Rennräder mit Shimano 1055 Marathonrenner im Test

Julian Schultz

 · 24.01.2024

Rennräder mit Shimano 105: 5 Modelle im Test
Foto: Skyshot/Greber
Rennräder mit mechanischem Antriebsstrang zählen zu den Exoten. Die Entwicklung neuer Modelle ist längst auf Elektroschaltungen ausgelegt. Das gefällt nicht jedem. Wir haben fünf aktuelle Marathonräder mit der neuen mechanischen Shimano 105 getestet. Plus: eine Übersicht von Wettkampfrädern mit der Zwölffach-Gruppe.

Themen in diesem Artikel

Das Wichtigste in Kürze

Auf der Suche nach einem Rennrad mit klassischen Bowdenzügen führt im aktuellen Modelljahr kein Weg an Shimanos 105 vorbei. Die neueste Version der Japaner ist neben der Campagnolo Chorus die einzig relevante mechanische 2x12-Straßengruppe. Durch den attraktiven Preis ist der Einstieg bei Rennrädern mit Zwölffach-Schaltung zudem um mehrere Hundert Euro günstiger: Ab 2500 Euro sind Kompletträder mit Carbonrahmen erhältlich.

Das sind die 5 Rennräder mit Shimano 105

  • Canyon Endurace CF 7
  • Giant Defy Advanced 2
  • Stevens Xenith
  • Trek Domane AL5
  • Wilier Garda
  • Wettkampf-Rennräder mit der Zwölffach-Gruppe

Ein Aufschrei hallte durch die Rennradwelt, als Shimano zum 40. Firmenjubiläum die Komponentengruppe 105 elektrifizierte und die mechanische Version aus dem Programm nahm. Hobbysportler wie Hersteller sahen dunkle Wolken am Horizont heraufziehen und rechneten damit, dass es die Japaner dem Konkurrenten SRAM gleichtun und künftig ausschließlich Rennradschaltungen anbieten würden, die per Knopfdruck die Gänge wechseln.

Ein Modelljahr später? Entwarnung! Shimano legte im Herbst vergangenen Jahres die mechanische 105 nach, spendierte ihr wie der Di2-Variante ein zwölftes Ritzel und hängte ihr ein attraktives Preisschild um. Damit ist die R7100, so die Shimano-Modellbezeichnung, prädestiniert für wartungsfreundliche und bezahlbare Rennräder. Ein Segment, das im Zeitalter der elektronischen Schaltungen auszusterben droht. Gleichzeitig wird es aber von vielen Rennradlern nachgefragt, wie unter anderem viele Leserbriefe an die TOUR-Redaktion dokumentieren.

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Überschaubares Angebot: Wenige Rennräder mit Shimano 105

Der Haken an der Sache: Sechs Monate nach der offiziellen Vorstellung der 105 ist das Angebot an Rädern mit der Schalttechnik ziemlich dünn. Nur fünf Hersteller konnten unserer Testanfrage nachkommen und ein Marathonrad mit dem mechanischen 2x12- Antrieb zur Verfügung stellen. Einige Hersteller kündigen für die kommenden Monate aber zumindest neue Ausstattungsvarianten an: Stevens konfigurierte exklusiv für unseren Test ein Xenith, das im Januar in den Shop rollen soll. Auch Cannondale und Rose teilten mit, dass das Synapse und Reveal AL demnächst mit neuem Shimano-Antrieb erhältlich sein werden.

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Stevens konfigurierte exklusiv für unseren Test ein XenithFoto: Georg GrieshaberStevens konfigurierte exklusiv für unseren Test ein Xenith

Weitere Marken dürften folgen, schließlich ist die Zwölffach-105 zusammen mit der Campagnolo Chorus die einzig relevante Rennrad-Gruppe mit Bowdenzug. Es gibt aus der Branche jedoch auch Anzeichen, die gegen eine schnelle und flächendeckende Ausbreitung neuer Shimano 105-Modelle sprechen. So ließ Cube durchblicken, dass die Lager voll seien mit Marathonrädern und alter 105-Gruppe, weshalb die neue Variante bis auf Weiteres nicht an Modelle wie das Attain geschraubt werde.

Außerdem manifestiert sich über alle Hersteller hinweg der Trend, dass das Marathonrad derselben Strategie wie das Wettkampfrad unterliegt und schrittweise auf Schaltungen mit Stellmotoren und Batterien umgestellt wird. Eine Entwicklung, die mit der Einführung der Scheibenbremse vergleichbar ist. Auch damals hielten die Hersteller in einer mehrjährigen Übergangsphase noch Rennräder mit Felgenbremsen vor, ehe sie praktisch komplett vom Markt verschwanden.

Sonderstellung: Das Trek bietet Aufnahmen für Schutzbleche und Gepäckträger sowie enorme Reifenfreiheit.Foto: Matthias BorchersSonderstellung: Das Trek bietet Aufnahmen für Schutzbleche und Gepäckträger sowie enorme Reifenfreiheit.

