Evenepoel vor goldenem HerbstNutzt der Europameister die Gunst der Stunde?

Lukas Niebuhr

 · 07.10.2026

Evenepoel vor goldenem Herbst: Nutzt der Europameister die Gunst der Stunde?Foto: Getty Images / David Pintens
Kann Evenepoel seine erfolgreiche Saison mit dem Gewinn der Lombardeirundfahrt krönen?
Mit dem Gewinn des EM-Titels in Slowenien hat Remco Evenepoel seine starke Form eindrucksvoll bestätigt. Während Rivale Tadej Pogačar verletzungsbedingt ausgebremst wird, stehen die Zeichen für den Belgier auf einen goldenen Saisonabschluss. Könnte der neue Europameister der große Gewinner des Radsport-Herbstes werden?​

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Mit einem breiten Grinsen und dem weiß-blauen Trikot des Europameisters auf den Schultern stand Remco Evenepoel am Sonntagabend in Slowenien im Mittelpunkt. Der Belgier gewann das Straßenrennen der Europameisterschaften und krönte damit einen ohnehin starken Saisonendspurt. Vor allem aber sendete er ein deutliches Signal an die Konkurrenz: Wer am kommenden Samstag die Lombardeirundfahrt gewinnen will, wird an Evenepoel kaum vorbeikommen.

Dabei kommt dem Olympiasieger von 2024 und Straßenweltmeister von 2022 eine Entwicklung besonders entgegen. Während er selbst von Erfolg zu Erfolg fährt, fällt mit Tadej Pogačar sein vermutlich größter Rivale im Herbst verletzungsbedingt aus. Der Slowene konnte seinen EM-Titel in seiner Heimat nicht verteidigen und wird auch bei der Lombardeirundfahrt nicht an den Start gehen. Damit ist klar, dass die Serie von fünf Siegen in Folge am Samstag reißen wird.

Der Europameistertitel als weiteres Ausrufezeichen

Der Kurs rund um Šenčur war alles andere als ein Geschenk für die Fahrer. Mit dem wiederholt zu fahrenden Anstieg nach Možjanca und zahlreichen Höhenmetern war die Strecke klar auf starke Bergfahrer und explosive Puncheure zugeschnitten. Genau dort spielte Evenepoel seine Qualitäten aus und setzte sich gegen ein hochkarätiges Teilnehmerfeld durch.

Dass der Belgier auf solchem Terrain zu den stärksten Fahrern der Welt gehört, ist längst bekannt. Beeindruckend ist jedoch die Konstanz, mit der er seit Wochen auf höchstem Niveau fährt. Während viele Profis nach einer langen Saison allmählich Ermüdungserscheinungen zeigen, scheint Evenepoel pünktlich zum Saisonfinale noch einmal in Topform zu kommen.

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Die Tür steht offen

In den vergangenen Jahren führte bei den großen Herbstrennen häufig kein Weg an Pogačar vorbei. Ob Lombardei-Rundfahrt, Weltmeisterschaft oder anspruchsvolle Eintagesrennen: Der Slowene galt nahezu immer als Mann, den es zu schlagen galt. Durch dessen Ausfall hat sich die Ausgangslage jedoch verändert. Plötzlich wirkt die Hierarchie im Peloton deutlich offener, doch aktuell scheint niemand das Gesamtpaket von Evenepoel mitzubringen. Auch deshalb wurde der Belgier bereits bei der EM zu den größten Favoriten gezählt.

Hinzu kommt, dass ihm viele der verbleibenden Rennen im Kalender entgegenkommen. Anspruchsvolle Anstiege, selektive Finals und längere Solo-Offensiven gehören seit Jahren zu seinen Markenzeichen. Nur sehr wenige Fahrer können auf schwierigen Strecken so konsequent aus der Distanz angreifen und ihre Leistung bis ins Ziel halten.

Mehr als nur ein starker Herbst

Für Evenepoel geht es am Samstag um mehr als einen Sieg. Jede erfolgreiche Leistung stärkt auch seine Position im generationenübergreifenden Vergleich mit Pogačar und anderen Topstars seiner Ära. Lange wurde der Belgier als außergewöhnliches Talent bezeichnet. Mittlerweile ist er weit mehr als das. Olympiasieger, Weltmeister, mehrmaliger Zeitfahr-Champion und nun Europameister auf der Straße: Die Liste seiner Erfolge wächst stetig weiter. Der Titelgewinn in Slowenien zeigt einmal mehr, dass er nicht nur auf einzelnen Spezialgebieten glänzen kann, sondern inzwischen bei nahezu jedem großen Rennen zu den Siegkandidaten zählt.

Perfektes Timing

Im Radsport entscheidet häufig nicht nur die Form, sondern auch der richtige Zeitpunkt. Genau diesen scheint Evenepoel aktuell erwischt zu haben. Während die Saison auf ihre letzten Höhepunkte zusteuert, fährt der Belgier stärker denn je. Gleichzeitig fehlt mit Pogačar jener Fahrer, der ihm in den wichtigsten Rennen am ehesten Paroli bieten könnte.

Die Europameisterschaft in Slowenien könnte deshalb rückblickend mehr gewesen sein als nur ein weiterer Titelgewinn. Möglicherweise markierte sie den Auftakt zu einem Saisonabschluss, der ganz im Zeichen von Remco Evenepoel steht. Nun steht die Lombardeirundfahrt bevor. Doch schon jetzt ist klar: Der neue Europameister reist mit einer Menge Selbstvertrauen an. Und mit der vielleicht größten Chance seiner Karriere auf einen nahezu perfekten Herbst.

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Lukas Niebuhr

Lukas Niebuhr

Redakteur

Lukas Niebuhr ist gebürtige Bielefelder, studiert an der Deutschen Sporthochschule Köln im Master Sport, Medien- und Kommunikationsforschung und arbeitet als Werkstudent in der Online-Redaktion für BIKE und TOUR. In Köln fährt er gerne Gravelbike, seine Urlaube verbringt der Sportstudent am liebsten mit Skitouren oder auf dem (E-)MTB in den Bergen.

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