Schmerzen auf dem RadWas wirklich hilft

Josh Welz

 · 11.08.2026

Schmerzen auf dem Rad: Was wirklich hilftFoto: Ki-generiert
Auf Abfahrten und unebenen Strecken gilt:

Themen in diesem Artikel

Rücken, Nacken, Handgelenke, Gesäß und Knie: Schmerzen beim Rennradfahren und Gravelbiken sind weit verbreitet, aber kein unvermeidliches Schicksal. Dieser Ratgeber zeigt, was dahintersteckt und wie Du mit der richtigen Sitzposition und gezieltem Training dauerhaft beschwerdeärmer fährst.


Das Fazit der Redaktion

Schmerzen beim Rennradfahren und Gravelbiken sind oft ein Zusammenspiel aus falscher Einstellung am Fahrrad, ungünstiger Körperhaltung, einseitiger Belastung und fehlender Stabilität. Wer Cockpit und Sattel überprüft, seine Sitzposition verbessert und Rumpf, Gesäß sowie Schultergürtel gezielt trainiert, kann Beschwerden deutlich reduzieren. Wichtig bleibt, Warnsignale wahrzunehmen und frühzeitig darauf zu reagieren. Anhaltende Taubheit, ausstrahlende Schmerzen, Kraftverlust oder Beschwerden nach einem Sturz gehören dagegen in ärztliche Hände. In jedem Fall gilt: Ein professionelles Bike-Fitting kann helfen, die Sitzposition systematisch zu überprüfen.


Rücken, Schultern, Arme, Handgelenke, Nacken, Gesäß und Knie sind beim Rennradfahren und Gravelbiken besonders gefordert. Treten dort Schmerzen auf, liegt die Ursache nicht automatisch an einer schwachen Muskulatur. Häufig ist es eine Kombination aus ungünstiger Ergonomie, falscher Körperhaltung, fehlender Gewöhnung und zu hoher Belastung.

Die gute Nachricht: Viele Beschwerden lassen sich mit kleinen Änderungen am Fahrrad, einer aktiveren Sitzposition und gezieltem Training deutlich reduzieren. Dieser Ratgeber zeigt, woran Du typische Probleme erkennst und welche Maßnahmen Du selbst ausprobieren kannst.

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Die häufigsten Schmerzbereiche

Typische BeschwerdenHäufige Ursachen
Unterer RückenZiehen, Druck, Stechen, ErmüdungZu gestreckte Sitzposition, fehlende Rumpfstabilität, starres Becken
Oberer Rücken und SchulternVerspannung, Brennen, MüdigkeitZu viel Gewicht auf den Händen, hochgezogene Schultern, falsche Lenkerhöhe
NackenSteifigkeit, Spannungskopfschmerz, eingeschränkte BeweglichkeitÜberstreckter Kopf, angespannte Schultern, zu lange oder tiefe Sitzposition
Arme und EllenbogenErmüdung, Ziehen, Schmerzen an der AußenseiteDurchgedrückte Ellenbogen, zu viel Stützlast, verkrampfter Griff
Handgelenke und HändeDruckschmerz, Kribbeln, taube FingerZu viel Last auf den Händen, ergonomisch ungünstiger Lenker, zu dünnes Lenkerband
Gesäß und SitzknochenDruckschmerz, Wundgefühl, TaubheitUnpassender Sattel, falsche Sattelhöhe, lange Sitzphasen
KnieSchmerzen an Vorderseite, Innenseite oder AußenseiteFalsche Sattelhöhe, ungeeignete Übersetzung, zu hohe Belastung, falsche Cleat-Position

Rückenschmerzen

Typische Symptome

  • Dumpfes Ziehen im unteren Rücken
  • Stechender Schmerz beim Aufrichten
  • Ermüdung nach langen Anstiegen
  • Spannung zwischen den Schulterblättern
  • Schmerzen, die nach dem Absteigen langsam nachlassen
  • Beschwerden, die besonders nach langen Fahrten oder auf unebenen Gravelstrecken auftreten

Bei Rückenschmerzen muss zwischen muskulärer Ermüdung und ernsthafteren Beschwerden unterschieden werden. Regelmäßige Bewegung, Dehnung und Mobilisation gelten als wichtige Maßnahmen zur Vorbeugung unspezifischer Rückenschmerzen. Bei starken oder ungewöhnlichen Symptomen sollte die Ursache jedoch medizinisch abgeklärt werden.

