In diesem Artikel verwenden wir sogenannte Affiliate Links. Bei jedem Einkauf über diese Links erhalten wir eine Provision vom Händler. Alle vermittlungsrelevanten Links sind mit gekennzeichnet. Mehr erfahren.
Es ist raus. Ich hasse Rennradschuhe. Nicht das Fahren damit – das Gehen.
Dabei liegt es nicht mal am Schuh selbst. Meine Specialized S-Works Torch mit ihrer anatomischen Zehenbox sind wirklich bequem – für 398 Euro ist allerdings auch ein tiefer Griff ins Portemonnaie dafür notwendig. Es gibt durchaus gute Rennradschuhe, die deutlich weniger kosten. Der Specialized Torch 3.0 (ohne S-Works) ist mit rund 250 Euro schon 150 Euro günstiger. Die Form der Schuhe erinnert an Barfußschuhe: keine eingezwängten Zehen, sondern Platz, wo Platz sein sollte. Verglichen mit anderen Rennradschuhen ist das fast schon ein Aufatmen für die Füße. Und trotzdem: Ich finde für mich selten einen Grund für Rennradschuhe.
Kaum steige ich ab, verwandele ich mich in ein Fohlen, das gerade erst lernt, die neu entdeckten Beine zu sortieren. Das fängt schon im Treppenhaus an: Mit Rennradschuhen die Treppe aus meiner Dachgeschosswohnung runterzusteigen, das Rad dabei in der Hand – schwierig. Morgens kommt noch die Sorge dazu, die schlafenden Nachbarn zu wecken mit dem lauten Klick-Klack. Bleibt nur: Schuhe in die eine Hand, Rad in die andere, auf Socken die Treppe runter. Und wenn ich mich der Style-Polizei beuge und weiße Socken anziehe, sind die danach grau.
Mit Rennradschuhen sehe ich in jeder Fliese eine potenzielle Katastrophe, jedes Kopfsteinpflaster ist der Endgegner. Deshalb wähle ich meistens Gravelschuhe mit SPD-Pedalen: mehr Sohle, mehr Grip, weniger Klick-Klack und angstfreies Café-Betreten inklusive.
Mit den Rennradschuhen dagegen bin ich schon mehr als einmal auf glattem Boden weggerutscht. Wäre ich beweglicher, hätte ich vergangenen Sonntag vermutlich einen sauberen Spagat hingelegt. Bin ich nicht – also bin ich einfach nur wild rudernd weggerutscht. Hoffentlich hat das niemand gesehen. Ich war mit einer Gruppe unterwegs, das Malheur passierte auf dem Fliesenboden einer Tankstelle.
Was im schlimmsten Fall passieren kann, weiß ich von einer Bekannten: Sie ist auf nassem Kopfsteinpflaster weggerutscht und so hart aufgeschlagen, dass ihr Helm zerbrach. Ohne Helm – nicht auszudenken.
Und trotzdem probiere ich es immer wieder und ziehe Rennradschuhe an. Die größere Kontaktfläche und die festere Verbindung zwischen Schuh und Pedal sorgen sicher für eine bessere Kraftübertragung. Für mein Leistungslevel reichen vermutlich meine Gravelschuhe völlig aus. Mir kommt es nicht auf jede Sekunde an – ich will einfach nur eine gute Zeit haben. Mal heißt das Intervalle ballern, mal Rennen fahren, bei denen ich eh nicht vorne mitmische und im Mittelfeld lande, ob nun ein paar Sekunden schneller oder langsamer, ist egal. Oft heißt Rennradfahren für mich auch, lange auf dem Rad zu sitzen mit einer Kuchenpause, bei der ich ohne Bruchlandung ins Café laufen will.
Also bleibt es dabei. Meistens trage ich Gravelschuhe, manchmal Rennradschuhe – und beim ersten Schritt, den ich gehen muss, hinterfrage ich meine Entscheidung.
Und, hasst ihr eure Rennradschuhe auch – oder bin ich die Einzige, die damit schon mal fast gestürzt ist?

Redakteurin
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.