“Herabsetzende Äußerungen gegenüber Frauen”UCI greift im Fall Lefevere durch

Sebastian Lindner

 · 15.03.2024

“Herabsetzende Äußerungen gegenüber Frauen”: UCI greift im Fall Lefevere durchFoto: picture alliance/dpa/Belga/Dirk Waem
Patrick Lefevere, Teamchef von Soudal - Quick Step, wurde von der UCI zu einer Geldstrafe auf Bewährung wegen herabsetzender Äußerungen gegenüber Frauen verurteilt.
Die Ethik-Kommission des Radsportweltverbandes UCI hat Patrick Lefevere zu einer Geldstrafe von 20.000 Schweizer Franken (ca. 20.800 Euro) auf Bewährung verurteilt. Der Teamchef von Soudal - Quick Step wurde für zwei “öffentliche Äußerungen, die als herabsetzend gegenüber Frauen angesehen werden”, angemahnt, wie es in einem UCI-Statement heißt.

UCI fordert öffentliches Statement von Patrick Lefevere

Die UCI führt einen Etik-Kodex, der in seiner aktuellen Variante 30 Seiten umfasst und dort genau regelt, wie sich Menschen, die an ihn gebunden sind, zu verhalten haben. Lefevere hat laut der Kommission gegen “generelle Prinzipien” (Art. 5) und “allgemeine Regeln der Integrität”, im speziellen Falle “Nicht-Diskriminierung” (Art. 6.1) verstoßen.

Um der Geldstrafe noch zu entgehen, hat die UCI den 69-Jährigen aufgefordert, ein öffentliches Statement zu geben, um damit die “Unangemessenheit seiner Äußerungen anzuerkennen und sich dafür zu entschuldigen”. Ferner darf Lefevere in den nächsten drei Jahren nicht in einem ähnlichen Fall gegen den Kodex verstoßen.

UCI wird gegenüber TOUR konkret

Welche Aussagen des Belgiers genau für die Strafe sorgten, ließ die UCI offen, konkretisierte auf TOUR-Nachfrage aber, dass “sich die genannten Vergehen auf Vorfälle beziehen, die 2023 gemeldet wurden.” Damit ist ausgeschlossen, dass es sich dabei um die Debatte um Julian Alaphilippe und dessen Freundin Marion Rousse handeln könnte, in der Lefevere die Chefin der Tour de France der Frauen indirekt diskreditierte. Die wurden erst im Februar dieses Jahres öffentlich, wenngleich Lefevere ihren Ursprung in einer Folgeaussage in den November 2022 zurückdatierte.

Allerdings leistete sich der langjährige Quick-Step-Manager auch schon in der Vergangenheit sexistische Auswüchse. Während der Weltmeisterschaften 2021 wurde Lefevere in einem Podcast von Het Laatste Nieuws gefragt, wann sich in seinem Hause eine Frauen-Abteilung gründe. Er sei allerdings keine Wohlfahrtsorganisation und vertage entsprechende Überlegungen auf den Moment, wenn es genügend starke belgische Frauen gebe.

Ebenfalls in diesem Kontext, aber auch aus dem Jahr 2021, stammt eine Aussage Lefeveres über seinen damaligen Sprinter Sam Bennett, der nach Jahren bei Bora-Hansgrohe zu Quick Step wechselte, doch kaum ein Jahr später bereits wieder bei den Raublingern unterschrieb. “Das ist, als wenn Frauen wieder nach Hause zu ihren Männern zurückkehren, von denen sie häusliche Gewalt erfahren haben”, schrieb er in seiner wöchentlichen Kolumne in der Tageszeitung Het Nieuwsblad. Bennett hätte nach Aussagen des Belgiers Bora verlassen, weil er sich im Team schlecht behandelt fühlte.

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