Häufige Ursachen

Zu gestreckte Sitzposition

Ein zu langer Reach, ein langer Vorbau oder ein zu weit nach hinten geschobener Sattel können den Oberkörper zu sehr strecken. Die Folge: Der Rücken muss statisch halten, während Arme und Schultern zusätzlich Stützarbeit übernehmen.

Fehlende Rumpfstabilität

Beim Rennradfahren und Gravelbiken sollte der Oberkörper nicht passiv über dem Fahrrad hängen. Die Rumpfmuskulatur stabilisiert das Becken und überträgt die Kraft zwischen Beinen und Oberkörper. Ist sie zu schwach oder ermüdet sie schnell, übernimmt häufig der untere Rücken.

Starres Becken

Viele Fahrer kippen das Becken nach hinten und sitzen mit rundem Rücken auf dem Fahrrad. Dadurch kann die Lendenwirbelsäule stark belastet werden. Eine neutrale, leicht nach vorn gekippte Beckenposition ermöglicht eine aktivere Haltung.

Zu lange, gleichförmige Belastung

Auch ein gut eingestelltes Fahrrad kann Beschwerden verursachen, wenn die Belastung zu schnell gesteigert wird. Besonders lange Ausfahrten, viele Höhenmeter oder mehrstündige Gravelrunden können den Rücken überlasten, wenn die Muskulatur die Dauerbelastung noch nicht gewohnt ist.

Was hilft?

  • Reach und Vorbaulänge überprüfen
  • Sattelposition gemäß Schrittlänge einstellen, Lenkerhöhe anpassen
  • Auf langen Anstiegen regelmäßig die Sitzposition verändern; gelegentlich in den Wiegetritt
  • Das Becken aktiv stabilisieren, statt im unteren Rücken durchzuhängen
  • Eine passende Übersetzung für eine gleichmäßige Trittfrequenz wählen
  • Rumpf und Gesäß zwei Mal pro Woche mit gezielten Übungen kräftigen
  • Auf Gravelstrecken die Reifen nicht unnötig hart aufpumpen
  • Bei langen Fahrten regelmäßig die Handposition am Lenker wechseln

Schulter- und Nackenschmerzen

Typische Symptome

  • Brennen zwischen den Schulterblättern
  • Hochgezogene oder verhärtete Schultern
  • Spannungskopfschmerz
  • Steifer Nacken nach langen Fahrten
  • Schmerzen beim Blick über die Schulter
  • Taubheitsgefühl oder Kribbeln im Arm

Häufige Ursachen

Die Schultern stehen dauerhaft unter Spannung

Viele Fahrer ziehen die Schultern unbewusst hoch und greifen den Lenker zu fest. Diese Kombination verhindert, dass Arme und Oberkörper locker auf Bewegungen des Fahrrads reagieren. Auf unebenen Gravelstrecken verstärkt sich dieser Effekt häufig. Wer jede Unebenheit mit angespannten Armen abfangen möchte, ermüdet schneller.

Der Kopf wird zu stark angehoben

Wer im Straßenverkehr, auf Abfahrten oder auf Schotterwegen weit nach vorne schauen möchte, streckt häufig die Halswirbelsäule. Bei einer sehr tiefen Front oder einer zu gestreckten Sitzposition kann diese Haltung über längere Zeit problematisch werden.

Zu viel Gewicht auf dem Lenker

Wenn das Körpergewicht zu weit nach vorne verlagert ist, müssen Schultergürtel und Arme dauerhaft stabilisieren. Das passiert häufig bei einem zu langen Reach, einem langen Vorbau oder einem zu tiefen Cockpit.

Was hilft?

  • Lenkerhöhe mit Spacern optimieren, Vorbaulänge anpassen
  • Schultern bewusst tief und locker halten
  • Den Blick durch eine aktive Oberkörperposition nach vorne richten, ohne den Nacken zu überstrecken
  • Auf langen Fahrten regelmäßig die Hände und Schultern lockern
  • Zwischen Oberlenker, Hoods und Unterlenker wechseln
  • Beim Gravelbike Lenkerband mit ausreichender Dämpfung verwenden

Schmerzen in Armen und Ellenbogen

Typische Symptome

  • Müde oder brennende Unterarme
  • Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens
  • Verhärtete Unterarme nach langen Abfahrten
  • Das Gefühl, sich am Lenker festhalten zu müssen
  • Ermüdung nach längeren Abschnitten auf grobem Schotter

Häufige Ursachen

Durchgedrückte Ellenbogen

Auf dem Rennrad und Gravelbike sollten die Ellenbogen leicht gebeugt sein. Durchgedrückte Arme bilden eine starre Verbindung zwischen Oberkörper und Lenker. Bewegungen und Erschütterungen werden dann weniger über die Arme abgefangen.

