In diesem Artikel verwenden wir sogenannte Affiliate Links. Bei jedem Einkauf über diese Links erhalten wir eine Provision vom Händler. Alle vermittlungsrelevanten Links sind mit gekennzeichnet. Mehr erfahren.
"Das will niemand wissen", heißt es oft, während in Actionfilmen das Blut literweise spritzt. Aber wenn Frauen bluten, ist es plötzlich ekelig. Dabei betrifft die Periode einen erheblichen Teil aller Radfahrerinnen an einem erheblichen Teil ihres Lebens – Grund genug, das Thema genauso selbstverständlich zu behandeln wie Sattelhöhe oder Luftdruck.
Wichtig zu wissen: Bleibt die Periode über längere Zeit aus, ist das kein Zeichen für "besonders gute Form", sondern im Ausdauersport häufig ein Warnsignal für REDs (Relative Energy Deficiency in Sport) – eine Folge von zu wenig Energiezufuhr im Verhältnis zum Trainingspensum. Wie ernst die Konsequenzen sein können, zeigt der Fall von Radprofi Clara Koppenburg, die öffentlich über ihren Weg aus einer Essstörung gesprochen hat.
Du wirst es erahnen. Es gibt nicht die "eine perfekte Lösung" fürs Radfahren während der Periode – zu unterschiedlich sind Körper, Blutungsstärke und vor allem persönliche Vorlieben. Menstruationstasse und -scheibe punkten mit wenig zusätzlichem Gepäck und wenig Müll, Menstruationsunterwäsche und -radhose ebenfalls mit wenig Abfall und einem natürlichen Gefühl, während Tampons vor allem für kurze Ausfahrten oder als Backup taugen. Binden nutzen die wenigsten auf dem Fahrrad. Am Ende hilft nur: ausprobieren, was zum eigenen Körper und zur eigenen Tour passt – und offener darüber sprechen, damit das Thema in der Radszene nicht länger ein Tabu bleibt.
Was während der Periode austritt, ist streng genommen kein reines Blut, sondern eine Mischung aus Blut, abgestoßener Gebärmutterschleimhaut, Zervixschleim und Vaginalsekret. Blut macht dabei oft nur etwa die Hälfte des Volumens aus. Deshalb ist der Begriff "Menstruationsflüssigkeit" eigentlich der treffendere – auch wenn sich "Periodenblut" im Sprachgebrauch hartnäckig hält.
Kurz gesagt: Es gibt keinen medizinischen Grund, es während der Periode nicht zu tun. Im Gegenteil – moderate Bewegung kann Krämpfe lindern, weil sie die Durchblutung fördert und der Körper Endorphine ausschüttet. Das gilt aber nicht für alle gleichermaßen: Menschen mit Endometriose etwa können während der Periode teilweise kaum aufstehen vor Schmerzen – hier verbietet sich jede pauschale Empfehlung, und es gilt umso mehr, auf den eigenen Körper zu hören und im Zweifel ärztlichen Rat einzuholen.
Am Ende gilt: Die Entscheidung, ob und wie viel man während der Periode fährt, ist individuell zu treffen – abhängig davon, ob und wie stark Beschwerden dich einschränken.
Was bei Krämpfen unterwegs helfen kann: Wärme (z. B. eine warme Trinkflasche am Bauch in der Pause), leichtes Dehnen, und im Zweifel Rücksprache mit Ärztin oder Apotheke zu geeigneten Schmerzmitteln.
Im Winter stecke ich schonmal den Albion Burner vor den Unterbauch in die Radhose, um den Bereich angenehm warm zu halten – Sandra Schuberth, TOUR-Redakteurin
In einer kurzen Umfrage auf Instagram liefern sich Tampons ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Menstruationstassen oder -scheiben.
