In Woudenberg sitzen bislang die Europazentrale und mehrere weltweit zuständige Unternehmensbereiche. Mit der Neuordnung wird der niederländische Standort zum globalen Hauptsitz. Die Forschungs-, Entwicklungs- und Konstruktionsarbeit findet bereits überwiegend in Freiburg statt und soll dort weiter zusammengeführt werden.
Als Hintergrund nennt Cannondale die Bedeutung Europas als größten und am stärksten wachsenden Markt der Marke. Kürzere Wege sollen die Abstimmung zwischen Produktentwicklung, Marketing, Forschung und Technik erleichtern. Bislang arbeiten die beteiligten Teams über mehrere Standorte und Zeitzonen verteilt.
Für europäische Fachhändler soll die Umstrukturierung keine Änderungen bringen. Nach Unternehmensangaben bleiben Vertriebsorganisation und Zusammenarbeit bestehen. In Nordamerika plant Cannondale dagegen einen neuen Standort an der US-Westküste und eine engere Zusammenarbeit mit anderen Marken des Mutterkonzerns Pon.Bike, darunter Santa Cruz und Cervélo.
Die Schließung in Wilton betrifft laut einem von Pinkbike ausgewerteten Schreiben an das Arbeitsministerium von Connecticut 143 Beschäftigte. Die ersten Entlassungen sind für den 21. Dezember 2026 vorgesehen. Weitere sollen schrittweise bis zum 31. Dezember 2027 folgen. Die geplante Büroschließung bis Mitte 2027 und der Personalabbau haben damit unterschiedliche Zeitpläne.
Auch den nordamerikanischen Außendienst stellt Cannondale um: Vertriebsmitarbeiter sollen künftig mehrere Pon.Bike-Marken betreuen. Händler, die mehrere Konzernmarken führen, sollen dadurch einen gemeinsamen Ansprechpartner erhalten.
Die Entscheidung über Wilton ist Teil eines umfassenderen Umbaus. Bereits im Juni 2026 hatte Pon.Bike die beabsichtigte Schließung des Cannondale-Montagewerks im niederländischen Almelo angekündigt. Der Betrieb soll Ende 2027 eingestellt werden. Nach Konzernangaben sind davon weitere 120 Arbeitsplätze betroffen.
Die Montage soll schrittweise auf bestehende Werke in Deutschland und Litauen übergehen. Pon.Bike begründet die Pläne mit einer markenübergreifenden Produktionsstrategie. Das ausschließlich auf Cannondale ausgerichtete Werk in Almelo passe nicht in dieses gemeinsame Fertigungsnetzwerk. Eine unterbrechungsfreie Belieferung und den planmäßigen Produktionsstart neuer Modelle stellte der Konzern bei der Ankündigung in Aussicht.
Noch 2021 verfolgte Cannondale einen anderen Kurs. Ein BIKE-Bericht vom 27. Oktober 2021 beschrieb den geplanten Ausbau der europäischen Produktionskapazität auf das Dreifache. Das neue Montagewerk in Almelo hatte demnach bereits im September den Betrieb aufgenommen. Zusammen mit einem weiteren neuen Werk in Rincon im US-Bundesstaat Georgia wurde eine mögliche Jahreskapazität von insgesamt 500.000 Fahrrädern genannt.
Der Vergleich zeigt die veränderte Ausrichtung: Während damals zusätzliche Kapazitäten für Cannondale entstanden, steht heute die gemeinsame Nutzung von Produktionsstandorten innerhalb des Konzerns im Vordergrund. Für die 1971 gegründete US-Marke Cannondale markiert die Verlagerung des Hauptsitzes einen weiteren Einschnitt in ihrer Unternehmensgeschichte.
Auch im Rennsport richtet sich Cannondale neu aus. Die Weltcup-Saison 2026 ist nach Unternehmensangaben die letzte unter dem Namen Cannondale Factory Racing. Für Januar 2027 kündigte die Marke stattdessen das Programm „Cannondale Rogues“ an.
Es soll Profirennfahrer, Content-Creator und weitere Persönlichkeiten aus der Radsportszene zusammenbringen. Vorgesehen sind Aktivitäten im Mountainbike- und Gravel-Bereich sowie in weiteren Disziplinen. Damit verändert Cannondale neben Unternehmensstruktur und Produktion auch seinen sportlichen Markenauftritt.

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