Wissenschaftler der Universitäten Miguel Hernández, Murcia und Alcalá haben das WorldTour Training von 16 weiblichen und 16 männlichen WorldTour-Profis über zehn Wochen vor dem Saisonstart analysiert. Die Forscher registrierten Leistungsdaten und Herzfrequenz während 1696 Trainingseinheiten in der Saison 2018-2019. Die Studie erschien im Februar 2026 in der Fachzeitschrift Biology of Sport. Wichtigstes Fazit für Hobbyradsportler: Professionelles Training bedeutet ein Großteil wird bei niedriger Intensität trainiert - hochintensive Intervalle machen bei den Männern nur 4,2 Prozent des Trainings aus.
Männliche Fahrer trainieren durchschnittlich 19,1 Stunden pro Woche, Frauen 16,7 Stunden. Die Anzahl der wöchentlichen Einheiten unterscheidet sich kaum: Männer absolvieren 6,0 Einheiten, Frauen 5,9 Einheiten. Männer legen 535 Kilometer pro Woche zurück, Frauen 428 Kilometer. Die bewltigten Höhenmeter beim WorldTour Training betrugen 6845 Meter bei Männern und 5602 Meter bei Frauen.
Die mechanische Arbeit der männlichen Fahrer liegt bei 12.397 Kilojoule pro Woche, bei Frauen bei 7458 Kilojoule. Trotz dieser Unterschiede zeigen relative Belastungsindikatoren keine signifikanten Differenzen: Der Training Stress Score beträgt bei Frauen 847 Punkte, bei Männern 848 Punkte.
Über 90 Prozent aller Fahrer folgen einer pyramidalen Intensitätsverteilung. Bei der Messung über Leistungsdaten verbringen männliche Fahrer 70,4 Prozent der Zeit in niedrigen Intensitätszonen, Frauen 59,7 Prozent. In mittleren Intensitätszonen trainieren Männer 25,4 Prozent der Zeit, Frauen 32,8 Prozent. Hochintensive Einheiten machen bei Männern 4,2 Prozent aus, bei Frauen 7,4 Prozent.
In absoluten Zahlen ausgedrückt: Männer verbringen 750 Minuten pro Woche in niedrigen Intensitäten, Frauen 544 Minuten. Mittlere Intensitäten nehmen bei Männern 270 Minuten ein, bei Frauen 305 Minuten. Hochintensive Einheiten dauern bei Männern 45 Minuten, bei Frauen 68 Minuten.
Die Herzfrequenzdaten bestätigen dieses Muster. Männer trainieren 78,8 Prozent der Zeit in niedrigen Intensitätszonen, Frauen 69,0 Prozent. Der Polarisationsindex liegt bei Männern bei 1,71, bei Frauen bei 1,54. Werte unter 2,0 bestätigen eine pyramidale Verteilung beim WorldTour Training.
Das Trainingsvolumen erreicht in Woche neun seinen Höhepunkt: Frauen trainieren 20,1 Stunden, Männer 22,5 Stunden. In der letzten Woche vor dem ersten Rennen reduzieren Frauen ihr Volumen auf 11,2 Stunden, was einem Rückgang von 44 Prozent entspricht. Männer trainieren in dieser Woche 17,7 Stunden, eine Reduktion um 21 Prozent." Die Reduktion betrifft bei Frauen besonders mittlere und hohe Intensitäten. Diese Strategie beim WorldTour Training soll die Restermüdung vor den ersten Rennen minimieren.
Die Critical Power der männlichen Fahrer liegt bei 380 Watt, bei Frauen bei 237 Watt. Die errechnete maximale Sauerstoffaufnahme beträgt bei Männern 73,3 Milliliter pro Kilogramm und Minute, bei Frauen 62,6 Milliliter pro Kilogramm und Minute. Die maximale Herzfrequenz unterscheidet sich nicht signifikant: Männer erreichen 194 Schläge pro Minute, Frauen 193 Schläge pro Minute.
Die Forscher bestimmten die Critical Power aus Trainingsdaten über die 1/Zeit-Methode (Inverse-Time-Modell) mit 2-, 5- und 12-Minuten-Maximalleistungen. Die maximale Sauerstoffaufnahme errechneten sie aus der höchsten 5-Minuten-Maximalleistung während des Studienzeitraums.
