​Mythos MuskelaufbauDrei Irrtümer, die Sie beim Training ausbremsen

​Mythos Muskelaufbau: Drei Irrtümer, die Sie beim Training ausbremsenFoto: Sebastian Bahr
Prof. Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln: geballte Trainings-Kompetenz.
Muskeln sind weniger kompliziert als ihr Ruf. Prof. Dr. Ingo Froböse, Deutschlands bekanntester Sportwissenschaftler, erklärt warum – und räumt drei Mythen aus dem Weg.

Themen in diesem Artikel

Mikro-Training: Bringen 40 Liegestütze zwischendurch überhaupt etwas?

Prof. Dr. Ingo Froböse: Ja. Wer über den Tag verteilt immer wieder Liegestütze, Kniebeugen oder Klimmzüge bis kurz vor die Ermüdung absolviert, setzt durchaus einen Trainingsreiz. Muskelaufbau ist also möglich.

Allerdings fehlt dem Mikro-Training ein entscheidender Faktor: die ausgeprägte lokale Muskelermüdung. Zwischen den kurzen Belastungen hat der Muskel genügend Zeit, sich zu erholen. Der Reiz summiert sich deshalb nicht so stark wie bei mehreren aufeinanderfolgenden Sätzen.

Für maximalen Muskelaufbau bleibt das klassische Krafttraining überlegen. Wer jedoch wenig Zeit hat, kann mit regelmäßigen Mini-Einheiten trotzdem sichtbare Fortschritte erzielen. Besser kurze Reize als gar kein Training.

Wie viele Sätze braucht ein Muskel wirklich?

Prof. Dr. Ingo Froböse: Die Wissenschaft ist sich erstaunlich einig: Entscheidend ist das Wochenvolumen.

  • Einsteiger: 6 bis 10 Sätze pro Muskelgruppe und Woche
  • Fortgeschrittene: 10 bis 12 Sätze pro Muskelgruppe und Woche

Wer dreimal pro Woche trainiert, landet damit bei etwa drei bis vier Sätzen je Muskelgruppe pro Einheit – ein guter Kompromiss zwischen Trainingsreiz und Regeneration.

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Zirkeltraining oder klassische Sätze?

Prof. Dr. Ingo Froböse: Für Kraftausdauer und allgemeine Fitness ist Zirkeltraining hervorragend. Für maximalen Muskelaufbau dagegen hat das klassische Satztraining Vorteile.

Beim Zirkel wechseln die Übungen ständig. Die Folge: Der gesamte Körper ermüdet schneller, die Konzentration sinkt und die Bewegungsqualität leidet. Gleichzeitig bleibt die lokale Ermüdung eines einzelnen Muskels geringer als bei mehreren direkt aufeinanderfolgenden Sätzen derselben Übung.

Wer möglichst viel Muskelmasse aufbauen möchte, fährt deshalb mit drei bis fünf klassischen Sätzen pro Übung meist besser.

Muskelversagen oder mechanische Spannung – wer hat recht?

Prof. Dr. Ingo Froböse: Die scheinbar widersprüchlichen Empfehlungen beruhen auf zwei unterschiedlichen wissenschaftlichen Ansätzen.

Der erste setzt auf energetische Ausbelastung. Dabei wird der Muskel durch mehrere Wiederholungen bis zum starken Brennen oder nahezu bis zum Muskelversagen belastet. Die Erschöpfung gilt als zentraler Wachstumsreiz.

Der zweite Ansatz betont die mechanische Spannung. Hier sorgen kontrollierte, belastende Bewegungen – vor allem in der exzentrischen Phase – für kleinste Mikroverletzungen im Muskel. Diese aktivieren Reparaturprozesse und stimulieren den Aufbau neuer Muskelstrukturen.

Beide Methoden funktionieren. Sie verfolgen lediglich unterschiedliche Schwerpunkte.

Für Freizeit- und Fitnesssportler empfiehlt sich in der Praxis meist die klassische Hypertrophie-Methode: drei bis fünf Sätze mit zehn bis zwölf Wiederholungen, das Gewicht so gewählt, dass die letzten Wiederholungen sauber, aber nur mit großer Anstrengung gelingen. Spitzensportler arbeiten dagegen häufiger mit gezielt hoher mechanischer Spannung, um auch die letzten motorischen Einheiten zu aktivieren.

Die Quintessenz:

Nicht das perfekte Trainingssystem entscheidet über den Muskelaufbau – sondern konsequentes Training mit ausreichender Intensität und regelmäßiger Progression. Ganz gleich, ob der Muskel am Ende brennt oder unter Spannung steht.

Wer ist Ingo Froböse?

Prof. Dr. Ingo Froböse ist einer der bekanntesten Gesundheitsexperten Deutschlands. Er lehrt Prävention und Rehabilitation an der Deutschen Sporthochschule Köln, wo er bis 2023 das Institut für Bewegungstherapie leitete. Seit 2023 bringt er seine Expertise als Partner bei fischimwasser, der Kölner Denkfabrik für Gesundheitsförderung, ein.Mit Bestsellern, Auftritten in führenden Medien sowie seinem erfolgreichen YouTube-Kanal „Formel Froböse“ begeistert er ein breites Publikum für ein gesundes, aktives Leben. Seine Kernphilosophie setzt auf die Säulen Bewegung, Ernährung und Regeneration.Neben seiner Medienpräsenz berät Froböse den Deutschen Bundestag sowie Krankenkassen in Präventionsfragen und rief renommierte Praxisinstitute wie das IQPR, FiBS und FIT-Prävention ins Leben. Die Begeisterung für Bewegung liegt in seiner eigenen DNA: In seiner Jugend war er mehrfacher deutscher Vizemeister im Sprint und EM-Vierter über 200 Meter.

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