200.000 Euro FinanzierungslückeLotto Thüringen Ladies Tour vor dem Aus

Sandra Schuberth

 · 12.03.2025

200.000 Euro Finanzierungslücke: Lotto Thüringen Ladies Tour vor dem AusFoto: picture alliance / frontalvision / Arne Mill
Die Lotto Thüringen Ladies Tour, eines der ältesten Etappenrennen im Frauenradsport, steht vor der Absage. Der Freistaat Thüringen will die benötigten 200.000 Euro Förderung wohl nicht bereitstellen. Veranstalter und Radsportszene reagieren mit Unverständnis auf die drohende Streichung des traditionsreichen Events.

Themen in diesem Artikel

Die Straßen Thüringens könnten im Juni 2025 ungewöhnlich still bleiben. Kein Surren von Carbonrädern, kein Jubel an den Etappenzielen in Erfurt, Jena oder Gotha. Die 37. Ausgabe der Lotto Thüringen Ladies Tour, ein Juwel im Kalender des Frauenradsports, droht zu verstummen. Darüber berichtet der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR). Der Grund? Eine Finanzierungslücke von 200.000 Euro, die eigentlich vom Freistaat geschlossen werden sollte, dieser ist nun aber wohl nicht mehr gewillt dazu.

Lotto Thüringen Ladies Tour: Traditionsrennen mit langer Geschichte

Über die Jahre ist die Lotto Thüringen Ladies Tour zu einer fixen Größe im Radsportkalender herangewachsen. Seit 1986 hat die Thüringen-Rundfahrt der Frauen nur zweimal pausiert - während der Wende 1990 und 1991 und bedingt durch Corona 2020. Bei der letzten Austragung 2024 triumphierte die US-Amerikanerin Ruth Edwards vom Team Human Powered Health.

Scharfe Kritik

Die drohende Absage sorgt für Kopfschütteln in der Szene. Andreas Schubert, sportpolitischer Sprecher der Linkspartei, äußert sein Unverständnis: “Die Zuschüsse sind im Haushaltsplanentwurf für 2025 bereits enthalten. [...] Das ist ein Tiefschlag für die Profilierung Thüringens als Standort für internationale Sportwettkämpfe”, sagte er gegenüber dem MDR.

“Ich habe gedacht, das ist ein verfrühter April-Scherz”, sagt die Tourchefin Vera Hohlfeld dem MDR. Ihre Stimme klingt ungläubig. Monatelang hat ihr Team geplant, verhandelt, vorbereitet. Nun steht alles auf der Kippe. “Wie kann man auf eine Veranstaltung, die über drei Jahrzehnte gewachsen ist [...] nicht stolz sein?” fragt sie und verweist auf die Image-Werbung, die der Freistaat Thüringen durch die Ladies Tour erfährt.

Staatskanzlei verweist auf Haushaltslage

Die Thüringer Staatskanzlei verweist in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber SPORT IM OSTEN auf die schwierige Haushaltslage und gibt zu verstehen, dass “Unterstützung im geforderten sechsstelligen Umfang” nicht möglich sei. “Es ist der Landesregierung möglich, in geringem Umfang Unterstützung zu leisten”, heißt es weiter. Da es sich bei der Ladies Tour um eine privatwirtschaftliche Sportveranstaltung handelt, würde eine weitere Förderung gegen das Thüringer Sportfördergesetz verstoßen.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Ungewisse Zukunft

Tatsächlich wäre eine Absage ein herber Schlag für den Frauenradsport. Die Tour bietet nicht nur spannende Etappen, sondern auch mediale Präsenz.

Veranstalter und Fans bangen gleichermaßen und warten auf ein Wunder. Vielleicht findet sich doch noch ein Sponsor, der in die Bresche springt. Oder die Politik besinnt sich. Eines ist klar: Sollte die Lotto Thüringen Ladies Tour verstummen, verliert nicht nur der Radsport.

Sandra Schuberth

Sandra Schuberth

Redakteurin

Sandra Schuberth, mal Feierabendrunde, mal Trainingsride, mal unsupported Bikepacking-Challenge. Hauptsache sie und ihr Gravelbike – abseits vom Verkehr. Seven Serpents, Badlands oder Bright Midnight: Sie hat anspruchsvolle Bikepacking-Rennen gefinisht. Gravel und Bikepacking sind ihre Herzensthemen, ihr Anspruch an Equipment ist hoch. Was sie fährt, nutzt und empfiehlt, muss draußen bestehen: nicht im Marketing, sondern im echten Leben.

Meistgelesen in der Rubrik Profi - Radsport