Matthias Borchers
· 29.08.2026
Eine Arschrakete ist eine großvolumige Satteltasche, die an Sattelstütze und Sattelgestell befestigt wird. Sie kommt ohne feste Ösen und ohne Träger aus. Das macht sie gerade für Rennräder und minimalistisch aufgebaute Gravelbikes attraktiv. Für eine Übernachtung mit leichter Wechselkleidung, Regenjacke, Schlafsack und ein paar Kleinteilen kann sie vollkommen genügen. In Kombination mit Rahmen- und Lenkertasche entsteht so ein schlankes Bikepacking-Setup,
Ihr größter Vorteil ist das geringe Systemgewicht. Eine aktuelle Gegenüberstellung von Satteltasche und Rack-Setup beziffert den Gewichtsvorteil der Arschrakete auf etwa 400 bis 500 Gramm. Das klingt nicht nach viel, ist an einem sportlichen Gravelbike aber durchaus spürbar.
Auch auf verwinkelten Waldwegen und bei schnellen Schotterabfahrten bleibt das Rad schlank. Seitlich überstehende Taschen gibt es nicht, beim Tragen über Hindernisse stört wenig. Wer mit wenig Gepäck unterwegs ist und sein Rad unter der Woche möglichst unverändert fahren möchte, findet hier die unkomplizierteste Lösung.
Der Nachteil: Packen verlangt Disziplin. In die lange, schmale Tasche passt nur, was sich komprimieren lässt. Schlafsack und Kleidung funktionieren gut, Kocher, Essen oder eine Kameraausrüstung weniger. Zudem kann eine große Satteltasche bei Wiegetritt und ruppigen Passagen pendeln, wenn sie nicht sauber gepackt und fest verzurrt ist. Schwere Gegenstände gehören deshalb nicht ganz nach hinten, sondern möglichst tief und nah an die Sattelstütze.
Ein klassischer Gepäckträger mit Seitentaschen wirkt am Gravelbike zunächst wie die weniger elegante Lösung. Auf langen Touren kann er jedoch die deutlich bessere sein. Packtaschen sind schneller beladen, besser zugänglich und nehmen sperrige Ausrüstung problemloser auf. Wer mit Zelt, warmer Kleidung, Kocher oder Laptop unterwegs ist, spart sich damit das typische Bikepacking-Tetris.
Auch beim Fahrverhalten überzeugt der Träger vor allem mit höherer Last. Das Gepäck sitzt tiefer und lässt sich auf beide Seiten verteilen. Moderne, abnehmbare Systeme machen den Unterschied zum dauerhaft montierten Reiserad-Träger kleiner. Der Ortlieb Quick Rack etwa ist laut Hersteller für bis zu 20 Kilogramm Zuladung ausgelegt und lässt sich für verschiedene Taschenformate nutzen.
Dafür bringt der Träger zusätzliches Gewicht ans Rad. Bei sehr technischem Gelände können breite Seitentaschen stören, und nicht jedes Gravelbike bietet passende Montagepunkte. Vor dem Kauf sollte deshalb geprüft werden, welche Befestigungen an Rahmen und Achse vorhanden sind und welche Belastung der Hersteller freigibt.
Für den minimalistischen Overnighter mit Unterkunft oder leichtem Schlafsetup ist die Arschrakete erste Wahl. Sie hält das Rad leicht und genügt, wenn das Gepäckvolumen begrenzt bleibt.
Für zwei bis fünf Tage mit Zelt und Selbstversorgung ist ein Gepäckträger meist stressfreier. Hier zählen Stauraum, Zugriff und ein ruhiges Heck mehr als das letzte Gramm Gewicht.
Für Pendler, die am Wochenende losziehen möchten, ist ein abnehmbarer Heckträger der beste Kompromiss. Er trägt Alltagstaschen zuverlässig und kann für sportliche Runden schnell wieder verschwinden.
Die Arschrakete ist nicht besser als der Gepäckträger, sie verfolgt nur ein anderes Prinzip: minimalistisch, leicht und sportlich. Der Gepäckträger ist die bessere Wahl für alle, die mehr transportieren, schneller packen und unterwegs weniger improvisieren wollen. Wer vor dem Kauf ehrlich einschätzt, wie viel Gepäck tatsächlich mit muss, trifft fast automatisch die richtige Entscheidung.

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