Binden sind oft der erste Kontakt mit Periodenprodukten – ich zum Beispiel habe sie am ersten Periodentag meiner ersten Periode verwendet, und dann nie wieder. Fürs Radfahren sind sie aber eher ungeeignet: Sie können drücken, verrutschen und das Sitzen auf dem Sattel unangenehm machen.
Tampons werden eingeführt und sitzen in der Scheide. Nachteile beim Radfahren: Das Bändchen kann als störend empfunden werden, und man muss Wechseltampons dabei haben. Ist unterwegs weder Toilette noch Mülleimer vorhanden, muss der gebrauchte Tampon mitgenommen werden – dafür lohnt sich eine kleine Mülltüte im Gepäck ebenso wie Desinfektionstücher, um das Ganze mit sauberen Fingern zu erledigen.
Eine Followerin antwortet auf die Instagram-Frage, warum sie beim Radfahren Tampons nutzt: “Pragmatismus. Meistens trage ich einen Periodenslip, nur beim Radfahren nutze ich Tampons”.
Die Menstruationstasse wird gefaltet und dann eingeführt, ähnlich wie ein Tampon. Sie umschließt anschließend den Gebärmutterhals und fängt die Flüssigkeit auf – und zwar deutlich mehr als ein Tampon. Je nach Blutungsstärke muss sie zwei- oder mehrmals täglich geleert werden; bei mir persönlich reicht einmal morgens und einmal abends.
Die passende Größe und Form zu finden, ist sehr individuell – ähnlich wie beim Sattel-Fitting kann das etwas Ausprobieren brauchen, bis die richtige gefunden ist. Ich bin nach einigen Anläufen bei der Ruby Cup gelandet und habe den "Stiel" abgeschnitten, da er mich gestört hat. Ganz unmerkbar bleibt sie trotzdem nicht immer – manchmal spüre ich sie, was unangenehm sein kann.
Der große Vorteil: wenig Gepäck nötig, dadurch auch auf sehr langen Reisen einfach mitzunehmen, und weniger Müll als bei Einwegprodukten. Im Zweifel kann man die Flüssigkeit unterwegs auskippen, die Tasse auswischen und wieder einsetzen. Normalerweise wasche ich sie unter fließendem Wasser aus; nach der Periode bzw. vor der nächsten wird sie ausgekocht (ein Ultraschallbad funktioniert auch). Ist unterwegs kein Wasser verfügbar, helfen spezielle Reinigungstücher oder Desinfektionsspray für Menstruationstassen als Alternative. Bei guter Pflege hält eine Tasse über Jahre – bei mir mittlerweile seit 2017 dieselbe.
So wie mir geht es auch anderen: “Mit der Tasse habe ich für mich den meisten Komfort und es hält am längsten”.
Ähnlich wie die Tasse, aber doch anders: Die Scheibe sitzt nicht wie die Tasse im Vaginalkanal, sondern etwas höher im sogenannten Vaginalfornix, direkt unterhalb des Gebärmutterhalses. Dadurch entsteht – anders als bei der Tasse – kein Unterdruck bzw. Vakuum, was das Einführen und Entfernen für manche angenehmer macht. Sie fasst zudem meist mehr Flüssigkeit als eine Tasse, kann entsprechend länger getragen werden und lässt sich mit etwas Druck oder mithilfe der Finger sogar leeren, ohne sie herauszunehmen. Mit meiner Scheibe bin ich noch nicht warm geworden, manchmal habe ich das Gefühl, dass etwas ausläuft. Laut Erfahrungsberichten soll dafür oft eine falsche Größe oder ein falscher Sitz ursächlich sein – aber auch Beckenbodenaktivität bei Anstrengung, etwa beim Treten in die Pedale, kann die Scheibe minimal verschieben.
Auf die Instagram-Frage, wieso die Scheibe, antwortete eine Followerin: “Ich liebe die Scheibe. Ich merke sie nicht. Sie hält viel Volumen und ist einfach ohne Hände entleerbar.”
