Wintertraining extrem60.000 Höhenmeter als Start in die Rennradsaison

Kristian Bauer

 · 04.04.2024

Wintertraining in Tirol auf dem Rennrad
Foto: Bothe

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Willie ist auf Strava eine kleine Berühmtheit. Das liegt an unterhaltsamen Posts und beeindruckenden Ausfahrten. 100.000 Höhenmeter hat der Schlosser in den ersten drei Monaten beim Wintertraining mit dem Rennrad gesammelt.

Dass ein Hobbysportler auf Strava über 2100 Abonnenten hat, ist erstaunlich – aber der Strava-Account “Willie Donovan” ist mit extremen Touren, schönen Fotos und unterhaltsamen Texten mehr als nur ein Trainingstagebuch. Ein Eintrag vom 16. Februar zählt bereits alle Elemente auf, die sein Profil besonders machen: Willie Donovan Bothe (30) hat an diesem Tag die Rennradfahrt “Tyrolean Dead Ends #6 Ötztal Sledgehammer” gepostet. Bei 5202 Höhenmetern verteilt auf 215 Kilometer ist der übersetzte Titel Vorschlaghammer keine Übertreibung.

Besonders ist die Fahrt auch, weil er gezielt drei Sackgassen in die Runde eingebaut hat. Und schließlich bietet er neben den reinen Informationen auch einen sehr unterhaltsamen Text: Wenn man liest, wie er mangels Brunnen “ausn Bach gsoffn” hat und danach “wie a bleder runtergeballert” ist, kann man sich die Fahrt lebhaft vorstellen. Die imposanten Höhenmeter und Kilometer lassen erahnen, was er geleistet hat, und beeindrucken die Community: über 530 Kudos und rund 40 Kommentare gibt es auf die Hammerfahrt. Der Schlosser aus Axams liebt es bergauf zu fahren und höhenmeterreiche Strecken motivieren ihn mehr als flache: “Wenn ich den Berg hochfahre, ist das sozusagen ein Guthaben und ich kann alles wieder runterfahren.” Mit 62 Kilogramm Körpergewicht bei einer Größe von 1,72 m bringt er für Klettertouren auch beste Voraussetzungen mit.

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Hausberge statt Mallorca

Dass Willie im Februar schon Beine für eine Tour mit 5000 Höhenmetern hat, liegt sowohl am milden Winter als auch an seinem riesigen Trainingseifer. 60.000 Höhenmeter auf dem Rennrad hat er in den ersten sechs Wochen des Jahres schon gesammelt und das ohne zum Trainingscamp in den Süden zu fliegen: “Ich hatte noch Urlaub und habe mir gedacht ich hau jetzt richtig rein in Tirol. Für mich stellt sich die Frage nicht, gehe ich fahren oder gehe ich nicht, sondern was ziehe ich an und wohin fahre ich.”

In der Wintersportstadt Innsbruck ist Willie als Extrem-Winterradler ein Exot. Während halb Tirol die Ski ins Auto lädt, rollt Willie sein Rennrad vor die Tür. Ein bisschen hat das vermutlich auch mit seinen deutschen Wurzeln zu tun: er ist erst vor 20 Jahren nach Tirol gekommen und das Skitourenvirus hat ihn nie erwischt. Stattdessen genießt Willie den Winter aus der Radfahrperspektive: “Wenn ich das Kühtai hochfahre und ich sehe die verwunderten Blicke der Autofahrer oder wenn ich in der Früh um sechs beim Pendeln die verwunderten Blicke an der Bushaltestelle sehe, das ist einfach geil.”

Weil er kein Auto hat und auf dem Arbeitsweg in der kürzesten Variante über 300 Höhenmeter anfallen, sammeln sich auch durch das Rad-Pendeln schon Höhenmeter: “Sport und Radsport ist für mich einfach eine große Liebe. Und wenn ich dann meinen Arbeitsweg sozusagen mit Liebe bestreiten kann, dann finde ich es einfach gewaltig. Es ist einfach ein geiles Feeling, wenn man morgens schon 15 Kilometer auf der Uhr hat und frisch in die Arbeit kommt.” Und sicherheitsbewusst ist er dabei auch: die neongelbe Jacke in Kombination mit neongelben Überschuhen und Handschuhen sind Willies Markenzeichen.

Krasse Ausfahrten sind StandardFoto: Strava-ScreenshotKrasse Ausfahrten sind Standard

Wintertraining ohne Ski

Unter den Freunden aus Innsbruck ist er mit seinen vielen Rennradkilometern im Winter ein Exot – er macht aber eifrig Werbung für das Ganzjahresradfahren: “Die Straßen im Winter sind super befahrbar. Ich versuche den Leuten zu zeigen, dass es gar nicht so schlimm ist. Ich zieh mir halt eine Jacke an und gute Handschuhe und dann macht das auch Spaß.”

Bei dem starken Training überrascht es, dass Willie keine Rennen fährt. “Ich werde oft gefragt, ob ich den Ötztaler Radmarathon fahr. Bei mir geht es aber nicht in die Richtung irgendeine Zeit zu fahren beim Ötztaler, sondern ich möchte eher in die Richtung Ultracycling gehen.” Konkrete Pläne hat er aber noch nicht – sein Rennradleben ist geprägt von Spontanität. Oft weiß er selbst am Vorabend noch nicht, auf welche Strecke er morgen Lust hat. Neue Ideen entstehen auch im Austausch mit seinen Strava-Followern. Die schlagen ihm z.B. neue, lohnenswerte Sackgassen in Tirols Bergen vor, die er dann nachfährt. Er wiederum macht auf Strava Werbung für eine Challenge, die ein Kumpel erfunden hat: die Innsbrucker Höllinge Challenge. Das ist ein Strava-Bergzeitfahren, das neun der steilsten Innsbrucker Anstiege verbindet. Darunter auch die Höttinger Höll, die Radsportfans noch von der Rad-WM 2018 kennen.

200.000 Höhenmeter im letzten Jahr

Auch wenn Willie 2023 fast 200.000 Höhenmeter gesammelt hat, hat er keine Chance die Challenge zu gewinnen: “meine Fahrten sind meist von Grundlagenausdauer geprägt.” Beim Rennradfahren unter widrigen Bedingungen macht ihm aber nach seinem Wintertraining niemand was vor: “Ich würde den Ötzi mitfahren, wenn ich wissen würde, dass es in Kühtai schneit. Weil sich dann erst herausstellen würde, wer auch den notwendigen Kopf mitbringt.”

Weil das aber nur ein Gedankenspiel ist, freut er sich erstmal auf schöne Touren in Tirol die eines verbindet: viele Höhenmeter. In den ersten drei Monaten des Jahres hat er bereits 100.000 Höhenmeter weggedrückt. Blut geflossen ist dabei auch – nicht bei einem Sturz, sondern einer Hundeattacke auf einer Ausfahrt. Sobald die Wunde verheilt ist, werden die nächsten “Dead Ends” in Tirol erobert – die Ideen dafür gehen ihm so schnell nicht aus.

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Kristian Bauer

Kristian Bauer

Redakteur

Kristian Bauer ist gebürtiger Münchner und liebt Ausdauersport – besonders wenn es in die Berge geht. Er ist ein Fan der Tour de France und bevorzugt solide Rennradtechnik. Er führt für TOUR Interviews, berichtet von Events im Hobbyradsport und schreibt Artikel über die Fahrradbranche sowie Trends im Rennradsport.

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