Kampagne der Deutsche SporthilfeWarum Spitzenleistung mehr als Training braucht

Josh Welz

 · 14.08.2026

Kampagne der Deutsche Sporthilfe: Warum Spitzenleistung mehr als Training brauchtFoto: Getty Images/JOHN THYS
Die deutschen Bahnsprinterinnen Pauline Sophie Grabosch (l.), Emma Hinze und Lea Sophie Friedrich feiern ihre Bronzemedaillen im Teamsprint bei den Olympischen Spielen in Paris 2024.
Mit ihrer Kampagne „Wir tragen dich“ zeigt die Deutsche Sporthilfe zur Kunstturn-Europameisterschaft 2026, dass der Weg an die Spitze oft schwierig ist. Das gilt auch für den deutschen Radsport. Neben Talent und Training braucht es ein professionelles Umfeld sowie häufig finanzielle und mentale Unterstützung. Genau hier setzt die Deutsche Sporthilfe an.

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Wenn Radprofis im Zeitfahren um Sekunden kämpfen, Bahnrad-Sprinterinnen mit hoher Geschwindigkeit durch die Kurve gehen oder Para-Athleten um Medaillen fahren, ist der Wettkampf nur der sichtbare Teil einer langen Entwicklung. Dahinter stehen Jahre des Trainings, ein professionelles Umfeld und häufig auch finanzielle sowie mentale Unterstützung.

Genau diese oft unsichtbare Seite des Leistungssports rückt die Deutsche Sporthilfe mit ihrer Kampagne „Wir tragen dich“ in den Mittelpunkt. Zum Start am 13. August 2026 erzählt die Stiftung die Geschichten von Kunstturnerin Helen Kevric, Basketball-Nationalspielerin Alexandra Wilke und Para-Leichtathlet Markus Rehm. Alle drei werden oder wurden von der Sporthilfe gefördert.

Die Kampagne zeigt, dass sportliche Leistung nicht allein aus Talent, Disziplin und Trainingsumfang entsteht. Verletzungen, mentale Belastungen, finanzielle Unsicherheiten sowie die Vereinbarkeit von Spitzensport und Ausbildung gehören ebenfalls zum Alltag vieler Athletinnen und Athleten.

Verletzungen, Doppelbelastung, mentale Probleme

Helen Kevric steht für den schwierigen Weg zurück nach einer Verletzung. Ein Jahr nach ihrer schweren Knieverletzung kehrt die 18-Jährige bei der Europameisterschaft in Zagreb auf die internationale Bühne zurück. Hinter ihr liegen Reha, Geduld und ein kompletter Neubeginn. Ihr Comeback führte zu zwei Deutschen Meistertiteln und zur Rückkehr in den EM-Kader. Neben ihrer Familie und ihrer Sportpsychologin blieb auch die Sporthilfe während der Verletzungsphase an ihrer Seite.

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Alexandra Wilke verkörpert die Doppelbelastung aus Profisport und Studium. Die Basketball-Nationalspielerin und Olympiateilnehmerin von Paris wird seit ihrer Jugend von der Sporthilfe gefördert. Ihre Geschichte zeigt, dass Unterstützung nicht nur bei sportlichen Fortschritten wichtig ist, sondern auch in Phasen hohen Drucks.

Markus Rehm macht deutlich, wie komplex Spitzenleistung werden kann. Der mehrfache Paralympics-Sieger und Weltrekordhalter im Weitsprung beschreibt seinen Sport als Zusammenspiel aus Technik, Körper und mentaler Vorbereitung. Vor jedem Sprung visualisiert er Winkel, Positionen und Bewegungsabläufe. Für diese Präzision brauche er sein Team und die Sporthilfe, sagt Rehm.

Was hat die Kampagne mit dem Radsport zu tun?

