Kate Veronneau im InterviewMit ganzem Herz für den Frauenradsport

Sandra Schuberth

 · 29.11.2024

Kate Veronneau im Interview: Mit ganzem Herz für den FrauenradsportFoto: Zwift
Kate Veronneau
Von Zwift Academy über Cycling E-Sports bis Tour de France Femmes avec Zwift, überall hat Kate Veronneau ihre Finger im Spiel. TOUR hat mit der Direktorin für Women’s Strategy bei Zwift gesprochen.

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Dieses Jahr fand die Tour de France Femmes avec Zwift zum dritten Mal statt. Auch 2025 und 2026 wird Zwift noch Partner der Frankreich-Rundfahrt sein, die 2025 Frankreich nicht verlassen wird. Ob auch darüber hinaus Zwift noch Partner sein wird, ist noch ungewiss. Gewiss ist aber, dass Kate Veronneau mit Herz und Seele bei der Sache ist, wenn es um den Frauenradsport geht.

TOUR: Kate, du bist Direktorin für Womens Strategy bei Zwift. Was wurde bei Zwift in den vergangenen Jahren für den Frauenradsport unternommen?

Kate Veronneau: Als ich bei Zwift anfing, haben wir die Zwift Academy gestartet. Das Programm war anfangs ausschließlich für Frauen. Im ersten Jahr, 2016, hatten wir eine Partnerschaft mit Canyon//SRAM Racing, eines der führenden Teams in der Women’s WorldTour. Mit der Zwift Academy konnten wir dadurch etwas einzigartiges kreieren. Teilnehmerinnen konnten einen Profi-Vertrag gewinnen.

Der Erfolg der Zwift Academy hat uns geholfen, eine globale Frauen-Community aufzubauen. Ich würde sagen, das hat unsere Mission inspiriert und bekräftigt. Mit unserer Plattform, unseren Einfluss in der Industrie, unserer Energie und mit unserer Community können wir einen Teil dazu beitragen, den Frauenradsport größer zu machen.

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TOUR: Es gibt immer noch Probleme im Profibereich, Stichwort Gehalt. Erzähl mal ...

Kate Veronneau: Ja, das stimmt. Wir sind froh über die Richtung, in die sich der Frauenradsport entwickelt. Und auch über die Geschwindigkeit. Dennoch muss noch viel getan werden, um Gehälter zu erhöhen, um Preisgelder zu erhöhen, um mehr Rennberichterstattung zu bekommen, ... Aber es geht in die richtige Richtung. Darauf dürfen wir uns aber nicht ausruhen. Wir alle müssen weitermachen, um Dinge wie die Cyclists’ Alliance zu unterstützen. Wir müssen weitermachen, in Development-Teams zu investieren und vieles mehr, um den riesigen Vorsprung, den der Männer-Radsport hat, einzustampfen.


Cyclists’ Alliance

Die Cyclists’ Alliance ist eine internationale Organisation, die professionelle Radrennfahrerinnen vertritt und unterstützt. In ihren Hauptaufgaben vertritt die Organisation die Rechte von Radrennfahrerinnen in der UCI Women's World Tour, verhandelt für bessere Arbeitsbedingungen und Gehälter und fördert Fairness und Gleichberechtigung im Radsport.


“Wir haben unsere eigene Welt kreiert”

TOUR: Welche Rolle spielt E-Sports Cycling und Zwift für den Frauenradsport?

Kate Veronneau: Das Coole am virtuellen Radfahren ist, dass wir buchstäblich unsere eigene Welt kreiert haben. Wir können unsere eigenen Regeln machen. Auf Zwift haben wir immer Gleichstellung angeboten. Gleiche Rennübertragung, gleiche Renndistanz, Chancengleichheit in allen Bereichen.

Wir lieben es, wie viele der Teams auf der Plattform präsent sind, sie nutzen Zwift auch, um sich mit Fans zu verbinden, mit Sponsoren und mit der Community.

Wir tun alles, um selbst große Fans vom Frauenradsport zu sein. Wir arbeiten mit Teams und Rennen zusammen. So helfen wir auch dabei, mehr Aufmerksamkeit auf die Rennen der Frauen zu richten und dadurch entsteht auch mehr Aufmerksamkeit für die einzelnen Namen und die Teams.

TOUR: Ist es für Zwift ein Einschlag, dass sich MyWhoosh die Cycling E-Sports Weltmeisterschaften für 2024 bis 2026 für sich als Austragungsplattform gesichert hat?

Kate Veronneau: Das ist bedauerlich, aber wir glauben nicht, dass das einen sehr großen Einfluss für Zwift hat. Wir haben unsere Community und wir haben alles, was wir brauchen, um im Indoor-Racing gleiche Möglichkeiten für alle zu schaffen.

Ein Selfie mit Kate Veronneau bei der Tour de France Femmes avec Zwift 2023 - auf dem Col du Tourmalet.Foto: Sandra SchuberthEin Selfie mit Kate Veronneau bei der Tour de France Femmes avec Zwift 2023 - auf dem Col du Tourmalet.

Ein Projekt aus Leidenschaft

TOUR: Auf einer persönlichen Ebene, warum ist es dir wichtig, für den Frauenradsport zu arbeiten?

