Matthias Borchers
· 09.09.2026
BOA beruft sich auf Untersuchungen, nach denen ein präziser Schuh-Fit die Kraftübertragung verbessern und bei Sprintbelastungen Leistungszuwächse von bis zu 22 Watt ermöglichen kann. Die Grundannahme ist plausibel: Ein Radschuh, der den Fuß sicher umfasst, reduziert Bewegungen im Schuh und vermittelt ein direkteres Fahrgefühl.
Allerdings darf man daraus nicht schließen, dass der Verschluss allein für die Leistungssteigerung verantwortlich ist. Entscheidend bleibt zunächst die Passform des Schuhs selbst. Stimmen Leistenform und Fuß nicht überein, kann auch der beste Drehverschluss daraus keinen perfekt sitzenden Schuh machen. Das BOA-System ermöglicht vor allem eine sehr feine Anpassung der Spannung und damit die optimale Nutzung eines bereits gut passenden Schuhs.
Ein weiterer Praxisvorteil: Moderne BOA-Systeme lassen sich während der Fahrt in kleinen Schritten nachjustieren. Viele aktuelle Verschlüsse erlauben sowohl das Festziehen als auch das Lockern ohne vollständiges Öffnen. Gerade Profis, die überwiegend Topmodelle ihrer Sponsoren fahren, profitieren davon.
Auch beim Thema Aerodynamik argumentiert BOA mit Vorteilen eines flachen, integrierten Verschlusssystems. Tatsächlich erzeugen frei liegende Klettbänder oder Schnürsenkel potenziell mehr Luftwiderstand als ein kompakter Drehverschluss. Wie groß dieser Effekt auf der Straße tatsächlich ausfällt, hängt jedoch stark von der konkreten Konstruktion ab.
Nicht jeder BOA-Verschluss ist aerodynamisch identisch. Hoch bauende Drehräder oder stark gerändelte Metalloberflächen können ihrerseits Verwirbelungen erzeugen. Zudem befinden sich die Verschlüsse an einer Stelle des Radschuhs, die aerodynamisch ohnehin vergleichsweise wenig Einfluss besitzt.
Noch wichtiger: Im Zeitfahren tragen viele Profis Überschuhe oder Aero-Booties. Diese verdecken Schuh und Verschlüsse nahezu vollständig. Der messbare Aero-Vorteil entsteht dann primär durch die glatte Oberfläche des Überziehers und nicht durch die darunterliegende Verschlusstechnik. Anders sieht es bei Triathleten aus, die aus Zeitgründen in der Wechselzone häufig auf Booties verzichten.
Die Studie stützt eine Erkenntnis, die im Radsport längst akzeptiert ist: Ein gut sitzender Schuh kann Leistung und Komfort verbessern. Der entscheidende Faktor bleibt jedoch die Passform des gesamten Schuhs, nicht allein der Verschluss. BOA bietet dafür eine präzise und im Profi-Peloton weit verbreitete Lösung. Die versprochenen Leistungs- und Aero-Vorteile sollten jedoch eher als Teil eines Gesamtsystems betrachtet werden als als Eigenschaft des Drehverschlusses allein.

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