Test Alltagsräder: 3 Ganzjahres-Rennräder im VergleichFoto: Jan Greune

Einsteiger Test Alltagsräder: 3 Ganzjahres-Rennräder im Vergleich

Jens Klötzer

 12/4/2021, Lesezeit: 9 Minuten

Wer ein vielseitiges, sportliches Alltags-Rennrad sucht, das einen gut durch den Winter bringt, landet schnell beim Gravelbike. Hersteller wie Cube, Rose und Stevens bieten ihre Allround-Räder serienmäßig mit Licht, Schutzblechen und Gepäckträger an.

Die meisten Rennradler fahren nicht nur Rad, um zu trainieren oder Rennen zu bestreiten. Wer sein Hobby innig liebt, fährt wann und wo er kann – also auch im Alltag und im Winter. Versuche, das Rennrad mit Schutzblechen und Licht auch für widrige Bedingungen zu rüsten, gibt es seit Anbeginn des Radsports. Sogenannte „Randonneure“ waren und sind beliebt bei Langstreckenradlern, die sich wie Alltagspendler Wetter und Jahreszeit nicht aussuchen können, aber dennoch flott und mit Rennlenker unterwegs sein wollen. Ist das Zubehör von vorneherein integriert, hat das den Vorteil, dass alle Bauteile aufeinander abgestimmt sind und besser funktionieren sollten als nachträgliche Bastellösungen – und nicht zuletzt sieht es besser aus.

Auch heute bieten einige Hersteller sportliche Räder inklusive fest montierter Schutzbleche, Dynamo-Lichtanlage und Gepäckträger an. Drei aktuelle Beispiele solcher Räder haben wir uns genauer angeschaut – mehr waren in der aktuellen Situation nicht lieferbar. Ebenfalls eingeladene Marken wie Bergamont, BMC, Bulls, KTM oder Scott mussten wegen anhaltender Lieferprobleme absagen. Dennoch kann unser Test Stärken und Schwächen aufdecken und Tipps geben, worauf man beim Kauf eines solchen Rades achten sollte.

Unsere aktuellen Testexemplare basieren alle auf Gravelbikes, die sich als Basis für alltagstaugliche Ganzjahres-Rennräder geradezu anbieten: Starke Scheibenbremsen und kleinere Übersetzungen sind nicht nur ideal im Gelände, sondern auch im Großstadtdschungel. Weil Rahmen und Gabeln für sehr breite Reifen konzipiert sind, passen vollwertige Schutzbleche ans Rad. Viele Rahmen von Gravelbikes besitzen außerdem schon Befestigungsmöglichkeiten für das nötige Zubehör.

Die meisten Hersteller setzen unverwüstliche Alu-Rahmen ein, auch aus Kostengründen, denn das Gros der Angebote liegt deutlich unter 2.000 Euro. Das getestete Rose mit Carbonrahmen ist in der Konkurrenz eine Ausnahme und entsprechend teurer. Dennoch ist das Rad auch für kühle Rechner ein guter Deal: Gegenüber der bis auf die Reifen vergleichbar ausgestatteten Gravel-Variante ohne weiteres Zubehör kostet das Rad keinen Cent Aufpreis. Bei Cube muss man 200 Euro mehr als für ein vergleichbares „nacktes“ Nuroad hinlegen; angesichts der hochwertigen Teile und der Montagearbeit ist auch das ein faires Angebot.

 | Jan Greune
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Robuste Gesellen

Antriebskomponenten und Bremsen – an den Testrädern durchweg aus der Gravel-Gruppe GRX von Shimano – könnten für den Einsatzzweck kaum besser gewählt sein. Die Teile gewinnen zwar keinen Schönheitspreis, sind aber robust und funktionieren klaglos, meist auch unter widrigen Bedingungen und über viele Jahre. Auch die Ersatzteile der Elffach-Gruppen sind, zumindest außerhalb von Corona-bedingten Lieferengpässen, fast überall verfügbar und kostengünstig – ein wichtiges Argument für diesen Einsatzzweck. Wir können uns also auf das Zubehör konzentrieren, das Gravelbikes zu Randonneuren macht.

Das verursacht zunächst einmal zusätzliches Gewicht: Sind preiswerte Gravelbikes ohnehin schon die schwersten Räder mit Rennlenker überhaupt, reißen die gezeigten Packesel locker die Zehn-Kilo-Marke. Am schwersten ist das Stevens, das mit einem nachgerüsteten Gepäckträger mehr als zwölf Kilo wiegen dürfte. Die Unterschiede im Fahrgefühl zwischen den Rädern sind aber eher klein.

Technisch funktioniert leider nicht alles so geschmeidig, wie die Testfahrten zeigen. Beispiel Schutzbleche: Damit sie ihren Zweck optimal erfüllen können, müssen sie lang und breit genug sein, wenigstens ein Zentimeter mehr als Reifenbreite wäre gut. Hier fällt das Cube negativ auf, weil die Bleche die 40 Millimeter breite Gravel-Bereifung nur knapp abdecken; vor allem an den Sitzstreben, an denen sich das Schutzblech weiter verjüngt, fliegt das Wasser vorbei.