Kate Veronneau: Für mich ist das ein Projekt aus Leidenschaft. Ich komme aus dem Rennsport und bin seit langem in dieser Branche tätig. Zu sehen, welchen Einfluss die Tour de France Femmes avec Zwift nicht nur auf die Fahrerinnen, sondern auch auf alle Frauen in der Branche hat, macht mich stolz. Es macht mich stolz, wenn ich sehe, dass so viele Frauen hier sind. Die Presse: Frauen. Fotografen: Frauen. Industrie: Frauen. Auch bei den Team Directors und unter den anderen Team-Mitgliedern gibt es viele Frauen. Dieses Rennen hat das Profil aller Frauen, die irgendwie mit Radsport zu tun haben, geschärft.

Das ist aufregend! Es fühlt sich an, als wären jetzt mehr Frauen begeistert davon, in der Fahrradbranche zu arbeiten. Das war in der Vergangenheit anders.

Ich glaube, die Industrie erkennt langsam, dass wir mehr Repräsentation brauchen. Die Stimmen von Frauen werden aktiv eingeladen und werden so Teil der Konversation, Teil des Teams, Teil der Marke. Das ist so wichtig. Wir sind immerhin ungefähr die Hälfte der Bevölkerung - und wahrscheinlich sind wir auch eine spannende Wachstums-Möglichkeit für Unternehmen.

TOUR: Hast du Tipps, was jede und jeder einzelne machen kann, um den Frauenradsport zu unterstützen?

Kate Veronneau: Nun, ich denke, dass Marken auf jeden Fall darauf achten müssen, dass sie eine starke weibliche Repräsentanz in ihrer Führung und in ihren Teams haben. Wenn eine Marke, ein Hersteller in ein Team investiert, ein Team sponsert, sollte sie darauf achten, wie ausgewogen das Geschlechterverhältnis bei den Athleten in den Teams ist, die sie unterstützen.

Wir alle können nach Möglichkeiten schauen, wie wir den Frauenradsport promoten können. Sei es nur, den Leuten zu sagen, schaut euch die Rennen der Frauen an. Dabei kann auch gezeigt werden, wie das Ganze funktioniert, was die größten Rennen sind etc. Ich denke, umso mehr Frauen Content wie diesen produzieren, umso mehr Frauen werden sich in diesem Content wiederfinden.

Ein Beispiel: Ich liebe GCN, aber ich glaube kaum eine meiner Freundinnen schaut sich das an. Die machen großartige Inhalte, aber wir brauchen mehr Frauenperspektiven. Ich finde toll, wie die Tour de France Femmes avec Zwift viele neue Gesichter und Stimmen, Content Creatoren, Influencer, ... in die Szene einädt.

TOUR: Kate, wo siehst du den Frauenradsport in drei Jahren?

Kate Veronneau: Ich kann es kaum erwarten, das Niveau der Professionalität zu sehen, wenn die UCI-Mindestgehälter angepasst sind und immer mehr Frauen Profi-Radsportlerinnen werden können. Sie können das ganze Jahr über trainieren, sie haben mehr Ressourcen, mehr Mittel, um sich in ihrem Training zu spezialisieren und vieles mehr. Teams können größer werden, so dass ein Team Fahrerinnen zu unterschiedlichen Rennen schicken kann.

Die Zukunft der Tour de France Femmes

TOUR: Den Zusatz avec Zwift bei der Tour de France Femmes gab es in den ersten vier Jahren der Tour de France Femmes, also bis 2025. Wie geht’s weiter?

Kate Veronneau: Bis 2026 sind wir auf jeden Fall dabei, wie es danach aussieht, muss noch verhandelt werden.

TOUR: Wie sieht die Tour de France Femmes in der Zukunft aus?

Kate Veronneau: Dieses Jahr haben wir einen Grand Depart hinzugefügt und das Ziel in Alp d’Huez. Auch im nächsten Jahr wird es wieder Neues geben, da sind es schon neun Etappen, der Grand Depart in der Bretagne.

Mein Traum für die Zukunft ist, dass das Rennen nachhaltig wächst. Ich kann mir schon vorstellen, dass das Rennen über mehrere Wochen gehen wird, mit Ruhetagen und allem drumherum. Es sollte so weitergehen, dass jedes Jahr ein wenig mehr hinzugefügt wird und vor allem geht es darum, das Publikum zu vergrößern und das Investment. Das Rennen sollte sich außerdem gut in den Rennkalender und die Saison der Teams einfügen.

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Sandra Schuberth

Sandra Schuberth

Redakteurin

Sandra Schuberth, mal Feierabendrunde, mal Trainingsride, mal unsupported Bikepacking-Challenge. Hauptsache sie und ihr Gravelbike – abseits vom Verkehr. Seven Serpents, Badlands oder Bright Midnight: Sie hat anspruchsvolle Bikepacking-Rennen gefinisht. Gravel und Bikepacking sind ihre Herzensthemen, ihr Anspruch an Equipment ist hoch. Was sie fährt, nutzt und empfiehlt, muss draußen bestehen: nicht im Marketing, sondern im echten Leben.

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