InterviewVerkehr am Stilfser Joch soll beschränkt werden

Kristian Bauer

 · 19.10.2022

Interview: Verkehr am Stilfser Joch soll beschränkt werdenFoto: mauritius images / Dirk von Mallinckrodt

Weniger Autos, Busse und LKWs auf den Alpenpässen, wie dem Stilfser Joch, das würde Radfahrer in Südtirol freuen. Der Südtiroler Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider erklärt in unserem Interview Pläne für Verkehrsbeschränkungen in den Dolomiten und anderen Bergregionen.

TOUR: Was ist die Motivation hinter der Initiative?

Alfreider: Es gibt das Recht auf Freiheit der Bewegung, aber wir können nicht zusehen, wie der Verkehrszuwachs in den Gebieten die Menschen belastet und die Lebensqualität einschränkt. Es gibt ein gestiegenes Bewusstsein, dass wir nicht mehr so weitermachen können wie bisher. Die Menschen in den Orten wollen den Verkehr einschränken. Wir wollen auch mehr Platz für das Fahrrad und Fußgänger - in ersten Pilotprojekten haben wir am Sellajoch schon Radspuren eingerichtet, um den Radfahrern mehr Sicherheit zu geben. Es werden weitere Pässe folgen und auch in den Tälern wird es Radspuren geben, damit mehr auf die aktive Mobilität umsteigen.

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Foto: Michael Pezzei

Es soll auch Verkehrsbeschränkungen auf den Pässen geben?
Ja, das wollen wir gemeinsam mit dem Veneto und dem Trentino erreichen - da sind wir im Gespräch mit dem italienischen Minister für Infrastruktur. Ziel ist ein Pilotprojekt, das uns ermöglicht auch den Verkehr einzuschränken oder Maut zu erheben. Konkret ist es für die Pässe Sella, Pordoi, Gardena und Campolongo geplant. Aber auch für den Karerpass und das Stilfserjoch gibt es diese Pläne.

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Die Nordostrampe des Stilfser Jochs von Prad aus gilt mit ihren 48 Kehren als eine der spektakulärsten Passstraßen in den Alpen ...
Foto: Getty Velo

Geht es wirklich um eine spürbare Reduzierung des Verkehrs?
Ja! Wir wollen den Verkehr ganz stark reduzieren - ich sage grob 50 Prozent. Und dabei leise und emissionsarme Fahrzeuge fördern. Am Pragser Wildsee haben wir das bereits gemacht und von rund 12000 auf 5000 Fahrzeuge am Tag gesenkt. Es gibt eine reduzierte Zahl an Zugangsberechtigungen und wenn die aufgebraucht ist, kann ich in den Kernzeiten nicht hochfahren. Bestehende Rechte müssen wir aber bewahren - also von Pendlern, Anwohnern, Zulieferern.

Wie sind die Pläne für das Stilfser Joch?
Wir haben die digitalen Systeme entwickelt, um z.B. Kennzeichen zu erfassen und es wird ein Mautsystem geben. Die Umsetzung wird durch eine Gesellschaft erfolgen, die lokal zusammen mit der Lombardei gegründet wurde.

Radfahrer und Wanderer stört besonders der Motorradlärm …
Wir unterscheiden nicht nach Fahrzeugart, aber es gibt gesetzliche Vorschriften, die eingehalten werden müssen. Die Polizei hat in diesem Jahr auf den Pässen sehr stark kontrolliert. Wir leben in einem sensiblen Gebiet!