​Rennrad-TrainingsplanIn drei Monaten zur Topform!

Robert Kühnen

 · 17.02.2026

​Rennrad-Trainingsplan: In drei Monaten zur Topform!Foto: Wolfgang Papp
Große Ziele, aber noch keine große Form? Wir zeigen, was beim Training zu tun ist, um Wollen und Können miteinander in Einklang zu bringen. Wer jetzt los legt, ist im Sommer optimal in Schwung!

Die gute Nachricht zuerst: Der Mindesteinsatz für planbaren Fortschritt ist überschaubar. Dreimal Training pro Woche – mit etwas Struktur, aber ohne pedantische Mikro-Steuerung. Dabei kommt es mehr auf Kontinuität an als auf einzelne Superheldenaktionen. Wer drei Monate lang konsequent Zug auf der Kette hält, wird belohnt mit mehr Kraft, Power und Durchhaltevermögen. Die wichtigste Einzelmaßnahme lautet: JETZT ein Event herauszupicken, das Lust macht und nicht ganz ohne Training im Handumdrehen zu meistern ist. Damit ist der motivierende Rahmen gesetzt, und der Rest läuft fast von alleine.



Wie viel Steigerung im Training konkret in drei Monaten möglich ist, lässt sich nicht pauschal sagen, da die Voraussetzungen individuell sehr unterschiedlich sein können. Klar aber ist: Die Zeit reicht für echte physiologische Anpassungen, weshalb Ziele erreichbar sind, die momentan noch zwei Nummern zu groß erscheinen.

Wir machen konkrete Vorschläge, was in den drei Monaten zu tun ist, um im Sommer bestens vorbereitet bei Marathons oder anderen Jedermann-Events mitzumischen. Dazu gliedern wir die Zeit in drei Phasen, die aufeinander aufbauen, aber auch für sich genommen als Fahrplan taugen, zum Beispiel bei späterem Einstieg.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Die drei Phasen des Trainingsplans

  1. Ins Rollen kommen und ein Fundament legen
  2. Tempo aufbauen, Ermüdungsresistenz verbessern
  3. Zuspitzung zum Wettkampf

Wir zeigen die inhaltlichen Schwerpunkte auf, lassen aber genug Raum für Individualisierung, etwa das Aufstocken der Trainingszeiten. So lässt sich der Crash-Plan an unterschiedliche Fitness-Level anpassen. Zur Charakterisierung der Intensitätsbereiche für Sportler, die eher nach Intuition als unterstützt durch Pulsmesser oder gar Powermeter trainieren, verwenden wir eine einfache Tempo-Ampel:

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?
  • Grundtempo Das sollte stundenlang möglich sein, knappe Gespräche sind führbar. Je nach Länge wird die Belastung etwas angepasst
  • Schwellentempo 10 bis 30 Minuten intensiv, typisch für mittellange Anstiege
  • Spitzentempo Über vier Minuten, typisch für kurze, steile Steigungen

Die Ausdauer-Trickkiste fürs Training

Am Anfang steht das Training der Grundlage, punktgenau angereichert mit intensiven BelastungenFoto: Wolfgang PappAm Anfang steht das Training der Grundlage, punktgenau angereichert mit intensiven Belastungen

Top-Ausdauer erfordert Fleiß und Kontinuität. Aber wie macht man das? Hier sind die besten Tipps, um mehr Training in der verfügbaren Zeit ­unterzubringen und Schwerpunkte zu setzen.

Kontinuität Der wichtigste Baustein, nicht verhandelbar. Nichts­tun heißt Rückschritt. Das bedeutet nicht, jeden Tag trainieren zu müssen, Erholungszeit ist wichtig. Aber Regelmäßigkeit ist wichtiger als einzelne Gewaltleistungen. Die Basis legt daher ein Wochenplan mit mindestens drei, besser aber vier oder fünf Trainingseinheiten pro Woche.

Trainingscamp (1-2 Wochen) Der Form-Booster schlechthin und die effizienteste Methode, Trainingszeit zu ballen und Anpassungen im Organismus anzustoßen. Hauptvorteil: Klare Fokussierung auf den Sport. Der Klassiker ist ein Frühjahrscamp, um Kilometer zu sammeln. Trainingslager lassen sich aber immer einstreuen; die inhaltlichen Schwerpunkte wandeln sich im Zuge der Saison und werden Richtung Wettkampf immer spezifischer. Voraussetzung: vier Stunden im Grund­lagentempo zu ­fahren sollte kein Problem sein.