Zu fester Griff

Ein fester Griff vermittelt zwar kurzfristig Sicherheit, ermüdet aber Unterarme und Hände. Besonders auf schnellen Abfahrten und unebenen Gravelstrecken sollte der Lenker kontrolliert, aber nicht verkrampft gehalten werden.

Falsche Handposition

Wer sehr lange in derselben Position fährt, belastet einzelne Muskeln und Gelenke einseitig. Oberlenker, Hoods und Unterlenker bieten unterschiedliche Möglichkeiten, Hände und Arme zu entlasten.

Fahrtechnischer Grundsatz

  • Ellenbogen leicht beugen
  • Schultern tief halten
  • Hände nicht verkrampfen
  • Den Lenker sicher, aber locker führen
  • Unebenheiten mit Armen und Beinen aufnehmen
  • Den Blick einige Meter voraus richten
  • Geschwindigkeit an Sicht, Untergrund und Fahrkönnen anpassen
  • Die Handposition regelmäßig verändern

Die Arme sollten dabei nicht vollständig entspannen. Sie arbeiten aktiv, aber federnd. Der Unterschied besteht darin, ob sie Bewegungen zulassen oder das gesamte Körpergewicht starr am Lenker abstützen.

Handgelenksschmerzen und taube Hände

Typische Symptome

  • Druckschmerz an der Handfläche
  • Taube Finger
  • Kribbeln während oder nach der Fahrt
  • Schmerzen in den Handgelenken
  • Überlastung an der Daumen- oder Kleinfingerseite

Häufige Ursachen

Falsche Position der Hoods

Zeigen die Hoods zu stark nach unten oder oben, entsteht eine ergonomisch ungünstige Handhaltung.

Zu viel Druck auf den Händen

Ein zu langer Reach, ein langer Vorbau oder ein zu tiefer Lenker verlagern Gewicht nach vorne. Bei durchgestreckten Armen lastet dann viel Druck dauerhaft auf den Händen.

Unpassende Lenkerbreite und Lenkerform

Ein sehr breiter Gravel- oder Rennradlenker kann für manche Fahrer zu einer unnatürlichen Arm- und Handgelenksposition führen. Die passende Breite und Form hängen unter anderem von Schulterbreite, Körpergröße, Armlänge, Fahrstil und Fahrradtyp ab. Bei Schmerzen an den Handgelenken überprüfen,ob die Lenker-Geometrie zur Körper-Geometrie passt.

Harte Kontaktpunkte

Ein zu hartes Lenkerband, ungeeignete Handschuhe oder ein zu hoher Reifendruck können die Hände zusätzlich belasten. Auf Gravelstrecken werden Erschütterungen über den Lenker direkt an Hände und Unterarme weitergegeben.

Was hilft?

  • Position der Hood bzw. Neigung des Lenkers überprüfen
  • Die Handposition regelmäßig wechseln
  • Griffdruck auf Geraden bewusst reduzieren
  • Hände auf langen Fahrten regelmäßig ausschütteln
  • Cockpithöhe und Reach überprüfen
  • Lenkerband und Handschuhe mit ausreichender Dämpfung wählen
  • Auf Gravelstrecken den Reifendruck an Untergrund, Reifenbreite und Körpergewicht anpassen
  • Bei anhaltendem Kribbeln oder Taubheitsgefühlen pausieren und medizinisch abklären lassen

Gesäß- und Sitzknochenschmerzen

Typische Symptome

  • Druckschmerz an den Sitzknochen
  • Taubheit im Sitzbereich
  • ​Scheuerstellen oder Hautreizungen
  • Beschwerden nach langen, gleichmäßigen Fahrten
  • Schmerzen beim Wiederaufsteigen

Häufige Ursachen

Der Sattel passt nicht

Ein Sattel sollte die Sitzknochen unterstützen, ohne Weichteile unnötig zu belasten. Zu weich ist nicht automatisch komfortabler. Ein sehr weicher Sattel kann dazu führen, dass das Becken einsinkt und die Kontaktfläche instabil wird. Entscheidend sind unter anderem Sattelbreite, Form, Polsterung und die individuelle Anatomie. Ein Sattel, der auf dem Rennrad funktioniert, muss auf einem Gravelbike nicht automatisch genauso gut passen.

