Laurin Lehner
· 14.08.2026
Echte Innovationen sind rund 200 Jahre nach Erfindung des Fahrrads rar. Als echte Gamechanger galten Carbon als leichter Werkstoff oder moderne Geometrien. „Und K.I.S. ist da auch irgendwo dabei", sagt Diplomingenieur Robert Kühnen.
Der K.I.S.-Verfechter kann sich nicht erklären, warum sich das System nicht durchgesetzt hat. Die Idee: Das Lenk-System sorgt bei Mountainbikes für mehr Laufruhe bei hohem Tempo und will so das Fahren auf anspruchsvollen Trails einfacher machen.
2022 stellte Erfinder und Syntace-Gründer Jo Klieber der Fahrradwelt das System vor. Damit wollte er auch die Nachteile flacher Lenkwinkel beseitigen. Die Fachpresse reagierte verhalten bis begeistert. Auch der damalige BIKE-Testchef Peter Nilges erkannte klare Vorteile des Systems. Die positiven Effekte spürte jeder, mal stärker, mal schwächer. Zugleich gab es natürlich auch kritische Stimmen nach dem Motto: Lenken kann ich ohnehin schon, und bitte kein weiteres Bauteil am Rad.
Das Rennrad spielte zu diesem Zeitpunkt keine Rolle.
Die große K.I.S.-Welle blieb aus Der Versender-Riese Canyon sicherte sich die Rechte für ein Jahr, verbaute das System in hubstarken Bikes – und tut dies bei vielen Modellen bis heute. Andere Hersteller zogen nicht nach. „Vielleicht ist das auch ein Grund, warum sich K.I.S. nicht durgesetzt hat - zudem haben es Innovationen schwer, die sich im Racing nicht etablieren", sagt Konstrukteur und Bike-Visionär Peter Denk. Sein Fazit nach einer kurzen K.I.S.-Erprobungsfahrt: Kann man haben, muss man aber nicht.
Ich habe mal einen Freund auf ein Rad mit Aero-Aufsatz gesetzt, also mit einem langen Triathlonlenker. Er hatte so etwas noch nie in der Hand. Normalerweise fährst Du beim ersten Mal damit Schlangenlinien, sodass es wirkt, als wärst Du betrunken. Mit aktiviertem K.I.S. fuhr er vom ersten Meter an kerzengerade. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Für mich war das der Beweis.
Robert Kühnen, TOUR-Tester
„Das System hat so viele Vorteile und würde sogar in Rennrädern und Stadt- und City-Bikes Sinn machen“, behauptet Kühnen. Er hat es in einem Rennrad mit Aero-Lenker ausprobiert. Ohne K.I.S. fällt es dort besonders schwer, ohne Schlangenlinien geradeaus zu fahren – mit K.I.S. hat's funktioniert. Selbst Kritiker Denk kann sich hier einen positiven Effekt vorstellen. Einen weiteren Einsatzbereich sieht Kühnen in Stadt- und Citybikes. „Die Lenkgeometrien dieser Räder sind oft ohnehin zu nervös – viele Nutzer eher ungeübt. Mit K.I.S. würde sich das Fahrverhalten massiv beruhigen", so Kühnen.
Laut unseren Informationen sollen Hersteller auch in diesem Bereich damit experimentiert haben – ob sich jemand noch einmal einen Relaunch mit K.I.S. traut, erscheint eher unwahrscheinlich.
„Ich hab K.I.S. noch nie ausprobiert, doch mit lenken hab ich mir noch nie schwer getan. Warum also K.I.S.?“ Janik Rohe, BIKE-Leser per Mail
„Ich hab K.I.S. ganz zu Beginn einmal kurz ausprobiert - vollauf überzeugt war ich nicht. Durchgesetzt hat es sich vermutlich nicht, weil es vielleicht nicht ganz fertig gedacht ist. Mit Dämpfung würde ich es gerne nochmal probieren. Zudem ist es ein weiteres Bauteil am Rad, das kaputt gehen kann. Peter Denk, Bike-Visonär
„K.I.S. ist ein nettes Feature, doch in meinen Augen kein Gamechanger. Ich spürte (in Canyon) Unterschiede, teils positiv, doch auf Bergtouren mit vielen Spitzkehren empfand ich K.I.S. eher als ermüdend“. Laurin Lehner, BIKE-Tester
„K.I.S. bringt deutliche Vorteile. Besonders bei nassen oder rutschigen Abfahrten. Doch ja, es braucht Eingewöhnungszeit. In den wenigen Testbikes die wir mit K.I.S. hatten gefiel mir das Liteville-System deutlich besser als das von Canyon. Runder, nicht so digital, auch bei viel Federvorspannung.“ Adrian Kaether, BIKE-Tester

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