Das Regenradar hatte zwar ein paar Wolken angezeigt, doch beim Start schien noch die Sonne. Also ging es für mich wie geplant auf die Feierabendrunde. Erst nach einer guten Stunde wurden die Straßen dunkler. Ein paar Tropfen, dann ein kurzer Schauer. Nichts Ungewöhnliches. Doch wenige Minuten später öffnete der Himmel seine Schleusen.
Plötzlich war alles anders. Die vertraute Abfahrt, auf der ich jedes Schlagloch kenne, fühlte sich schneller an als sonst, die Kurven enger und die Bremswege länger. Wenn das Wasser von Helm und Brille tropft, wird schnell klar: Wer bei einer Regenfahrt sicher unterwegs sein will, muss einige Dinge anders machen als auf trockener Fahrbahn.
Klingt banal, ist aber entscheidend. Moderne Rennradreifen bieten auch bei Nässe erstaunlich viel Grip. Das Problem ist meist nicht der Reifen selbst, sondern die Bedingungen auf der Straße.
Besonders in den ersten Minuten eines Regenschauers kann es rutschig werden. Ölreste, Staub und Schmutz vermischen sich mit dem Wasser und bilden einen gefährlichen Film auf dem Asphalt. Deshalb lohnt es sich, das Tempo bewusst zu reduzieren und etwas defensiver zu fahren.
Fast alle Stürze passieren in Kurven. Dabei liegt die Lösung oft in der Linienwahl. Kurven sollten bei Nässe früher angebremst werden. Wer bereits vor dem Einlenken ausreichend Geschwindigkeit herausnimmt, kann die Kurve ruhiger und kontrollierter durchfahren. Hektische Bremsmanöver in Schräglage erhöhen dagegen das Risiko für einen Rutscher deutlich.
Ebenso wichtig ist die Blickführung. Das Rad folgt häufig dem Blick. Wer auf den Ausgang der Kurve schaut statt direkt vor das Vorderrad, fährt meist automatisch sauberere Linien. Das gilt natürlich generell, aber insbesondere bei einer Regenfahrt.
Nicht jede Stelle auf der Straße bietet gleich viel Grip. Kanaldeckel, Fahrbahnmarkierungen, Straßenbahnschienen oder Metallplatten können bei Nässe extrem rutschig werden.
Im Herbst kommt eine weitere Gefahr hinzu: nasses Laub. Aber auch jetzt schon liegen oft Blätter auf den Wegen, dabei ist es gefühlt noch Spätsommer. Es sieht harmlos aus, kann sich aber ähnlich glatt verhalten wie Eis. Wer solche Stellen erkennt, sollte sie möglichst gerade überfahren und starke Lenk- oder Bremsbewegungen vermeiden.
Bei trockenen Bedingungen lassen sich Geschwindigkeiten und Bremswege meist gut einschätzen. Im Regen verändert sich das. Deshalb empfiehlt es sich, sowohl zu anderen Verkehrsteilnehmern als auch innerhalb einer Gruppe etwas mehr Abstand zu halten. So bleibt genügend Zeit für Reaktionen, falls jemand vor einem unerwartet bremst oder ausweicht.
Ein kleiner Trick vieler erfahrener Rennradfahrer: Bei einer vorhersehbaren Regenfahrt kann der Reifendruck etwas abgesenkt werden. Der größere Kontakt zur Fahrbahn verbessert das Fahrgefühl und kann zusätzlichen Grip vermitteln. Große Unterschiede sind allerdings nicht nötig. Bereits etwa 0,3 bis 0,5 Bar weniger als gewohnt können sinnvoll sein.
Während einer Regenfahrt wird schnell deutlich, wie eingeschränkt die Sicht sein kann. Regentropfen auf der Brille, Spritzwasser und dunkle Wolken erschweren die Orientierung. Das geht nicht nur einem selbst so, sondern auch den anderen Verkehrsteilnehmern. Mit Front- und Rücklicht fahren ist deshalb ein Muss, zumal es bei Regenwetter oft sehr dunkel wird. Helle oder reflektierende Kleidung kann ebenfalls helfen, im Straßenverkehr früher wahrgenommen zu werden.
Auf meiner verregneten Feierabendrunde kam ich zwar völlig durchnässt nach Hause, aber auch mit einer wichtigen Erkenntnis: Regen macht das Rennradfahren nicht automatisch gefährlich. Wer sein Tempo anpasst, Kurven etwas vorsichtiger angeht und typische Gefahrenstellen im Blick behält, kann auch bei Nässe sicher und mit viel Spaß unterwegs sein.
Und seien wir ehrlich: Manchmal gehören genau diese unerwarteten Regenfahrten zu den Ausfahrten, an die man sich später am längsten erinnert.

Redakteur
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.