Falsche Sattelhöhe

Ein zu hoher Sattel kann das Becken bei jedem Tritt seitlich kippen lassen. Ein zu niedriger Sattel erhöht dagegen häufig den Druck auf Gesäß und Knie und verschlechtert die Kraftübertragung.

Falsche Sattelneigung

Ein zu stark nach unten geneigter Sattel kann den Körper nach vorne rutschen lassen. Dadurch steigt der Druck auf Hände und Arme. Ein zu stark nach oben geneigter Sattel kann den Druck im vorderen Sitzbereich erhöhen.

Was hilft?

  • Sitzknochen vermessen und einen passenden Sattel auswählen
  • Sattelhöhe mit Blick auf Beinbewegung und Beckenstabilität optimieren
  • Sattelneigung nur in kleinen Schritten verändern
  • Nicht automatisch einen weicheren Sattel wählen
  • Fahrradhosen mit unterschiedlichen Sitzpolstern ausprobieren
  • Die Sitzposition auf langen Fahrten regelmäßig verändern
  • Auf langen Anstiegen gelegentlich aus dem Sattel gehen
  • Bei Taubheitsgefühlen nicht einfach weiterfahren

Knieschmerzen beim Rennradfahren und Gravelbiken

Typische Symptome

  • Schmerzen an der Vorderseite des Knies
  • Beschwerden an der Innen- oder Außenseite
  • Ziehen hinter der Kniescheibe
  • Schmerzen beim Antritt oder an langen Anstiegen
  • Beschwerden, die nach der Fahrt anhalten

Häufige Ursachen

Falsche Sattelhöhe

Ein zu niedriger Sattel kann die Beugung im Knie vergrößern und die Vorderseite des Knies stärker belasten. Ein zu hoher Sattel kann zu einer Überstreckung führen und Beschwerden in der Kniebeuge begünstigen.

Zu schwere Übersetzung

Wer häufig mit zu schweren Gängen fährt, belastet die Knie besonders bei Anstiegen und kräftigen Antritten. Eine leichtere Übersetzung und eine gleichmäßigere Trittfrequenz können die Belastung reduzieren.

Falsche Cleat-Position

Beim Fahren mit Klickpedalen kann eine ungünstige Position der Cleats die Beinachse und Fußstellung beeinflussen.

Zu schnelle Belastungssteigerung

Mehr Kilometer, mehr Höhenmeter und intensivere Intervalle sollten schrittweise in den Trainingsplan aufgenommen werden. Besonders nach längeren Pausen reagiert das Knie empfindlich auf eine plötzliche Steigerung.

Was hilft?

  • Sattelhöhe und Sattelrückversatz überprüfen
  • Mit einer leichteren Übersetzung fahren
  • Trittfrequenz nicht dauerhaft zu niedrig wählen
  • Cleat-Position und Fußstellung kontrollieren
  • Trainingsumfang langsam steigern
  • Bei wiederkehrenden Knieschmerzen ein Bike-Fitting und eine medizinische Untersuchung in Betracht ziehen

Die richtige Körperhaltung auf dem Rennrad und Gravelbike

Eine gute Sitzposition ist keine starre Haltung. Sie verändert sich je nach Untergrund, Geschwindigkeit, Steigung und Fahrdistanz. Aktivität auf dem Fahrrad hilft nicht nur dabei, Schmerzen zu vermeiden. Sie verbessert auch Kontrolle, Komfort und Effizienz.

