Meinung RadcomputerKeine Daten, kein Druck

Sandra Schuberth

 · 17.10.2026

Meinung Radcomputer: Keine Daten, kein DruckFoto: Sandra Schuberth
Um zum dritten von vier Checkpoints zu gelangen, musste das Rad stehen bleiben. Zu Fuß ging es weiter bis zum Zwischenziel.

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​300 Kilometer, 6000 Höhenmeter und auf dem Hauptbildschirm nur die Karte: Bei Dust and Distance blieben Distanz und Höhenmeter bewusst außer Sicht. Ein persönlicher Erfahrungsbericht darüber, wie Zahlen motivieren, wann sie Druck machen und warum manchmal die Linie zum Ziel reicht.

Themen in diesem Artikel

300 Kilometer, 6000 Höhenmeter. Beim Ultracycling-Event Dust and Distance gab es reichlich Gelegenheit, auf den Radcomputer zu schauen. Wie weit noch? Wie viel schon geschafft? Wie viele Höhenmeter fehlen noch? Ich hatte mich diesmal entschieden, mir diese Fragen nicht bei jedem Blick beantworten zu lassen. Auf meinem Hauptbildschirm war nur die Karte zu sehen.

Das war nicht als Experiment geplant. Normalerweise fahre ich mit einem Garmin Edge 1050. Für die lange Strecke hatte ich mich wegen der längeren Akkulaufzeit spontan für den Garmin Edge 840 Solar entschieden. Luxus, zwischen zwei Geräten wählen zu können.

Eine Powerbank zum Nachladen hatte ich trotzdem dabei – und nutzte sie auch. Die Akkustandsanzeige blieb dank eines Softwarefehlers durchgehend bei 100 Prozent. Auf diese Zahl konnte ich mich also nicht verlassen. Einen Neustart wollte ich unterwegs nicht riskieren, auch aus Sorge um die laufende Aufzeichnung. Ganz gleichgültig waren mir die Daten also nicht.

Normalerweise motivieren mich die Zahlen

Meine übliche Bildschirmaufteilung ist übersichtlich: oben die Karte, links unten die Distanz, rechts die Leistung in Watt. Bei der Distanz wechsle ich manchmal die Perspektive. Mal möchte ich sehen, wie viel ich schon gefahren bin. Mal hilft mir die Entfernung bis zum Ziel. Wenn es nicht mehr so weit ist, motiviert mich die kleiner werdende Zahl.

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Ich stelle die Ansicht manchmal während der Fahrt um, weil mir die eine Perspektive gerade mehr hilft als die andere. Schon geschafft oder noch zu fahren: Dieselbe Strecke lässt sich auf sehr unterschiedliche Weise betrachten.

Bei Dust and Distance fehlte allerdings eine Zahl von vornherein. An meinem eigenen Rad fahre ich mit Powermeter. Das Rad, mit dem ich das Event bestritt, hatte keinen Leistungsmesser. Wattwerte würde es also nicht geben.

Daraufhin entschied ich mich, auch die Distanz vom Hauptbildschirm zu nehmen. Wenn schon keine Watt, dann nur die Karte. Das gibt bei dem kleinen Display auch mehr Überblick auf der Karte.

Die Daten waren da, aber nicht ständig im Blick

Ich habe nicht alle Datenseiten gelöscht. Wenn ich wissen wollte, wie weit ich war, musste ich lediglich die Seite wechseln. Dort konnte ich auch die gefahrenen und verbleibenden Höhenmeter sowie weitere Werte nachsehen.

Der Unterschied war klein und für mich trotzdem spürbar: Ein Blick auf die Navigation lieferte nicht automatisch auch eine Zwischenbilanz. Die Restdistanz hielt mir nicht ständig vor Augen, wie viel noch vor mir lag. Das hat mich vom Druck entlastet. Ich musste mich nicht bei jedem Blick aufs Display damit beschäftigen, was noch zu schaffen war.