Die Autoren erklären die Unterschiede mit den spezifischen Anforderungen der Rennen: “Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede könnten auch eine Folge der besonderen Anforderungen von Wettkämpfen sein, da Rennen der Männer im Vergleich zu denen der Frauen durch längere Strecken und längere Fahrzeiten gekennzeichnet sind, was bei Männern ein höheres Ausdauertrainingsvolumen erforderlich macht.”
Frühere Studien zeigen, dass Frauen bei Rennen einen höheren Anteil an hochintensiven Belastungen bewältigen müssen. Sanders et al. berichteten, dass Frauenrennen höhere Trainingsbelastungsindikatoren pro Kilometer aufweisen. Die Studie zitiert: “Radfahrerinnen verbringen einen größeren Teil ihrer Zeit in Herzfrequenzbereichen mit hoher Intensität, und bei Frauenrennen werden im Verhältnis zur zurückgelegten Strecke höhere Trainingsbelastungswerte verzeichnet.”
Die Trainingsvolumina der untersuchten Profis entsprechen denen von Grand-Tour-Gewinnern. Fallstudien zeigen, dass Giro-d'Italia-Sieger durchschnittlich mehr als 15 Stunden pro Woche trainieren, in Spitzenwochen über 30 Stunden. Eine Beobachtungsstudie (Sanders D., Intensity and load characteristics of professional road cycling: Differences between men’s and women’s races) fand positive Zusammenhänge zwischen wöchentlicher Trainingsbelastung und Leistungsindikatoren wie der Laktatschwelle.
Die Wissenschaftler registrierten Leistungsdaten mit Shimano Dura-Ace und Power2Max Leistungsmessern. Vor jeder Einheit führten die Fahrer einen Nullabgleich durch. Die Forscher prüften die Daten visuell auf Ausreißer und korrigierten diese manuell. Die Herzfrequenz erfassten Garmin HRM Dual Brustgurte.
Für die Analyse mussten die Fahrer mindestens 80 Prozent der gesamten Trainingszeit mit Leistungs- oder Herzfrequenzdaten dokumentieren. Verfügbar waren Leistungsdaten für 15,3 Stunden pro Woche bei Frauen und 17,8 Stunden bei Männern, was 92 beziehungsweise 93 Prozent der Gesamttrainingszeit entspricht. Herzfrequenzdaten lagen für 14,4 Stunden bei Frauen und 16,5 Stunden bei Männern vor.
Die Forscher definierten drei Intensitätszonen: niedrige Intensität (Zone 1), mittlere Intensität (Zone 2) und hohe Intensität (Zone 3). Für leistungsbasierte Zonen nutzten sie die Critical Power als Grenze zwischen mittlerer und hoher Intensität. Die Grenze zwischen niedriger und mittlerer Intensität setzten sie bei 70 Prozent der Critical Power an, basierend auf einer Meta-Analyse.
Für herzfrequenzbasierte Zonen reichte die niedrige Intensität von 60 bis 82 Prozent der maximalen Herzfrequenz, mittlere Intensität von 82 bis 88 Prozent und hohe Intensität von 89 bis 100 Prozent. Die Critical Power aktualisierten die Wissenschaftler alle vier Wochen aus den Trainingsdaten.
Die Studie zeigt, dass beide Geschlechter den größten Teil der Trainingszeit in niedrigen Intensitäten verbringen. Die Autoren schreiben: “Unsere Ergebnisse zeigen, dass Radfahrer unabhängig vom Geschlecht den Großteil ihrer Trainingszeit mit geringer Intensität verbringen, obwohl Frauen einen höheren Anteil der Zeit mit mittlerer bis hoher Intensität absolvieren.”
Die Autoren nennen mehrere Einschränkungen ihrer Beobachtungsstudie. Sie konnten keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen nachweisen und überwachten die körperliche Fitness nicht durch spezifische Tests. Kontextfaktoren wie Teamstrategien, Regeneration und Ernährung blieben unkontrolliert.
Die Critical Power schätzten die Forscher aus Trainingsdaten, was zu einer Überschätzung der Zeit in hochintensiven Zonen führen könnte. Krafttraining und andere Einheiten außerhalb des Fahrrads erfasste die Studie nicht. Die Verwendung verschiedener Leistungsmesser-Modelle könnte geringe Messvariabilität eingeführt haben. Die Wissenschaftler fordern randomisierte kontrollierte Studien, um die optimale Trainingsbelastung und Intensitätsverteilung für beide Geschlechter zu bestimmen.

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