Im Radsport ist die Bedeutung eines funktionierenden Umfelds besonders deutlich. Trainingslager, Wettkampfreisen, Material, medizinische Betreuung und die Finanzierung des täglichen Lebens müssen über Jahre organisiert werden. Gerade im Nachwuchs- und Übergangsbereich ist die sportliche Perspektive oft noch nicht mit einem sicheren Einkommen verbunden.

Die Laufbahn der Bahnradsprinterin Lea Sophie Friedrich ist dafür ein Beispiel. Die Weltmeisterin und Olympiamedaillengewinnerin wird seit 2017 von der Deutschen Sporthilfe gefördert. Die Unterstützung begleitete ihren Weg in die internationale Spitze, während sie parallel eine Ausbildung bei der Bundespolizei absolvierte.

Auch Emma Hinze und Pauline Grabosch gehören zu den bekannten deutschen Bahnrad-Athletinnen im Umfeld der Sporthilfe. Gemeinsam mit Friedrich bildeten sie ein erfolgreiches Teamsprint-Trio. Ein Teamsprint dauert nur wenige Sekunden. Bis eine Mannschaft dieses Niveau erreicht, vergehen jedoch Jahre mit täglichem Training, präziser Abstimmung und professioneller Betreuung.

Besonders im Para-Radsport zählt das Umfeld

Die Kampagnenbotschaft lässt sich ebenso auf den Para-Radsport übertragen. Bei den Paralympischen Spielen in Paris 2024 gewannen unter anderem Maike Hausberger, Michael Teuber, Matthias Schindler und Annika Zeyen-Giles Medaillen für Deutschland.

Hausberger wurde 2025 für ihre Leistungen bei den Para-Rad-Weltmeisterschaften als Kandidatin für die Wahl zur „Sportlerin des Monats“ nominiert. Sie gewann dort vier Medaillen. Ebenfalls nominiert war Bahnradfahrer Moritz Augenstein, der bei der Weltmeisterschaft 2025 im Scratch Gold gewann.

Für Para-Athletinnen und Para-Athleten kommen zusätzliche Herausforderungen hinzu. Dazu zählen speziell angepasste Räder, individuelle Betreuung, Reisen und medizinische Anforderungen. Die sportliche Leistung ist dadurch nicht weniger professionell, sondern häufig mit einem noch komplexeren organisatorischen Aufwand verbunden.

Die Deutsche Sporthilfe unterstützt Athleten über den Wettkampf hinaus

Die Kampagne beschränkt Unterstützung nicht auf finanzielle Hilfe vor einem großen Wettkampf. Die Sporthilfe versteht sich als langfristiger Partner von Nachwuchs- und Spitzensportlerinnen und -sportlern. Die Förderung soll auch beim Übergang in die berufliche Zukunft helfen.

Für Radsportlerinnen und Radsportler ist dieser Ansatz besonders relevant. Nur wenige können dauerhaft von Preisgeldern, Sponsorenverträgen oder Startgeldern leben. Viele müssen Ausbildung, Studium oder Beruf mit einem hohen Trainingsumfang verbinden.

Im Radsport gehören zum unterstützenden Netzwerk Trainer, Trainingspartner, Vereine, Verbände, Familien, Physiotherapeuten, Ärzte, Mechaniker und Sponsoren. Hinzu kommen Institutionen wie die Deutsche Sporthilfe, die Athletinnen und Athleten auch in schwierigen Phasen begleiten können.

Ob beim Comeback nach einer Verletzung, beim Spagat zwischen Studium und Training oder auf der Suche nach der perfekten Bewegung: Spitzenleistung entsteht selten allein.

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Josh Welz

Josh Welz

Chefredakteur

Josh Welz ist studierter Sportjournalist und prägt als Chefredakteur die publizistische Ausrichtung der BIKE. 2016 griff Welz den E-Trend auf und entwickelte den Titel EMTB. Entsprechend bewegt er sich gerne zwischen den Welten. Da seine Begeisterung für knackige Trails aber größer ist als sein Trainingsfleiß, schlägt das Pendel häufig in Richtung „E“ aus.

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