Lenkstabilsator K.I.S.Bei Mountainbikes gescheitert! Nun bald im Rennrad?

Laurin Lehner

 · 14.08.2026

Lenkstabilsator K.I.S.: Bei Mountainbikes gescheitert! Nun bald im Rennrad?Foto: Wolfgang Papp
K.I.S. Lenkstabilisator: Finden wir das Bauteil bald im Rennrad und in City-Bikes?
2022 sorgte das Lenksystem K.I.S. (Keep It Stable) für Schlagzeilen. In der Fachpresse spaltete das Stabilisierungssystem die Meinungen. Eine Suche nach den Gründen, warum sich K.I.S. bisher nicht durchgesetzt hat, im Rennrad-Segment aber nun eine Rolle spielen könnte.

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​Echte Innovationen sind rund 200 Jahre nach Erfindung des Fahrrads rar. Als echte Gamechanger galten Carbon als leichter Werkstoff oder moderne Geometrien. „Und K.I.S. ist da auch irgendwo dabei", sagt Diplomingenieur Robert Kühnen.

Der K.I.S.-Verfechter kann sich nicht erklären, warum sich das System nicht durchgesetzt hat. Die Idee: Das Lenk-System sorgt bei Mountainbikes für mehr Laufruhe bei hohem Tempo und will so das Fahren auf anspruchsvollen Trails einfacher machen.

Rückblick auf die MTB-Geschichte

2022 stellte Erfinder und Syntace-Gründer Jo Klieber der Fahrradwelt das System vor. Damit wollte er auch die Nachteile flacher Lenkwinkel beseitigen. Die Fachpresse reagierte verhalten bis begeistert. Auch der damalige BIKE-Testchef Peter Nilges erkannte klare Vorteile des Systems. Die positiven Effekte spürte jeder, mal stärker, mal schwächer. Zugleich gab es natürlich auch kritische Stimmen nach dem Motto: Lenken kann ich ohnehin schon, und bitte kein weiteres Bauteil am Rad.

Das Rennrad spielte zu diesem Zeitpunkt keine Rolle.

MTB-​Prototyp: Gut zu erkennen: Über ein Band  sind die Federn mit dem Gabelschaft  verbunden und werden beim Lenken gespannt. Die Federn sorgen für  die Rückstellung.Foto: Henri LesewitzMTB-​Prototyp: Gut zu erkennen: Über ein Band sind die Federn mit dem Gabelschaft verbunden und werden beim Lenken gespannt. Die Federn sorgen für die Rückstellung.

Die große K.I.S.-Welle blieb aus Der Versender-Riese Canyon sicherte sich die Rechte für ein Jahr, verbaute das System in hubstarken Bikes – und tut dies bei vielen Modellen bis heute. Andere Hersteller zogen nicht nach. „Vielleicht ist das auch ein Grund, warum sich K.I.S. nicht durgesetzt hat - zudem haben es Innovationen schwer, die sich im Racing nicht etablieren", sagt Konstrukteur und Bike-Visionär Peter Denk. Sein Fazit nach einer kurzen K.I.S.-Erprobungsfahrt: Kann man haben, muss man aber nicht.

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​Ich habe mal einen Freund auf ein Rad mit Aero-Aufsatz gesetzt, also mit einem langen Triathlonlenker. Er hatte so etwas noch nie in der Hand. Normalerweise fährst Du beim ersten Mal damit Schlangenlinien, sodass es wirkt, als wärst Du betrunken. Mit aktiviertem K.I.S. fuhr er vom ersten Meter an kerzengerade. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Für mich war das der Beweis.
Robert Kühnen, TOUR-Tester

Macht K.I.S. auch bei Straßenrädern Sinn?

„Das System hat so viele Vorteile und würde sogar in Rennrädern und Stadt- und City-Bikes Sinn machen“, behauptet Kühnen. Er hat es in einem Rennrad mit Aero-Lenker ausprobiert. Ohne K.I.S. fällt es dort besonders schwer, ohne Schlangenlinien geradeaus zu fahren – mit K.I.S. hat's funktioniert. Selbst Kritiker Denk kann sich hier einen positiven Effekt vorstellen. Einen weiteren Einsatzbereich sieht Kühnen in Stadt- und Citybikes. „Die Lenkgeometrien dieser Räder sind oft ohnehin zu nervös – viele Nutzer eher ungeübt. Mit K.I.S. würde sich das Fahrverhalten massiv beruhigen", so Kühnen.

Laut unseren Informationen sollen Hersteller auch in diesem Bereich damit experimentiert haben – ob sich jemand noch einmal einen Relaunch mit K.I.S. traut, erscheint eher unwahrscheinlich.

Weitere Stimmen zu K.I.S. im Mountainbike

​„Ich hab K.I.S. noch nie ausprobiert, doch mit lenken hab ich mir noch nie schwer getan. Warum also K.I.S.?“ Janik Rohe, BIKE-Leser per Mail
​„Ich hab K.I.S. ganz zu Beginn einmal kurz ausprobiert - vollauf überzeugt war ich nicht. Durchgesetzt hat es sich vermutlich nicht, weil es vielleicht nicht ganz fertig gedacht ist. Mit Dämpfung würde ich es gerne nochmal probieren. Zudem ist es ein weiteres Bauteil am Rad, das kaputt gehen kann. Peter Denk, Bike-Visonär
​„K.I.S. ist ein nettes Feature, doch in meinen Augen kein Gamechanger. Ich spürte (in Canyon) Unterschiede, teils positiv, doch auf Bergtouren mit vielen Spitzkehren empfand ich K.I.S. eher als ermüdend“. Laurin Lehner, BIKE-Tester
​„K.I.S. bringt deutliche Vorteile. Besonders bei nassen oder rutschigen Abfahrten. Doch ja, es braucht Eingewöhnungszeit. In den wenigen Testbikes die wir mit K.I.S. hatten gefiel mir das Liteville-System deutlich besser als das von Canyon. Runder, nicht so digital, auch bei viel Federvorspannung.“ Adrian Kaether, BIKE-Tester

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Laurin Lehner

Redakteur

Der gebürtige Südbadener Laurin Lehner ist laut eigenen Angaben ein lausiger Racer. Vielleicht fasziniert ihn deshalb kreatives, verspieltes Biken. Für ihn zählt nicht, wie schnell man von A nach B kommt, sondern was dazwischen passiert. Lehner schreibt Reportagen, interviewt Szene-Größen und testet Produkte und Bikes - am liebsten welche mit viel Federweg.

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