Livestreams von RadrennenWarum Handykarten ganz wichtig sind

Kristian Bauer

 · 05.05.2024

Livestreams von Radrennen: Warum Handykarten ganz wichtig sindFoto: EXPA/ Johann Groder
Livestream von K19 bei der Tour of Austria
Immer öfter bieten Radrennen einen Livestream. Der österreichische Anbieter K19 überträgt nicht nur Profirennen, sondern auch Hobbyradsport. In diesem Jahr sind u.a. Live-Übertragungen von der Tour of Austria und vom Ötztaler Radmarathon geplant. Wie funktioniert es technisch und was kostet es? TOUR hat bei K19-Mitgründer Martin Böckle nachgefragt.

TOUR: Wie übertragen Sie den Livestream bei Radrennen?

Böckle: Die Tour de France macht das über Satellit - wir machen die Übertragung quasi mit Handykarten. Das heißt, wir haben Geräte, das sind kleine Rucksäcke, die sich beim jeweiligen Kameramann befinden. Dieser Rucksack sendet über Handykarten zu uns in die Zentrale nach Hall. Dort wird jede einzelne Kamera, also wenn ich sage Hubschrauberkamera, Motorradkamera, zum Teil auch Startkamera, einzeln zu uns in die Sendezentrale nach Hall geschickt. Wir schicken dann das Bild von Hall raus. Also das größte Problem ist die Netzabdeckung, aber Österreich hat eine der besten Netzabdeckungen, die es in Europa gibt. Und in diesen Rucksäcken sind immer sechs Handykarten drin. Das heißt, wir nehmen verschiedene Netze und immer das stärkste Netz wird automatisch angezeigt - durch das bringen wir ein stabiles Bild her. Es ist sehr komplex und das geht nur, weil unser technischer Leiter sich seit fast 15 Jahren mit dieser Technologie befasst.

TOUR: K19 bietet auch einen Livestream von Hobbyradrennen wie den Ötztaler Radmarathon oder den Neusiedler See Radmarathon. Wieviel Aufwand steckt da dahinter?

Böckle: Beim Neusiedler See haben wir 14 Personen im Einsatz gehabt. Sechs Leute in der Sendetechnik, ein Redaktionsleiter, zwei Kommentatoren, wir hatten drei Kameramotorräder im Einsatz, drei Zielkameras davon, zwei bemannt.

TOUR: Das klingt nicht billig – was kostet das?

Böckle: In dem Stil, wie wir übertragen, beginnt es bei 15.000 Euro. So eine Veranstaltung wie der Neusiedler See Radmarathon – da musst du schon mit 15.000 bis 20.000 Euro rechnen. Aber wir haben da über die Jahre ein großes Netz an Partnern aufgebaut. Wir machen als wichtiges Produkt die Sendung Österreich dreht am Rad. Da sind ungefähr 50 Partner mit dabei und das heißt wir finanzieren Geschichten auch quer, der Veranstalter bezahlt uns und dann über das ganze Jahr zahlen uns Werbepartner ein Partnerhonorar.

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TOUR: Wie viele Sendungen gibt es bei Österreich dreht am Rad?

Böckle: Bei Österreich dreht am Rad haben wir 40 Live-Sendungen. Insgesamt sind es ca. 220 TV-Beiträge über Radfahren, die wir während eines Jahres machen. Und wir haben neben den 40 Magazinen oder kleinen Sendungen, die wir machen in etwa 60 Live-Übertragungstage. Und Neusiedler See ist dann halt ein Tag. Wir erreichen pro Jahr in etwa 1,7 Millionen Zuseher und Zuseherinnen im TV und digital. Beispielsweise beim Neusiedlersee-Radmarathon, kommen wir ungefähr auf 28.000 und 35.000 Leute, die das angesehen haben. Knapp 14.000 haben im Fernsehen geschaut, dann haben wir selber ca. 6.000 Zuschauer gehabt und YouTube waren auch nochmal 6.000. Im Durchschnitt schauen uns 30.000 pro Übertragungen an. Der Ausreißer ist der Ötztaler Radmarathon, da sind es über 300.000 in Summe und die Tour of Austria, da haben wir pro Tag zwischen 50.000 und 60.000. Beim Ötztaler Radmarathon haben wir 14 Stunden Live-Übertragung und in der Spitze sind in etwa 13.000 gleichzeitig dabei.

TOUR: Was planen Sie von der Tour of Austria rund um den Livestream?

