Zwischen Licht und SchattenJuniorenweltmeister Benjamin Noval entging Sperre wegen gesperrtem Trainer

Leon Weidner

 · 29.09.2026

Zwischen Licht und Schatten: Juniorenweltmeister Benjamin Noval entging Sperre wegen gesperrtem TrainerFoto: Getty Images/Dario Belingheri
Der 17-jährige Spanier Benjamín Noval gewann bei den Weltmeisterschaften in Montréal sowohl das Zeitfahren als auch das Straßenrennen der Junioren. Zwei Jahre zuvor geriet er in eine Anti-Doping-Ermittlung. Das holt ihn jetzt wieder ein.

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Es ist erst wenige Tage her, dass Benjamín Noval etwas ganz Großes gelang. Er gewann nach dem Einzelzeitfahren der Junioren im Anschluss auch den Titel beim Straßenrennen. Nur Evenepoel hatte dieses Double bei denselben Weltmeisterschaften zuvor geschafft, 2018 in Innsbruck. Doch unmittelbar danach machten andere Schlagzeilen die Runde.

Im April 2024, als Noval erst 15 Jahre alt war, nahm er an einem physiologischen Test in Navacerrada teil. José „Pepe" Martí maß dabei seine Laktatwerte, während der junge Fahrer wiederholte Ein-Kilometer-Anstiege zum Parkplatz des Hotels Arcipreste de Hita absolvierte. Das Problem? José Martí ist aufgrund seiner Vergangenheit im Zusammenhang mit Doping gesperrt.

Die Verbindung zu Lance Armstrong

Martí arbeitete während der Armstrong-Ära als Trainer bei den Teams US Postal Service und Discovery Channel Pro Cycling Team. Die US-Anti-Doping-Agentur USADA sanktionierte ihn wegen seiner Beteiligung am Team-Dopingprogramm. Der Internationale Sportgerichtshof CAS verlängerte seine Sperre später auf 15 Jahre, die bis Juni 2027 läuft. Der CAS bezeichnete Martí und Teamarzt Pedro Celaya als unverzichtbare Teilnehmer im weitreichenden Dopingsystem unter Johan Bruyneel.

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Der Vater von Benjamín Noval, ebenfalls Benjamín mit Vornamen, fuhr mehr als ein Jahrzehnt als Profi. Er stand bei US Postal und Discovery Channel an Armstrongs Seite, ehe er später zu Alberto Contadors verlässlichen Helfern zählte. Der jüngere Noval entwickelte sich anschließend in der von Olympiasieger Samuel Sánchez geleiteten MMR-Akademie.

Ermittlungen der spanischen Behörden

Spanische Beamte überwachten bereits, ob Martí seine Sperre einhielt. Als sie die Gruppe in Navacerrada ansprachen, trafen sie Martí gemeinsam mit Noval und dessen Vater an. Nach dem Welt-Anti-Doping-Code begehen Athleten einen Regelverstoß, wenn sie wissentlich in beruflicher oder sportbezogener Funktion mit gesperrtem Betreuungspersonal zusammenarbeiten. Eigentlich ein klarer Fall...

El País berichtet, dass Spaniens Anti-Doping-Agentur CELAD zunächst eine 18-monatige Sperre für den noch in der Kadettenklasse fahrenden Benjamín Noval vorgeschlagen habe. Noval erkannte den Fehler an, erklärte, er hätte aus Unwissenheit gehandelt, und zeigte Reue. Sein Alter und die Umstände des Vorfalls wurden später von CELAD und dem Disziplinargericht berücksichtigt.

Am 5. November 2025, mehr als ein Jahr nach dem Navacerrada-Test, wurde der Fall als verjährt erklärt. Das Verfahren hatte die zulässige 12-monatige Bearbeitungsfrist überschritten. Nach echter Aufarbeitung klingen diese Details, die nun wieder zum Vorschein kommen nicht.

Der Weg zum WorldTour-Vertrag für Benjamín Noval

Das Team Ineos Grenadiers hatte bereits im Juni 2025 angekündigt, dass Noval 2027 zum Team wechseln werde. Man band sich vertraglich an den Nachwuchsfahrer, als er erst 16 war und seine erste Juniorensaison noch nicht abgeschlossen hatte. Das Jahr 2025 brachte Siege bei der Vuelta Ciclista al Besaya und dem GP F.W.R. Baron.

​Ein alter Schatten über einem neuen Weltmeister

​Der Fall zeigt einmal mehr, warum der Radsport seine Vergangenheit nie ganz abschütteln konnte. Fast zwei Jahrzehnte nach den großen Dopingskandalen tauchen noch immer dieselben Namen im Umfeld junger Talente auf. Dabei geht es weniger um die Frage, ob Benjamín Noval durch den Vorfall einen sportlichen Vorteil erlangte. Vielmehr wirft die Geschichte ein schlechtes Licht auf einen Sport, der bis heute um Glaubwürdigkeit kämpft.

Inwiefern ein damals 15-Jähriger für die Situation verantwortlich gemacht werden kann, ist fraglich. Sein Vater hingegen muss die Hintergründe und die laufende Sperre von José Martí genau gekannt haben. Den eigenen Sohn dennoch in eine solche Konstellation zu bringen, erscheint grob fahrlässig. Benjamín Noval hat in Montréal mit zwei WM-Titeln sein außergewöhnliches Talent bewiesen. Doch statt ausschließlich über seine sportlichen Leistungen zu sprechen, steht nun erneut die Verbindung zu einem der dunkelsten Kapitel des Radsports im Mittelpunkt. Das ist für den jungen Spanier ebenso unglücklich wie für das Ansehen des gesamten Sports.

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Leon Weidner

Redakteur

Leon Philip Weidner ist Kölner, verfolgt den Profi-Radsport intensiv und ist selbst leidenschaftlich auf dem Rennrad unterwegs. Neben langen Kilometern im Sattel des Straßenrads sitzt er auch regelmäßig auf dem Zeitfahrrad – stets mit dem nächsten Triathlon im Blick. Seine Expertise verbindet sportliche Praxis mit Szenewissen.

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