Periodenslips sind ebenfalls ein nachhaltiger Ansatz, da sie wiederverwendbar sind. Beim Radfahren verhält es sich allerdings ähnlich wie mit einer Binde: Die Unterhose kann drücken, zusätzliche Scheuerstellen verursachen und das Risiko für Saddle Sores erhöhen.
Ich versuche seit Monaten, mich für den Alltag an Menstruationsunterwäsche zu gewöhnen, weil mir das Einführen bzw. Leeren der Tasse manchmal unangenehm ist. Die Unterwäsche nimmt Flüssigkeit zwar sehr gut auf, trotzdem bleibt ein Nässegefühl – schlicht, weil ich es gewohnt bin, dass alles vorher aufgefangen wird. Meine Lieblingsunterhose hat inzwischen leider schon Löcher im Bereich des aufsaugenden Materials – sie hält also deutlich kürzer als eine Menstruationstasse, ist teurer in der Anschaffung, und man braucht mehrere für mehrere Tage. Für mich funktioniert es nicht, für andere aber schon.
Funktioniert im Prinzip wie die Menstruationsunterwäsche, geht aber das Problem der zusätzlichen Scheuerstelle an: Das Polster besteht aus absorbierendem Material und übernimmt gleichzeitig die Funktion eines normalen Radhosenpolsters.
Ryzon hat bereits vor einigen Jahren ein Pad herausgebracht, das sich in praktisch jede Leggings einlegen lässt und diese so zu einer gepolsterten Radhose macht – das Pad kann zugleich als Menstruationspad genutzt werden. Kürzlich hat auch Van Rysel mit den Menstrual Bib Shorts nachgezogen, deren Name allerdings etwas irreführend ist, da die Hose gar keine Träger (Bibs) hat. Im Test nahm das Pad Flüssigkeit zuverlässig auf, die Passform war für mich persönlich allerdings nicht ideal – hier besteht noch Verbesserungspotenzial. Ich brauche ein bis zwei Größen größer als üblich, da die Hose am Bauch sehr eng geschnitten ist.
Wie bei der Menstruationsunterwäsche braucht man für mehrere Tage auch mehrere Hosen – oder nimmt auf Bikepacking-Touren zusätzlich eine Menstruationsunterhose für die Nacht mit, während die Radhose über Nacht trocknet.
Menstruationsflüssigkeit läuft in der Regel nicht kontinuierlich den ganzen Tag, sondern schubweise, bei einigen kündigt sich das durch ein Ziehen im Unterleib an. Manche Frauen können den Fluss über die Beckenbodenmuskulatur bis zu einem gewissen Grad steuern – durch Anspannen wird die Menstruationsflüssigkeit zurückgehalten, auf der Toilette dann bewusst losgelassen. Das ist allerdings weniger eine Fähigkeit, die man einfach hat, sondern eher eine, die sich mit etwas Übung antrainieren lässt, und auch dann lässt sich der Fluss nicht beliebig lange zurückhalten. Kommt doch mal etwas durch, ist das dank gepolsterter Radhose kein Beinbruch – vor Flecken muss man sich also nicht fürchten. Und wenn doch mal was sichtbar ist, dann hast du ein paar Sportlerinnen zum Vorbild, die selbstbewusst damit umgehen:
Für längere Touren ohne garantierten Zugang zu Toilette oder Wasser lohnt sich ein kleines, eigenes Kit im Gepäck:
Wichtig unterwegs: Auch in der Natur gehört Verpackungsmüll und gebrauchte Periodenprodukte nicht vergraben, sondern immer mit zurück in die Zivilisation genommen (Leave No Trace).
Wir haben unsere Erfahrungen geteilt – jetzt sind eure gefragt: Was funktioniert bei euch, was überhaupt nicht? Lasst es uns in den Kommentaren wissen, damit das Thema endlich die offene Bühne bekommt, die es verdient.

Redakteurin
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.