Bora-Profi zieht SaisonbilanzLennard Kämna im TOUR-Interview

Tom Mustroph

 · 08.10.2023

Die Saison von Lennard Kämna in Bildern: Hier im Frühjahr bei der Valencia-Rundfahrt
Foto: DPA Picture Alliance
Lennard Kämna hat mit seinem Sieg bei der Vuelta a Espana nun bei ­jeder der drei großen Landesrundfahrten mindestens eine Etappe ­gewonnen. Den Plan, bei einem dieser Rennen die Gesamtwertung anzugreifen, hat er aber auch noch nicht ad acta gelegt. Im TOUR-Interview steht er Rede und Antwort.

Das Interview wurde von Tom Mustroph geführt

TOUR: Lennard Kämna, wie fühlen Sie sich als Etappensieger bei allen Grand Tours?

Lennard Kämna: Ich bin natürlich mega-zufrieden, dass das geklappt hat. Und das ist für mich auf jeden Fall ein großer Erfolg. Von daher bin ich mehr als happy.

TOUR: Der Etappenerfolg führt direkt zur Gretchenfrage: ­Wollen Sie nicht lieber wieder zurück zum Profil eines Etappenjägers – oder, nach Platz neun beim Giro in ­diesem Jahr, im nächsten Jahr erneut auf Gesamtklassement fahren?

Lennard Kämna: Ich kann mir beides vorstellen. Ich würde schon gerne noch mal das Gesamtklassement probieren. Ich glaube, beim Giro d’Italia sind viele Dinge nicht ganz optimal gelaufen. Ich konnte da nicht wirklich das zeigen, was ich gerne gezeigt hätte. Ich glaube, dass Platz neun für den ersten Versuch mehr als solide war und ich mich nicht dafür schämen muss. Von daher gehe ich schon davon aus, dass ich es noch mal ausprobieren werde.

TOUR: In der dritten Giro-Woche waren Sie zudem noch krank?

Lennard Kämna: Ja, ich hatte eine Erkältung und das hat man einfach gemerkt, auch an der Leistung. Es waren halt nicht 100 Prozent im Tank und dann ist es nicht möglich, richtig stark zu fahren.



TOUR: Spielt es für Sie auch eine Rolle, sich am Ende der Karriere nicht vorwerfen zu müssen, nicht alles versucht zu haben?

Lennard Kämna: Nee, darum geht es gar nicht. Natürlich möchte ich meine Leistungsgrenzen irgendwie herausfinden, ganz klar. Und ich möchte schauen, wohin ich kommen kann. Aber ich habe jetzt nicht dieses Gefühl, unbedingt etwas ausprobieren zu müssen, weil ich es ansonsten ewig bereuen würde. Ich glaube, das habe ich nicht mehr. Nein.

TOUR: Hätte die unterschiedliche Zielsetzung auch Auswirkungen auf Ihre Vorbereitung für die nächste Saison? Oder macht letztlich nur die Aufgabenstellung im Rennen den Unterschied?

Lennard Kämna: Man muss für eine gute Platzierung im Gesamtklassement viel fitter sein als für Ausreißergruppen. Ich war jetzt bei der Vuelta nicht in der gleichen Form wie beim Giro, auch wenn es auf dem Papier von den Ergebnissen her anders aussieht. Wenn man ein gutes Gesamtklassement fahren will, muss man noch mal ordentlich was drauflegen.

TOUR: Ihr Teamkollege Aleksandr Vlasov bezeichnet Ihren Sinn für den Moment als herausragende Qualität, also Ihre Fähigkeit, den richtigen Zeitpunkt im Rennen für eine Attacke zu erwischen. Würden Sie das auch selbst als Ihre größte Stärke bezeichnen?

Lennard Kämna: Ich denke schon, dass ich ein gewisses Gefühl dafür habe, in Gruppen irgendwie wegzukommen oder einen entscheidenden Move zu machen. Das ist mit ­Sicherheit eine Stärke von mir.

TOUR: Wir sind fast am Ende der Saison. Wenn Sie auf das Jahr zurückschauen, sind Sie zufrieden, halb zufrieden oder gar glücklich?

Lennard Kämna: Ich würde sagen, bisher war es eine ­solide, gute Saison. Ich bin glücklich ­darüber, von Anfang bis Ende eigentlich immer gut in Form gewesen zu sein. Ich hätte mir schon in manchen Momenten ein paar bessere Ergebnisse gewünscht. Aber ich glaube, ich bin sehr gut gefahren und hatte immer ein konstantes gutes Level.

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