E-Cycling Doping-StudieJeder Vierte würde betrügen

Kristian Bauer

 · 15.07.2026

E-Cycling Doping-Studie: Jeder Vierte würde betrügenFoto: KI-generiert
Doping im Ecycling
Eine wissenschaftliche Studie untersuchte die Bereitschaft im E-Cycling zum Doping. Rund ein Viertel wäre bereit zum Doping, wenn es eine hohe Prämie zu gewinnen gäbe. Die Forscher sehen darin ein Warnsignal für die Integrität des virtuellen Radsports vor den ersten Olympic Esports Games 2027.

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Forscher der Bournemouth University und der Newcastle University befragten 366 Esport-Radfahrer zu ihrer hypothetischen Bereitschaft, leistungssteigernde Substanzen einzusetzen. Die Studie griff das sogenannte Goldman-Dilemma auf, ein seit 1984 bekanntes Gedankenexperiment aus der Anti-Doping-Forschung. Die Teilnehmer wurden gefragt, ob sie eine Substanz nehmen würden, die ihnen garantierte Erfolge im E-Cycling bringt, aber nach fünf Jahren zum Tod führt.

Die Befragung fand im Dezember 2024 über Online-Fragebögen statt. 84,4 Prozent der Teilnehmer waren männlich, 15,1 Prozent weiblich. Fast ein Drittel der Befragten nutzt mehrere Plattformen parallel. Zwift war mit 320 Nennungen die am häufigsten genutzte Plattform, gefolgt von IndieVelo mit 73 und MyWhoosh mit 55 Nennungen. Die Teilnehmer hatten unterschiedlich lange Erfahrung im virtuellen Radrennsport: 22,67 Prozent fuhren seit drei bis vier Jahren, 18,85 Prozent seit fünf bis zehn Jahren.

E-Cycling Befragung

Die Forscher stellten zehn verschiedene Varianten des Goldman-Dilemmas. In den ersten acht Fragen wurde den Teilnehmern entweder eine olympische Goldmedaille im E-Cycling oder zehn Millionen US-Dollar als Belohnung angeboten. Die Substanz würde sie jedoch nach fünf Jahren töten. Die Akzeptanzrate lag zwischen 0,8 und 2,8 Prozent. Bei der Frage nach einer olympischen Goldmedaille stimmten nur 0,8 bis 1,4 Prozent zu. Für zehn Millionen US-Dollar erhöhte sich die Zustimmung auf 2,2 bis 2,8 Prozent.

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Die Wissenschaftler variierten auch die Legalität der Substanz. Bei illegalen, nicht nachweisbaren Mitteln lag die Zustimmung für eine Goldmedaille bei 0,8 Prozent. Für die gleiche Belohnung mit einer legalen Substanz stimmten 1,1 Prozent zu. Bei der finanziellen Belohnung von zehn Millionen US-Dollar akzeptierten 2,5 Prozent eine illegale und 2,8 Prozent eine legale Substanz, beide mit Todesfolge.

Deutlicher Anstieg ohne Todesrisiko

Die entscheidende Veränderung zeigte sich in den letzten beiden Fragen. Hier entfernten die Forscher die Todesfolge aus dem Szenario. Die Teilnehmer wurden gefragt, ob sie eine nicht nachweisbare, illegale Substanz nehmen würden, die ihnen eine olympische Goldmedaille garantiert. 9,9 Prozent stimmten zu. Bei der Frage nach zehn Mio. US-Dollar ohne Todesrisiko stieg die Akzeptanz auf 28 Prozent.

Die Autoren schreiben: "Die hohe Rate hier deutet darauf hin, dass ein erheblicher Anteil der Teilnehmer der Versuchung erliegen könnte und das auf einem Niveau, das weit über dem liegt, was von Anti-Doping-Agenturen berichtet wird." Sie betonen, dass diese Bereitschaft zum Doping im E-Cycling ein ernstzunehmendes Signal darstellt.

Wachsende Preisgelder im E-Cycling

Der virtuelle Radsport hat sich in den vergangenen Jahren etabliert. Zwift meldet eine Million Nutzer. Die UCI richtet seit 2022 Weltmeisterschaften aus. MyWhoosh bot 2024 ein Gesamtpreisgeld von 3.750.000 US-Dollar. Zwift stellte im selben Jahr 128.000 US-Dollar bereit, die UCI-Weltmeisterschaft 60.000 US-Dollar. Der bestbezahlte männliche Fahrer verdiente 98.154 US-Dollar, die bestbezahlte Fahrerin 167.126 US-Dollar.