Wochenend-Ausdauercamp (2,5 Tage) Die knappste Form des Trainingslagers beginnt an der eigenen Haustür als Rundtrip: Freitagnachmittag aufs Rad und los Richtung Horizont. Übernachtung in einem Hotel. Am nächsten Tag eine lange Etappe zum zweiten Hotel. Am Sonntag zurück nach Hause, das Ganze mit Minimalgepäck – Rucksack oder Satteltasche. Wer’s puristisch mag, biwakiert am Wegesrand. So lassen sich ernsthaft Kilometer machen. Zwei Wochenendcamps in Reihe plus ein Trainingsblock dazwischen nehmen es im Umfang mit einem „richtigen“ Trainingslager auf.

Pendeln (drei- bis viermal pro Woche) Das spart Zeit bzw. macht mehr Training möglich. Mit dem Rad zur Arbeit, locker hin, mit einer Extrarunde zurück – so kommen reichlich Kilometer zusammen und der zeitliche Mehraufwand ist überschaubar.

Klarer Vorteil: Berge im Trainingsrevier helfen dabei, die Belastungen exakt zu dosierenFoto: Wolfgang PappKlarer Vorteil: Berge im Trainingsrevier helfen dabei, die Belastungen exakt zu dosieren

Trainingszonen nach FTP*

Wer nach Watt trainiert, kann feiner einteilen und Intervalle maßschneidern. Die Trainingszonen können ­anhand der FTP definiert werden:

  • Kompensationsbereich bis 55 Prozent der FTP, dient der Erholung
  • Grundlagenausdauer 1 bis 77 Prozent der FTP, Grundtempo aller Trainings
  • Grundlagenausdauer 2 bis 90 Prozent der FTP, Tempotrainings, lange Intervalle
  • Entwicklungsbereich bis 105 Prozent der FTP, Schwellentempo, max. eine Stunde
  • Aerobe Kapazität bis 130 Prozent der FTP, harte Intervalle bis max. acht Minuten
  • Anaerobe Kapazität bis 180 Prozent der FTP, sehr harte Intervalle bis max. zwei Minuten

*FTP steht für Functional Threshold Power und bezeichnet die durchschnittliche Leistung in Watt, die ein Radsportler etwa eine Stunde lang konstant aufrechterhalten kann. Sie ist ein zentraler Messwert für Trainingssteuerung, Leistungsstand und die Definition von Trainingszonen. Erhöhte FTP-Werte korrelieren mit höherer Leistungsfähigkeit, meist ermittelt durch 20-Minuten- oder Rampentests.

8O Prozent des gesamten Trainings entfallen auf den Grundlagenbereich, nur maximal 20 Prozent auf die intensiveren Bereiche. Auch die Herzfrequenz ist zur Steuerung ­geeignet, vorzugs­weise aber nur bis zu mittlerer Intensität, weil sie träger reagiert.

12-Wochen-Trainingsplan

Phase 1: Ins Rollen kommen und ein Fundament legen

7 bis 12 Stunden bzw. 3 bis 5 Trainingseinheiten pro Woche

Woche 1Woche 2Woche 3Woche 4
Montag30-60 min Krafttraining30 min30 min30 min
Dienstag (anaerober Bereich)1,5 Stunden; darin Intervalle; 3 x 4 Minuten, volle Pulle bergauf, dazwischen gut erholen2 h, 4 x 4'2 h, 4 x 4'1,5 h, 4 x 4'
Mittwochoptional: 2 Stunden Grundlagentempo
Donnerstag (Grundlagenaus- dauer)1,5 Stunden - etwas höheres Grundtempo als bei den langen Fahrten2 h2,5 h2 h
Freitag30-60 min Krafttraining30 min30 min30 min
Samstagoptional 2 Stunden Grundlagentempo
Sonntag (Grundlagenaus- dauer GA)3+x Stunden flach bis wellig lockeres Grundlagentempo3,5 + x h4 + x h3 + x h
Summerund 7 Stunden8,5 h9,5 h7,5 h

Phase 2: Tempo aufbauen, Ermüdungsresistenz verbessern

9 bis 14 Stunden bzw. 3 bis 5 Trainingseinheiten pro Woche

Woche 5Woche 6Woche 7Woche 8
Montag30-60 Minuten Krafttraining30 min30 min30 mi
Dienstag (anaerober Bereich)2 Stunden; darin Intervalle: 3 x 4 Minuten volle Pulle bergauf, dazwischen gut erholen2 h, 4 x 4'2 h, 4 x 4'1,5 h, 4 x 4'
Mittwochoptional 2 Stunden Grundlagentempo
Donnerstag (Entwicklungsbereich)2 Stunden; zum Ende hin 1 x 20' schnell, aber ohne außer Atem zu kommen2,5 h, 1 x 30'2,5 h, 1 x 40' 2 h Grundlagentempo
Freitag30-60 Minuten Krafttraining30 min30 min30 min
Samstagoptional 2 + x Stunden Grundlagentempo
Sonntag (Grundlagenausdauer)4 + x Stunden wellig bis bergig, Grundlagentempo, bergauf auch im höheren Ausdauerbereich4 + x h4 + x h3 + x h
Summerund 9,5 Stunden8,5 h9,5 h7,5 h