Das sind die 5 Testkandidaten

Unsere fünf Testkandidaten sind top-aktuelle Marathonräder. Canyon, Giant und Trek lieferten ihre kürzlich vorgestellten Neuheiten aus dem aktuellen Modelljahr. Neben dem Antrieb, den wir in Labor und Praxis getestet haben, eint die Renner ihre Ausrichtung als langstreckentaugliche Begleiter und ein attraktiver Preis.

Trek schickte das Domane AL5 als günstigstes Rad ins Rennen, das US-Bike basiert als einziges auf einem Alu-Rahmen. Das teuerste Rad kommt von Stevens, wobei sich die Hamburger im eigenen Konfigurator an aufpreispflichtigen Komponenten bedienten. Unsere Recherche zeigt, dass man für ein Marathonrad mit neuer Shimano 105 und Carbonrahmen mindestens 2500 Euro einkalkulieren muss. Vergleichbare Modelle mit elektronischer 105 liegen rund 700 Euro darüber. Erwartungsgemäß profitiert das Stevens stark von der hochwertigen Ausstattung: Mit knapp über acht Kilogramm ist das Xenith das leichteste Rad, womit es an das Niveau von Marathonrädern mit Shimanos elektronischer Ultegra herankommt.

Tiefer geht´s kaum: Die Carbonstütze des Canyon wird zwischen den Sitzstreben geklemmt und federt dadurch exzellent.Foto: Georg GrieshaberTiefer geht´s kaum: Die Carbonstütze des Canyon wird zwischen den Sitzstreben geklemmt und federt dadurch exzellent.

Im Vergleich zum Canyon, Giant und Wilier ist der Hanseate um bis zu 800 Gramm leichter. Das Trek läuft wegen des Alu-Rahmens zwar etwas außer Konkurrenz, der Fahrspaß leidet aber unter den fast zehn Kilogramm Gesamtgewicht. Mit zahlreichen Gepäckoptionen und riesiger Reifenfreiheit ist die vierte Generation des Domane AL als Allroadbike eventuell besser aufgehoben. Auch am Canyon und Giant lassen sich breitere Pneus aufziehen, wodurch die Bikes bedenkenlos auf leichtes Gelände geführt werden können. Bereits auf asphaltierten Wegen profitiert das Endurace vom hohen Federkomfort: Die runde Sattelstütze aus Carbon glättet Unebenheiten vorbildlich, auch das Aero-Cockpit dämpft ordentlich.

Vertretbarer Wartungsaufwand mit der Shimano 105

Durch die einteilige Steuerzentrale lässt sich die Sitzposition allerdings nur bedingt anpassen. Alle anderen Modelle kommen mit Standard-Lenkern und -Vorbauten aus Aluminium. Schaltzüge und Bremsleitungen verlaufen unisono unter dem Vorbau in den Rahmen. Das sieht chic aus, auf den ersten Blick unterscheiden sich die Kandidaten nicht von den teureren Varianten mit elektronischer Schaltung. Ein Wechsel der Züge, insbesondere das Durchfädeln durch das Steuerrohr, setzt aber handwerkliches Geschick und Erfahrung voraus.

Wie die Großen: Dank teilintegrierter Züge und Leitungen ähneln Wilier & Co. optisch den teuren Versionen mit Elektroschaltung.Foto: Georg GrieshaberWie die Großen: Dank teilintegrierter Züge und Leitungen ähneln Wilier & Co. optisch den teuren Versionen mit Elektroschaltung.

Vor allem Vielfahrer sollten das beherzigen: Abhängig von Kilometerleistung und Beanspruchung lautet die Empfehlung, Bowdenzüge alle zwölf Monate zu erneuern. Doch fleißige Kilometersammler dürften ohnehin Räder mit höherwertiger Ausstattung bevorzugen. Die getesteten Modelle sind vielmehr an Hobbyfahrer adressiert, die an Wochenenden unbekümmert in den Sattel steigen und vor der ersten Kurbelumdrehung nicht den Ladezustand der Di2- oder AXS-Akkus prüfen wollen. Am meisten Rad fürs Geld bekommt man beim komfortablen Canyon, das im Vergleich zum agileren und mit der Bestnote dekorierten Stevens etwa 1600 Euro günstiger ist.



Die Ergebnisse aller Rennräder mit Shimano 105 in der Übersicht

Die Einzelnoten sowie die Gesamtnote der fünf Rennräder mit Shimano 105.Foto: TOURDie Einzelnoten sowie die Gesamtnote der fünf Rennräder mit Shimano 105.
  • Rot sind die Teilnoten ab 4,0. So sehen Sie, welche Räder wegen schwächerer Einzelnoten für Sie nicht in Frage kommen.
  • LL=lebenslang
  • CR = Crash Replacement
  • RA = Rennausschluss

Julian Schultz ist studierter Sportwissenschaftler und gelernter Sportjournalist und zeichnet für Tests von Kompletträdern verantwortlich. Vom Wettkampfboliden bis zum Gravelbike testet er die neuesten Modelle und hält die Augen nach aktuellen Trends offen. So auch bei der Tour de France, wo sich der Test-Redakteur seit 2022 auf die Suche nach technischen Details und Geschichten aus dem Fahrerlager macht.

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