Als Laufradhersteller konnte Enve schon zwei Tour-Siege mit Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) feiern. Bei der 111. Auflage der Tour de France ist die US-Marke auch als Radausstatter vertreten: Das französische Team TotalEnergies fährt das Enve Melee.
Der Etappensieg von Anthony Turgis darf als großer Erfolg für die Popularität gewertet werden, selbst wenn es (bis jetzt) der einzige bleiben sollte. Gerade die Gravel-Etappe von und nach Troyes zog viele Blicke auf sich und war für das Image des US-Herstellers wohl auch das passendste Teilstück. Auf der 16. Etappe zog das Melee nochmals die Blicke auf sich, nachdem Thomas Gachignard eine beherzte Solofahrt hinlegte und erst kurz vor dem Ziel vom Hauptfeld geschluckt wurde.
Auffällig sind die Räder trotz einer sehr sparsamen Lackierung: Jeder Fahrer hat eine andere Farbe auf dem Unterrohr des sonst schwarz gehaltenen Rahmens, das soll den Farbverlauf des TotalEnergies-Logos widerspiegeln. Ins Auge stechen auch die großen Schaltröllchen vom Sponsor Ceramicspeed, die ebenfalls in unterschiedlichen Farben eloxiert sind.
Das Melee versteht sich als Allrounder in vielen Dimensionen: Leicht und mit Aero-Anleihen, dabei langstreckentauglich und mit viel Reifenfreiheit. Serienmäßig sind sogar Gewinde für Schutzbleche an dem uneingeschränkt wettkampftauglichen Renner vorgesehen. Bis zu 35 Millimeter verträgt das Rahmenset; bei seinem Etappensieg ist Turgis mit 30-Millimeter Contis gefahren, die auf den breiten Enve-Felgen aber locker 32 Millimeter breit ausfallen.
Wiegen durften wir die Räder bei TotalEnergies zwar nicht. Aus einem TOUR-Test wissen wir aber, dass der Rahmen unter 1000 Gramm auf die Waage bringt, in der sparsamen Team-Lackierung dürften es sogar weniger als 900 Gramm sein. Mit dem Aufbau werden die Profi-Räder wohl zwischen 7,2 und 7,4 Kilogramm liegen, was im Vergleich zur Konkurrenz recht leicht ist.
Im Windkanalversuch schnitt das Rad mit 218 Watt erforderlicher Tretleistung für 45 km/h dabei besser ab als viele Leichtbau-Renner anderer Hersteller, die auf ein ähnliches Gewicht kommen. Mit dem SES AR-Cockpit, das allein mehr als 1000 Euro kostet, dürfte das Rad noch um ein paar Watt schneller werden als in unserem Test des Serienrades mit klassisch geklemmtem Lenker. An ausgewiesene Aero-Experten kommt das Rad jedoch nicht heran.