um 14 Sekunden verpasste, lief danach nicht mehr viel zusammen. Gleiches gilt für Eddie Dunbar (Jayco-AlUla), der den Giro eine Sekunde schneller als Andreas Leknessund als Siebenter beendete.

Zwar muss sich der Norweger im norwegischen Team, dass den Aufstieg in die World Tour anpeilt, im nächsten Jahr erneut beweisen. Doch, dass der “Hund” nur eine Eintagsfliege gewesen sein soll, ist nur schwer zu glauben.

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