Berlin-LeipzigAC Leipzig belebt Radklassiker als RTF

Kristian Bauer

 · 07.06.2026

Berlin-Leipzig: AC Leipzig belebt Radklassiker als RTFFoto: Martin Goetze
RTF Berlin Leipzig
Der AC Leipzig führte am 24. Mai 2026 den historischen Radklassiker Berlin-Leipzig erstmals als RTF durch. 50 Teilnehmer fuhren 188 Kilometer vom Brandenburger Tor bis ins Leipziger Stadion des Friedens. Die Motorradbegleitstaffel Mitteldeutschland sicherte das Feld, das Ziel erreichten alle Fahrer auf der Tartanbahn des größten Leichtathletikstadions in Sachsen.

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Martin Goetze, Vereinsmitglied und ehemaliger Teilnehmer des Radrennens Berlin-Leipzig, entwickelte Mitte Februar die Idee zur RTF-Neuauflage des Klassikers. Der AC Leipzig setzte das Konzept um und organisierte die Premiere für den 24. Mai 2026.

Start von Berlin-Leipzig am Brandenburger Tor

Das Brandenburger Tor bildete den Startpunkt der 188 Kilometer langen Strecke. Nach der Einschreibung und Ausgabe der Startnummern setzte sich das Feld bei Sonnenschein in Bewegung. Die Temperaturen blieben angenehm kühl am frühen Pfingstsonntagmorgen. 50 Fahrer nahmen an der Premiere teil. Die beiden jüngsten Teilnehmer aus den Jahrgängen 2008 und 2012 fuhren gemeinsam mit ihrem Vater.

Strecke Berlin-Leipzig durch drei Bundesländer

Die Route führte über die Straße des 17. Juni in westliche Richtung, vorbei an der Siegessäule. Am Kaiserdamm bog das Feld in südwestliche Richtung in den Grunewald ab. Parallel zur Avus ging es Richtung Kleinmachnow. Die Motorradbegleitstaffel Mitteldeutschland sicherte das Feld mit drei Fahrern während der gesamten Strecke. Nach 50 Kilometern erreichten die Teilnehmer über Saarmund, Tremsdorf und Zauchwitz Brandenburg. Das Profil zeigte sich wellig durch das Jung- und Endmoränengebiet des Flämings. Über Züllichendorf, Bardenitz und Klausdorf führte die Strecke zum ersten Verpflegungspunkt.

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Zwei Verpflegungsstationen

Bei Kilometer 78 in Tiefenbrunnen wartete die erste Versorgungsstation. Die Organisatoren stellten 150 Liter Wasser, 30 Liter Cola, 200 Bananen, 250 Riegel und 150 Cookies bereit. Die Kalkulation sah 3 Liter Getränke pro Person vor. Kochsalz für verlorene Mineralien ergänzte das Angebot. Bis zum ersten Verpflegungspunkt fuhr das Feld geschlossen. Ab Kilometer 78 sortierten sich die Fahrer nach ihrem Tempo. Einige fuhren zügiger, andere bildeten Gruppen für die verbleibende Strecke. In Seehausen wechselte die Route nach Sachsen-Anhalt. Über Mark Friedersdorf, Zahna und Abtsdorf erreichte das Feld die Lutherstadt Wittenberg und querte die Elbe. Der zweite Verpflegungspunkt lag bei Kilometer 132 in Kemberg. Die steigenden Temperaturen erhöhten den Bedarf an Wasser zum Trinken und Kühlen. Die Gruppen trafen zeitlich versetzt ein. Die Dübener Heide bot mit ihren Bäumen temporären Schutz vor der Hitze, das wellige Profil forderte die Fahrer auf den letzten Kilometern.

Ziel im Stadion des Friedens

Die Muldequerung in Bad Düben markierte für die Leipziger Starter das Ankommen in der Heimat. Das neue Messegelände in Leipzig kündigte das nahe Ziel an. Die letzten Kilometer führten zum Stadion des Friedens, dem größten Leichtathletikstadion Sachsens. Die SG Motor Nord Gohlis e.V. ermöglichte eine Schlussrunde auf der Tartanbahn. Alle Teilnehmer fuhren auf der Tartanbahn ins Ziel, wie es zu Friedensfahrtszeiten üblich war. Im Biergarten der SG Motor Nord Gohlis ließen Sportler und Organisatoren den Tag ausklingen.

Historischer Hintergrund

Das Radrennen Berlin-Leipzig fand erstmals 1910 statt. Fritz Schallwig aus Berlin gewann die 315 Kilometer lange Strecke nach Berlin und zurück bei Regen, Wind und Schneegestöber in 11 Stunden und 32 Minuten. Ab 1920 führten die Organisatoren das Rennen konstant von Berlin nach Leipzig für Amateure durch. Otto Papenfuß gewann als erster Berliner vor dem Leipziger Fritz Brenne.

Der Zielsprint erfolgte fast ausnahmslos in der Leipziger Lindenallee in Schönefeld vor tausenden Zuschauern. 1934 siegte der Leipziger Paul Reichel mit fast 40 Stundenkilometern. Die Deutsche Radfahrer-Zeitung bezeichnete diese Geschwindigkeit als Personenzug-Geschwindigkeit. Paul Reichel durfte wegen seiner kritischen Haltung zum Nationalsozialismus nicht an den Olympischen Spielen 1936 teilnehmen. Er fiel 1942 an der Ostfront.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gewann 1948 der Leipziger Otto Busse in der Lindenallee. Täve Schur siegte zweimal. Zwischen 1974 und 1984 fand das Rennen nur sporadisch statt. 1985 erlebte der Klassiker eine Renaissance durch BSG-Sportler. Die 50. Austragung 1992 wurde die letzte. Ein 15 Kilometer langer Stau im Feld durch den angewachsenen Autoverkehr beendete die Tradition.

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Kristian Bauer

Kristian Bauer

Redakteur

Kristian Bauer ist gebürtiger Münchner und liebt Ausdauersport – besonders wenn es in die Berge geht. Er ist ein Fan der Tour de France und bevorzugt solide Rennradtechnik. Er führt für TOUR Interviews, berichtet von Events im Hobbyradsport und schreibt Artikel über die Fahrradbranche sowie Trends im Rennradsport.

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