Matthias Borchers
· 10.08.2026
Der deutliche Unterschied ist immer wieder ein heiß diskutiertes Thema. Zum Vergleich: Die E-Cycling-Plattform MyWhoosh, die bei ihren Wettbewerben auf identische Preisgelder für Männer und Frauen setzt. Dort bekommen beide Geschlechter dieselben Chancen auf dieselben Prämien.
Bei der Tour de France der Männer wurden 2025 insgesamt rund 2,3 Millionen Euro Preisgeld ausgeschüttet. Das Frauenrennen kam auf knapp 264.000 Euro und damit auf rund zehn Prozent dieser Summe.
Besonders augenfällig wird die Diskrepanz beim Kampf um das Gelbe Trikot. Pogacar erhielt für seinen Gesamtsieg 500.000 Euro. Vollering bekam für ihren Erfolg bei der Tour de France Femmes 50.000 Euro.
Auch in den übrigen Wertungen sind die Unterschiede erheblich. Das Grüne Trikot der Männer ist mit 25.000 Euro dotiert, die entsprechende Wertung bei den Frauen mit knapp 10.000 Euro. Ähnliche Verhältnisse gelten für Berg- und Nachwuchswertung.
Wie groß die Unterschiede selbst bei herausragenden Leistungen sind, zeigt das Beispiel von Antonia Niedermaier. Die 23-jährige Deutsche gehörte zu den großen Überraschungen der Tour de France Femmes. Bei ihrem Debüt gewann sie die Nachwuchswertung, fuhr auf Rang vier der Gesamtwertung und holte damit das Weiße Trikot nach Deutschland.
Für ihre Leistungen flossen insgesamt rund 12.860 Euro an Preisgeldern in die Teamkasse von Canyon//SRAM. Das klingt zunächst nach einer respektablen Summe. Im Vergleich zu den Prämien im Männerradsport wird jedoch deutlich, wie weit die Dimensionen auseinanderliegen. Pogacars Siegerscheck für das Gelbe Trikot allein war fast 39-mal höher.
Hinzu kommt: Preisgelder werden im Profiradsport üblicherweise nicht vollständig von den Fahrerinnen und Fahrern behalten, sondern innerhalb des Teams mit Betreuern und Teamkollegen geteilt.
Die Veranstalter verweisen regelmäßig auf die unterschiedlichen Rahmenbedingungen. Die Tour de France der Männer umfasst 21 Etappen, erzielt weltweit deutlich höhere Einschaltquoten und generiert entsprechend höhere Einnahmen. Die Tour de France Femmes wurde erst 2022 neu gegründet und befindet sich weiterhin in einer Wachstumsphase.
Allerdings ist die Differenz bei den Preisgeldern deutlich größer als der Unterschied bei der Renndauer. Das Frauenrennen umfasst inzwischen neun Etappen und hat sich sportlich wie medial fest etabliert. Die finanzielle Lücke bleibt dennoch enorm.
Im virtuellen Radsport werden andere Wege beschritten. MyWhoosh teilte den Preispool seiner jüngsten Championships zu gleichen Teilen zwischen Männern und Frauen auf. Auch die regelmäßig ausgetragenen Sunday-Race-Club-Wettbewerbe funktionieren nach demselben Prinzip.
Dadurch können Fahrerinnen dort Preisgelder verdienen, die im traditionellen Straßenradsport nur schwer erreichbar sind. Dass selbst etablierte WorldTour-Profis wie Ashleigh Moolman Pasio weiterhin regelmäßig bei solchen Events starten, zeigt die Attraktivität des Modells.
Der Frauenradsport hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht. Die Tour de France Femmes wächst, Teams werden professioneller, die mediale Aufmerksamkeit steigt stetig. Sportlich hat das Rennen längst bewiesen, dass es seinen festen Platz im Kalender verdient.
Beim Preisgeld bleibt die Tour jedoch weit von einer Gleichstellung entfernt. Das Gelbe Trikot hat bei Männern und Frauen dieselbe sportliche Bedeutung. Sein finanzieller Wert unterscheidet sich dagegen noch immer drastisch. Pogacars 500.000 Euro und Vollerings 50.000 Euro zeigen, wie groß der Pay Gap im größten Rennen des Radsports weiterhin ist. Und der Erfolg von Antonia Niedermaier macht deutlich, dass selbst außergewöhnliche Leistungen im Frauenpeloton bislang deutlich geringer honoriert werden als bei den Männern.

Redakteur
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.