Erstmals wird der Gravel-Weltmeister außerhalb Europas gekürt. Die Elite der Männer fährt bei der Gravel-WM in Nannup 144 Kilometer mit 3713 Höhenmetern, und die Entscheidung dürfte erst im Finale fallen.
Während die Straßenprofis am Wochenende bei der Lombardei-Rundfahrt fahren, wird in Westaustralien ein Regenbogentrikot vergeben. Die Gravel-WM in Nannup ist die erste außerhalb Europas und die erste auf derselben Strecke wie ein Qualifikationsrennen der Gravel World Series, dem Seven Gravel Race. Die Elite der Männer startet am Sonntag, 11. Oktober, um 10 Uhr Ortszeit, in Deutschland ist es dann 4 Uhr.
Der verhältnismäßig kurze Kurs misst 144 Kilometer, mehr als 80 Prozent davon sind unbefestigt. Die Strecke liegt zwischen 100 und 300 Metern Höhe, und die Anstiege sind kurz, steil und folgen dicht aufeinander. Renndirektor Stephen Gallagher vergleicht die Anforderungen mit Lüttich–Bastogne–Lüttich. Auf den breiten, festen Forstwegen mit feinem Kies kann es bei Hitze schnell werden, nach etwas Regen aber auch ziemlich rutschig.
Nach einem eher flachen Auftakt, mit neun Asphaltkilometern zu Beginn, folgen 30 Kilometer mit 1000 Höhenmetern, darunter der Brockman (2,4 km, 8,2 %). Im Mittelteil kommt für die Männer eine Zusatzschleife mit dem Arcadia (2,7 km, 7,5 %) dazu, später der Ellis Creek (2 km, 9,1 %). Auf beide Anstiege folgt keine Abfahrt, das Feld dürfte hier deutlich schrumpfen.
Das Finale der Gravel-WM führt über den welligen Asphalt vom Start zurück und dann auf eine 24,5 Kilometer lange Schlussschleife um Nannup. Gallagher sieht im ersten Anstieg dieser Schleife, rund 20 Kilometer vor dem Ziel, einen der Punkte, an dem das Rennen gewonnen oder verloren werden kann. Als letzte Hürde folgt die Lindsay Rd (2,4 km, 2,6 %), eine lang Grade mit freier Sicht, nur 3,5 Kilometer vor dem Ziel. Danach geht es flach über eine breite Asphaltstraße ins Ziel.
Wegen der weiten Reise stehen insgesamt nur drei WorldTour-Profis auf der Startliste. Der prominenteste ist Titelverteidiger Florian Vermeersch, den sein Team UAE Emirates-XRG auf eigene Kosten nach Australien reisen lässt. Der Belgier könnte als erster Mann seinen WM-Titel verteidigen, nachdem er von vier Austragungen der Gravel-WM auch 2022 schon gewinnen konnte. Dazu kommen Stan Dewulf (Decathlon CMA CGM) und Connor Swift (Netcompany Ineos).
Die größte Gefahr für Vermeersch dürfte aus dem Gravel-Lager kommen. Mads Würtz Schmidt (Dänemark) ist Europameister und hat 2026 The Traka 360 und Unbound 200 gewonnen. Keegan Swenson (USA) hat dreimal den Gesamtsieg im Life Time Grand Prix geholt, und Matt Beers (Südafrika) bringt viel Erfahrung aus Ausdauerrennen im Gelände mit. Alle drei gehören zum Team Off-Road von Specialized. Bei Gravel-Weltmeisterschaften gelten die Nationalteams nur auf dem Papier, deshalb könnten die Marken-Interessen ins Rennen hineinspielen. Falls das Trio zusammenarbeitet, wäre es für Vermeersch schwer zu kontrollieren.
Dazu kommt eine Reihe von Spezialisten, die jede Lücke nutzen können. Dazu gehören die nationalen Meister Daan Soete (Belgien) und Rick Ottema (Niederlande), Lukas Pöstlberger (Österreich), der Tscheche Petr Vakoč und der frühere Marathon-Weltmeister Henrique Avancini (Brasilien). Auch Felix Stehli (Schweiz), der Fünfte des Vorjahres, ist dabei. Australien stellt zehn Fahrer. Brendan Johnston, der das Seven Gravel Race auf dem Gravel-WM-Kurs gewonnen hat, fehlt aber, er startet beim Little Sugar MTB in den USA. Aus deutscher Sicht gehen Jasper Britz, Luis Neff, Ole Theiler und Paul Voß an den Start. Bisher gingen alle vier WM-Titel bei den Männern an Fahrer, die sonst auf der Straße zu Hause sind. Mit mehr Schotter, mehr Höhenmetern und weniger Straßenprofis hat Nannup die beste Gelegenheit, diesen Trend zu brechen.

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