Die Forscher sehen in diesen wachsenden Summen einen möglichen Anreiz für Doping im E-Cycling. Sie verweisen auf einen Fall aus Italien, wo ein Fahrer, der sowohl virtuell als auch real antritt, positiv auf anabole Steroide getestet wurde. Die Studie zeigt, dass finanzielle Anreize stärker wirken als sportliche Erfolge. Bei allen Varianten des Goldman-Dilemmas lag die Akzeptanzrate für Geld höher als für eine olympische Goldmedaille.

Unterschiede zu traditionellen Sportarten

Die Ergebnisse für Esport-Radfahrer ähneln denen aus anderen Studien. Bei der allgemeinen Bevölkerung lag die Akzeptanz des Goldman-Dilemmas bei 0,8 Prozent, bei Elite-Leichtathleten bei 1 Prozent, bei olympischen Athleten unter 1 Prozent. Die Forscher führen die niedrige Rate bei Esport-Radfahrern darauf zurück, dass die meisten Teilnehmer Freizeitsportler sind und keine Profis.

Die Wissenschaftler schreiben: "Die relativ neue Einführung von Esports bedeutet, dass es wahrscheinlich nur wenige Elite- oder professionelle Esport-Radfahrer gibt und dass die Teilnehmer wahrscheinlich auf Freizeitbasis aktiv sind und daher im Lebensstil näher an der allgemeinen Bevölkerung liegen." Die Studie bestätigt damit frühere Einschätzungen, dass das Goldman-Dilemma in seiner ursprünglichen Form als Trugschluss betrachtet werden sollte.

Methodische Besonderheiten

Die Forscher legten Wert auf maximale Anonymität. Sie sammelten keine Namen, nur Geschlecht und Altersgruppe. Die Fragen wurden einzeln auf dem Bildschirm angezeigt, sodass Teilnehmer keine Vergleiche zwischen den Fragen anstellen konnten. Die Einladungen zur Teilnahme wurden über Facebook-Gruppen, Foren und Reddit verbreitet, darunter Mywhoosh, VCycling news und Zwift members.

Die Wissenschaftler testeten auch, ob die Umformulierung der gleichen Frage zu unterschiedlichen Antworten führt. Die Differenz zwischen den Fragenpaaren betrug jedoch nur 0,3 Prozent, was einer einzigen Person entspricht. Die Forscher schreiben, dass diese Doppelung in zukünftigen Studien nicht wiederholt werden sollte, da sie Teilnehmer verärgern könnte.

Warnung vor den Olympic Esports Games

Die Studie erscheint zu einem kritischen Zeitpunkt. Das IOC plant für 2027 die ersten Olympic Esports Games. Die Forscher warnen: "Wenn jemand bereit ist zu dopen, um seine Leistung bei Events auf niedrigerem Niveau zu verbessern, dann sollten die Ergebnisse hier nicht leichtfertig abgetan werden, besonders im Hinblick auf die Olympic Esport Games 2027 und die wachsenden Preisgelder auf den Esport-Radsport-Plattformen."

Die Autoren sehen in den Fragen ohne Todesfolge ein mögliches Instrument, um die aktuelle Einstellung von Athleten zum Doping zu messen. Sie betonen, dass Anti-Doping-Regelungen im Esport noch in den Kinderschuhen stecken. Die Studie liefert Hinweise darauf, dass nicht nur die Mittel und Methoden zum Doping existieren, sondern auch die Motive, wenn die Anreize hoch genug sind.

Die Wissenschaftler schließen: "Die höhere Akzeptanzrate, die erzielt wurde, wenn die potenzielle Belohnung als hoch genug eingeschätzt wurde und wenn alle Risiken entfernt wurden, sollte als bemerkenswertes Anliegen für die Stakeholder des Sports gesehen werden, während er sich weiterentwickelt."

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Kristian Bauer

Redakteur

Kristian Bauer ist gebürtiger Münchner und liebt Ausdauersport – besonders wenn es in die Berge geht. Er ist ein Fan der Tour de France und bevorzugt solide Rennradtechnik. Er führt für TOUR Interviews, berichtet von Events im Hobbyradsport und schreibt Artikel über die Fahrradbranche sowie Trends im Rennradsport.

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