Böckle: Im letzten Jahr hat der ORF mit Magazinen berichtet, die wir ihnen gemacht haben und ServusTV On hat das live übernommen, was wir gesendet haben. In diesem Jahr übernimmt ORF Sport+ alle Etappen von uns live und Eurosport.de bzw. Discovery+ überträgt ebenfalls live. Zusätzlich haben wir direkt nach dem Veloclub der Tour de France den Tour of Austria Club im linearen Fernsehen von Eurosport. Gelungen ist das, weil die Österreich-Werbung sich an den Produktionskosten beteiligt. Wir senden eine halbe Stunde live vor dem Start, die erste halbe Stunde und dann nach einem Break wieder die letzten beiden Stunden der Etappe.

Livestream Tour of Austria

TOUR: Mit welchem Aufwand begleiten Sie die Tour of Austria?

Böckle: Wir haben bei mehreren Etappen Hubschrauber im Einsatz, sind mit vier Kameras im Feld und haben insgesamt in etwa zwölf Kameras im Einsatz während einer Etappe. Bezahlt und finanziert wird das Ganze über Werbepartner. Die Tour of Austria ist der Hauptauftraggeber und die wiederum haben verschiedene Partner aus den Destinationen plus normale Partner. Wir haben insgesamt knapp 40 Leute pro Etappe im Einsatz. Die gesamte Technik, die gesamte Übertragung wird alles von uns gebracht. Die Regie ist bei uns, wir haben ja mittlerweile seit einem Jahr in Hall in Tirol eine Niederlassung, das ist die Medienhalle. Dort haben wir die komplette Sendetechnik. Bei allen Produktionen arbeiten wir mit unseren Partnern numotion.media und Gargamel Production zusammen. Wir sind ein eingespieltes Team.

TOUR: Setzen Sie auch Drohnen für den Livestream ein?

Böckle: Wir arbeiten auch mit Live-Drohnen, aber im Gegensatz zum Ski-Weltcup, wo sie die Drohnen schon fix einsetzen, müssen wir immer aufpassen, ob wir auf genehmigtem Gebiet fliegen oder nicht. Wenn du heute in irgendeine Stadt fährst, dann kannst du keine Racedrohne einsetzen. Deshalb kann man Drohnen momentan nur im ländlichen Bereich einsetzen, wo keine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung besteht, und man muss auf den Luftverkehr aufpassen. Solche Probleme hat man mit dem Hubschrauber nicht. Der Heli kriegt seinen Flugraum zur Verfügung, diese Stunde oder eineinhalb Stunden. Mit der Racedrohne muss man aufpassen. Wir wenden das zum Beispiel erfolgreich beim Grand Prix Vorarlberg an, weil da ist es sehr übersichtlich. Es ist ein großer Anstieg im Rennen und den decken wir fast komplett mit Drohne ab, statt Hubschrauber.

TOUR: Wie ist der Name entstanden? Wikipedia sagt K-19 war ein sowjetisches Atom-U-Boot …

Böckle: Das sowjetische Atom-U-Boot haben wir erst später gesehen. Entstanden ist der Name aber ganz einfach durch den Ortsnamen Koblach, wo wir unseren Standort haben. Den neuen Namen haben wir uns gegeben, als wir 2019 unseren neuen Fernsehkanal gestartet haben. Wir werden seitdem über Magenta, A1 und SimpliTV im Fernsehen ausgestrahlt. Wir liefern also wirklich via Fernseher und erreichen daheim auf der Couch 1,4 Millionen Haushalte.

TOUR: Das lineare Fernsehen wurde schon vorschnell beerdigt– es ist aber immer noch am Wichtigsten im Sportbereich?

Böckle: Absolut: das ist immer noch das Wichtigste. Für Werbekunden wird Fernsehen einfach nach wie vor höher eingestuft, als wenn man es über das Internet sendet.

TOUR: Hat K19 Zukunftspläne rund um das Thema Livestream?

Böckle: Deutschland ist ein toller Markt. Mit den Sauser-Brüdern machen wir unter anderem ihren Radmarathon Rothaus Riderman - den übertragen wir in Österreich und die Deutsche Straßenmeisterschaft. Das wäre schon ein Ziel: die stärkere Verbreitung im Alpenraum. In der Schweiz könnte man sich super positionieren, weil die auch ähnlich Rennen machen wie wir. Das ist jetzt noch unser nächster Step.

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Kristian Bauer

Kristian Bauer

Redakteur

Kristian Bauer ist gebürtiger Münchner und liebt Ausdauersport – besonders wenn es in die Berge geht. Er ist ein Fan der Tour de France und bevorzugt solide Rennradtechnik. Er führt für TOUR Interviews, berichtet von Events im Hobbyradsport und schreibt Artikel über die Fahrradbranche sowie Trends im Rennradsport.

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