Phase 3: Zuspitzung zum Wettkampf

9 bis 14 Stunden bzw. 3 bis 5 Trainingseinheiten pro Woche

Woche 9Woche 10Woche 11Woche 12
Montag30-60 Minuten Krafttraining30-60 min Krafttraining30-60 min KrafttrainingFokus auf Erholung
Dienstag (Entwicklungsbereich)2 Stunden; darin Intervalle: 3 x 10 Minuten mit 95 % vom Maximaltempo bergaufEntwicklungsbereich: 2 Stunden; darin Intervalle: 5 x 10' mit 95 % vom Maximaltempo bergaufGrundlage, 2 hGrundlage, 2 h
Mittwochoptional 2 Stunden Grundlagentempooptional 2 Stunden Grundlagentempooptional 2 Stunden Grundlagentempo
Donnerstag (Entwicklungsbereich)2 Stunden; darin Intervalle: 4 x 10 Minuten mit 95 % vom Maximaltempo bergaufAnaerober Bereich: 2,5 h, zum Ende 1 x 40' schnellEntwicklungsbereich: 2 Stunden; darin Intervalle: 4 x 10' mit 95 % vom Maximaltempo bergaufTag 4 vor dem Wettkampf: 2 h, 4 x 4' mit 95 % vom Maximaltempo bergauf
Freitag30-60 Minuten Krafttraining30-60 Minuten Krafttraining30-60 Minuten KrafttrainingTag 3 und 2 vor dem Wettkampf nur erholen
Samstagoptional 2 + x h Grundlagentempooptional 2 + x h GrundlagentempoGrundlagentempo; Tag 1 vor dem Wettkampf: 1 h kurze Vorbelastungen, 3 x 1' schnell
Sonntag (Grundlagenausdauer)4 + x h bergig Grundlagentempo, bergauf hohes Grundtempo mit Spitzen3 + x h bergig, Grundlagentempo, bergauf hohes Grundtempo mit Spitzen3 + x h bergig, Grundlagentempo, bergauf hohes Grundtempo mit SpitzenWettkampf
Summe9 h8,5 h8 h5 h
Kohlenhydrate sind zentral für die Sporternährung - aber auf Menge und Zeitpunkt kommt’s an!Foto: AdobestockKohlenhydrate sind zentral für die Sporternährung - aber auf Menge und Zeitpunkt kommt’s an!

Ernährung

Rennradfahren ist ein Energiesport. Viele Stunden im Sattel bedeuten einen hohen Energieumsatz, führen aber nicht automatisch zur Traumfigur. Wer abnehmen will, braucht eine negative Energiebilanz. Radsport ist daher kein Freibrief für hemmungsloses Essen. Wer effizient trainieren und gleichzeitig abnehmen möchte, muss die Kohlen­hydratzufuhr insgesamt etwas drosseln, aber vor, während und nach dem Training nicht an Kohlen­hydraten sparen. Beim Sport ist gute Versorgung wichtig, um leistungsfähiger zu sein und schneller zu regenerieren. Also:

  • abseits vom Sport Kohlenhydrate reduzieren
  • Gesamtenergiebilanz leicht negativ halten
  • während des Sports gut verpflegen, um leistungsfähig zu sein

Empfohlene Ernährungsstrategie auf dem Rad

Am einfachsten gelingt gute Versorgung unterwegs mit Energiedrinks – die kann man leicht selbst herstellen, zum Beispiel mit Maltodextrin-Pulver. Die empfohlenen Kohlenhydrat-Mengen in Gramm pro Stunde (KH/h):

  • Ruhiges Grundlagentraining: 30-40 g KH/h
  • Intensives Training: 60-90 g KH/h

Ernährungs-Tipps

  • nicht mit Hunger zu intensivem Training starten, vorher einen Snack/Energiedrink nehmen
  • direkt nach hartem Training einen Milchshake oder Recovery-Drink, um Regeneration anzustoßen
  • Kohlenhydratspeicher bald wieder auffüllen – wichtig für das Training am nächsten Tag

Meistgelesen in der Rubrik Fitness