Ab und an haben mir die Wattwerte gefehlt – einfach aus Interesse. Ich hätte gern gewusst, welche Leistung ich gerade trete und im Nachhinein, welche Leistung ich im Durchschnitt getreten habe. Die fehlenden Leistungsdaten führten also nicht zu einer Abneigung gegen Powermeter. Aber ich fand es gut, der Linie zu folgen, ohne permanent auch Zahlen ablesen zu können.

Die Informationen, abgesehen von den Wattwerten, waren eine Bildschirmseite entfernt. Ich konnte sie aufrufen, musste es aber nicht.

Die Karte war die Hauptansicht. Eine weitere Datenseite hatte ich so eingestellt, dass ich für mich interessante Informationen schnell sehen konnteFoto: Sandra SchuberthDie Karte war die Hauptansicht. Eine weitere Datenseite hatte ich so eingestellt, dass ich für mich interessante Informationen schnell sehen konnte

Aus einer Zahl wird schnell ein Ziel

Wie schnell mich eine Anzeige antreibt, habe ich diese Woche auf dem Heimweg gemerkt. Ich hatte ein anderes Navi am Lenker – es zeigte mir die maximale Geschwindigkeit meiner Fahrt an. Und sofort war ich motiviert, diesen Wert noch einmal zu verbessern.

Eben noch eine Information, im nächsten Moment ein Ziel. Dafür musste ich mir vor der Fahrt gar nichts vorgenommen haben. Die Zahl auf dem Display reichte. Das kann motivieren. Genau deshalb mag ich meine Daten ja. Zahlen können aber auch in die andere Richtung ziehen. Auch das weiß ich aus eigener Erfahrung. Nicht von Dust and Distance, sondern von einem anderen Event.

Wenn Zahlen den falschen Moment erwischen

Ich hatte auf einer Datenseite eingestellt, dass ich sowohl die verstrichene Gesamtzeit als auch die reine Bewegungszeit sehe. Das Ziel dahinter: Die Zeit in Bewegung sollte so nah wie möglich an der Gesamtzeit liegen – also möglichst wenig Pause. Als dann ein kleiner Defekt passierte, klafften die beiden Zahlen auseinander. Ich konnte genau ablesen, wie weit ich von meinem Ziel entfernt war. Das hat mich mehr mitgenommen, als es sollte.

Ich war mental zu der Zeit ohnehin nicht in bester Verfassung – das war die eigentliche Ursache. Sonst hätte mich der Unterschied auf dem Display nicht gleich alles in Frage stellen lassen. Aber die Zahlen haben das verstärkt, was ohne sie vielleicht ein Schulterzucken gewesen wäre.

Weniger vergleichen

Weniger vergleichen – das ist der Punkt. Auf dem Heimweg wurde meine eigene Höchstgeschwindigkeit sofort zur nächsten Messlatte. Bei Dust and Distance konnte ich dagegen einfach der Linie folgen, ohne ständig zu prüfen, wie viel ich schon geschafft hatte und wie viel noch fehlte.

„Keine Daten, kein Druck” heißt für mich deshalb nicht, nichts mehr aufzuzeichnen. Sondern die Zahlen nicht ständig zum Maßstab meiner Fahrt zu machen. Manchmal reicht auf dem Hauptbildschirm eben die Linie, der ich folgen möchte.

Was zeigt dir dein Navi während der Fahrt an? Schreib es in einen Kommentar.

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Sandra Schuberth

Sandra Schuberth

Redakteurin

Sandra Schuberth, mal Feierabendrunde, mal Trainingsride, mal unsupported Bikepacking-Challenge. Hauptsache sie und ihr Gravelbike – abseits vom Verkehr. Seven Serpents, Badlands oder Bright Midnight: Sie hat anspruchsvolle Bikepacking-Rennen gefinisht. Gravel und Bikepacking sind ihre Herzensthemen, ihr Anspruch an Equipment ist hoch. Was sie fährt, nutzt und empfiehlt, muss draußen bestehen: nicht im Marketing, sondern im echten Leben.

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