In der Ebene

  • Becken neutral halten
  • Rücken lang machen
  • Ellenbogen leicht beugen
  • Schultern tief halten
  • Hände locker am Lenker
  • Handposition regelmäßig wechseln
  • Blick mehrere Meter voraus richten
  • Gleichmäßig treten

Im Uphill

  • Oberkörper leicht nach vorne bringen
  • Becken stabil halten
  • Nicht mit rundem Rücken auf den Lenker hängen
  • Trittfrequenz möglichst gleichmäßig halten
  • Bei Bedarf kurz aus dem Sattel gehen
  • Schultern und Hände regelmäßig lockern

In der Abfahrt

  • Oberkörper nicht unnötig versteifen
  • Arme und Beine als aktive Federung nutzen
  • Ellenbogen und Knie leicht beugen
  • Hände sicher, aber locker am Lenker halten

Die Abstimmung von Reifen, Reifendruck, Lenkerband und Sattel sollte zum jeweiligen Einsatzbereich passen. Auf Schotterstrecken kann ein zu hoher Reifendruck die Hände und den Rücken unnötig belasten. Ein zu niedriger Druck kann dagegen die Fahrstabilität beeinträchtigen und erhöht die Pannena.

Sechs Übungen für weniger Beschwerden

Die folgenden Übungen benötigen kein Fitnessstudio. Sie sollen die wichtigsten Bereiche kräftigen und beweglicher machen, die beim Rennradfahren und Gravelbiken stabilisieren und Belastungen aufnehmen.

1. Dead Bug für die Rumpfstabilität

Mit der Dead-Bug-Übung wird die Rumpfmuskulatur trainiert. Da Du die Übung auf dem Boden ausführst, brauchst Du kein spezielles Equipment, außer idealerweise einer Fitnessmatte.

Ausführung:

  1. Auf den Rücken legen.
  2. Hüfte und Knie im 90-Grad-Winkel halten.
  3. Arme senkrecht nach oben strecken.
  4. Einen Arm und das gegenüberliegende Bein langsam absenken.
  5. Zur Ausgangsposition zurückkehren und die Seite wechseln.

Umfang: 2 bis 3 Sätze mit 6 bis 10 Wiederholungen pro Seite.

Wichtig: Der untere Rücken bleibt möglichst ruhig am Boden. Nicht ins Hohlkreuz ausweichen.

2. Seitstütz für die seitliche Rumpfmuskulatur

Der Seitstütz, auch Side Plank genannt, ist eine Eigengewichtsübung zur Kräftigung der schrägen Bauchmuskeln sowie der tiefen Rumpf- und Beckenstabilisatoren.

Ausführung:

  1. Seitlich auf den Unterarm stützen.
  2. Beine strecken oder zunächst die Knie ablegen.
  3. Becken anheben.
  4. Schulter, Becken und Knie beziehungsweise Füße bilden eine Linie.
  5. Position kontrolliert halten.

Umfang: 2 bis 3 Durchgänge mit 20 bis 40 Sekunden pro Seite.

3. Glute Bridge für Gesäß und hintere Kette

Diese Bodenübung zählt zu den effektiven Methoden, den großen Gesäßmuskel zu aktivieren.

Ausführung:

  1. Auf den Rücken legen.
  2. Füße hüftbreit aufstellen.
  3. Becken langsam nach oben heben.
  4. Oben das Gesäß anspannen.
  5. Wirbel für Wirbel absenken.

Umfang: 2 bis 3 Sätze mit 10 bis 15 Wiederholungen.

Nicht aus dem Rücken heben. Die Bewegung sollte hauptsächlich aus Hüfte und Gesäß kommen.

4. Schulterblatt-Liegestütz

Der Schulterblatt-Liegestütz trainiert die aktive Kontrolle des Schultergürtels und stärkt die Muskulatur rund um die Schulterblätter. Das unterstützt eine lockere und stabile Haltung am Rennrad- oder Gravel-Lenker.

Ausführung:

  1. In den Vierfüßlerstand oder in eine hohe Liegestützposition gehen.
  2. Arme fast vollständig gestreckt lassen.
  3. Schulterblätter kontrolliert zusammen- und auseinanderziehen.
  4. Der Oberkörper bleibt stabil.

Umfang: 2 Sätze mit 8 bis 12 Wiederholungen.

5. Brustwirbelsäulenrotation

Die Übung mobilisiert den oberen Rücken. Der untere Rücken sollte dabei möglichst stabil bleiben.

Ausführung:

  1. In den Vierfüßlerstand gehen.
  2. Eine Hand hinter den Kopf legen.
  3. Ellenbogen zum gegenüberliegenden Knie führen.
  4. Anschließend den Oberkörper zur Seite aufdrehen.
  5. Blick der Bewegung folgen lassen.

Umfang: 8 bis 10 Wiederholungen pro Seite.

6. Handgelenk- und Unterarmmobilisation

Ausführung:

  1. Einen Arm nach vorne strecken.
  2. Handfläche nach oben drehen.
  3. Mit der anderen Hand die Finger sanft nach unten ziehen.
  4. Anschließend die Handfläche nach unten drehen und die Finger vorsichtig nach hinten führen.
  5. Nicht ruckartig dehnen.

Umfang: 20 bis 30 Sekunden pro Position und Seite.

Ein einfacher Trainingsplan für Rennradfahrer und Gravelbiker

Für die meisten Hobbyfahrer genügt zunächst folgende Struktur:

Zwei Krafttermine pro Woche

  • Dead Bug
  • Seitstütz
  • Glute Bridge
  • Schulterblatt-Liegestütz
  • Kniebeuge oder Ausfallschritt

Je Übung zwei bis drei Sätze. Die letzten Wiederholungen dürfen anstrengend sein, sollten aber technisch sauber bleiben.

Vor jeder Fahrt: zehn Minuten investieren

  • 10 Schulterkreise pro Richtung
  • 10 kontrollierte Rumpfrotationen
  • 10 Glute Bridges
  • 20 Sekunden Seitstütz pro Seite
  • 5 tiefe Atemzüge mit bewusst entspannten Schultern
  • Kurzer Check von Bremsgriffen, Sattel, Lenker und Reifendruck

Während der Fahrt

  • Alle 30 Minuten oder bei Bedarf die Hände lockern
  • Die Handposition regelmäßig wechseln
  • Auf langen Anstiegen gelegentlich aus dem Sattel gehen
  • Schultern aktiv absenken
  • Lenker und Bremsgriffe nicht verkrampft halten
  • Trittfrequenz möglichst gleichmäßig halten
  • Bei beginnenden Schmerzen nicht einfach die Belastung erhöhen
  • Auf Gravelstrecken Geschwindigkeit und Reifendruck an den Untergrund anpassen

Wann Du den Arzt aufsuchen solltest

Nicht jede Beschwerde ist ein Zeichen für eine ernsthafte Verletzung. Bestimmte Symptome solltest Du aber nicht ignorieren:

  • Schmerzen nach einem Sturz
  • Taubheitsgefühle oder Kribbeln, die anhalten
  • Kraftverlust in Arm oder Bein
  • Schmerzen, die in Arm oder Bein ausstrahlen
  • Nächtliche oder stetig zunehmende Schmerzen
  • Deutliche Bewegungseinschränkung
  • Schwellung oder Instabilität eines Gelenks

Am Ende gilt

Schmerzen beim Rennradfahren und Gravelbiken entstehen häufig nicht durch einen einzigen Fehler. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Fahrrad, Sitzposition und Belastungssteuerung.

Die wichtigsten ersten Schritte sind:

  1. Cockpit, Sattel und gegebenenfalls Cleats überprüfen.
  2. Hände, Schultern und Ellenbogen während der Fahrt locker einsetzen.
  3. Den Blick aktiv führen, statt den Nacken zu überstrecken.
  4. Rumpf und Gesäß regelmäßig kräftigen.
  5. Handposition und Sitzposition auf langen Fahrten regelmäßig verändern.
  6. Übersetzung, Trittfrequenz und Reifendruck passend zum Gelände wählen.
  7. Belastung und Fahrtdauer langsam steigern.
  8. Taubheit, Kribbeln und ausstrahlende Schmerzen ernst nehmen.

Wer nicht nur am Körper, sondern auch am Fahrrad, an der Sitzposition und an der Belastungssteuerung ansetzt, kann viele typische Beschwerden reduzieren und gleichzeitig mehr Komfort, Kontrolle und Ausdauer auf Straße und Schotter gewinnen.

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Josh Welz

Josh Welz

Chefredakteur

Josh Welz ist studierter Sportjournalist und prägt als Chefredakteur die publizistische Ausrichtung der BIKE. 2016 griff Welz den E-Trend auf und entwickelte den Titel EMTB. Entsprechend bewegt er sich gerne zwischen den Welten. Da seine Begeisterung für knackige Trails aber größer ist als sein Trainingsfleiß, schlägt das Pendel häufig in Richtung „E“ aus.

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