Beim Stevens fallen die Streben etwas zu kurz aus, sodass sich die Bleche nicht gleichmäßig an den Radumfang anpassen lassen, allerdings ist das eher ein optisches Problem. Weil dem Rad der Gepäckträger fehlt, ist der hintere Schützer nicht so stabil befestigt wie bei den anderen Rädern und wackelt bei Unebenheiten; erfahrungsgemäß ist das der Dauerhaltbarkeit nicht gerade zuträglich. Auch könnten die vorderen Bleche bei Rose und Stevens gern fünf Zentimeter länger sein, damit Füße und Antrieb besser vor Spritzwasser geschützt sind; bei Cube dagegen wird der Hintermann ordentlich nass.

Gute Nachrichten gibt es von der Beleuchtung: Alle Räder sind mit einem hochwertigen Nabendynamo und LED-Beleuchtung samt Standlichtfunktion ausgestattet. Vor allem auf die Frontscheinwerfer wird viel Wert gelegt. Die verbauten Markenlampen von Supernova oder Busch & Müller markieren den aktuellen Stand der Lichttechnik, ihr kaltes LED-Licht leuchtet auch zivilisationsferne Landstraßen satt und gleichmäßig aus. Einen relevanten Unterschied zwischen beiden Herstellern können wir in der Dunkelheit nicht ausmachen. Bei den Rücklichtern ist dagegen vornehme Zurückhaltung angesagt: Die hochwertige Busch & Müller-Heckleuchte des Rose fällt minimalistisch aus, macht aber im Dunkeln ordentlich Ballett. Bei Stevens und Cube sind die Heckleuchten sogar in das Schutzblech integriert – beim Stevens so weit, dass es von der Seite leider kaum noch sichtbar ist.

An passiver Sicherheit haben die Kandidaten leider wenig zu bieten: Lediglich Stevens setzt beim Supreme Pro auf Reifen mit Reflexstreifen und einen großflächigen Reflektor hinten. Bei Rose und Cube müssten, streng genommen, Heck- und Speichenreflektoren nachgerüstet werden, damit die Räder gemäß StVZO auf die Straße dürfen.

Auch die Gepäckträger fallen optisch grazil aus, können aber ausreichend Gewicht aufsatteln. Der speziell für das Cube Nuroad entwickelte Träger darf immerhin 26 Kilogramm schleppen. Der Träger am Rose, der fast frei zu schweben scheint, stützt sich allein auf dem (sehr stabilen) Schutzblech ab und verträgt immerhin 16 Kilo, 8 Kilo pro Seite. Für die Bürotasche und kleinere Einkäufe reicht das allemal; wer große Radreisen unternehmen will, sollte das Gepäck zusätzlich auf Bikepacking-Taschen oder Frontgepäckträger verteilen, die sich ebenfalls montieren lassen.

Insgesamt können wir ein positives Fazit ziehen: Die Randonneure auf Gravel-Basis sind weitaus besser gemacht als vor einigen Jahren noch ähnlich aufgerüstete Crossräder. Das liegt zum einen daran, dass sich die Rennradtechnik weiterentwickelt hat: Scheibenbremsen, breite Reifen und die verfügbaren Übersetzungsoptionen sind auch – oder vor allem – für diese Fahrräder ein Segen. Aber auch das Zubehör macht heute schlicht mehr Spaß, das gilt vor allem für die Beleuchtung.

Den kompletten Test, alle technischen Details und eine genaue Beschreibung der Ganzjahres-Rennräder finden Sie in der TOUR-Ausgabe 11/2021.

Die Alltags-Rennräder im TOUR-Test:

Cube: Nuroad Race FE

Preis 1.749 Euro

Gewicht Komplettrad 11,4 Kilo (Größe 56)

+ viel Zubehör, gutes Frontlicht, stabiler Seitenständer

- Schutzbleche für die breiten Reifen etwas zu schmal

Foto: Kerstin Leicht

Insgesamt drei Versionen des Alu-Gravelbikes Nuroad bietet Cube mit Schutzblechen, Gepäckträger und Licht an; die gezeigte ist dabei die teuerste. Der recht schwere Alu-Rahmen punktet mit unerschütterlicher Laufruhe, Antrieb und Bremsen sind Sorglos-Komponenten von Shimano. Von unseren drei Testkandidaten ist das Cube das preisgünstigste, besitzt auf dem Papier aber dennoch die umfangreichste Ausstattung. Sogar ein stabiler Seitenständer und eine hochwertige, elegante Klingel sind an dem Rad montiert. Gefallen hat uns der edle und helle Supernova-Frontscheinwerfer, der am Lenker montiert ist. Doch nicht das gesamte Zubehör kann so überzeugen. Kritikwürdig sind die Schutzbleche, weil sie für die verbauten 40-Millimeter-Gravelreifen etwas zu schmal ausfallen. Bei Mistwetter spritzt immer etwas Wasser an den Blechen vorbei. Etwas schmalere Straßenreifen würden daher besser zu dem Rad passen. Das minimalistische Rücklicht im Schutzblech ist von der Seite kaum zu sehen, weil es vom Gepäckträger verdeckt wird. Der Träger nimmt nur Seitentaschen mit Klicksystem auf; oben drauf lässt sich nichts befestigen. Der etwas tiefere Schwerpunkt des Gepäcks wirkt sich aber positiv aufs Fahrverhalten aus. Ersetzen würden wir den dünnen, unbequemen Lenker. Von den kleinen Schwächen abgesehen bietet das Cube aber viel fürs Geld.


Rose Backroad GRX 810 Randonneur

Preis 3.299 Euro >> z.B. hier erhältlich*

Gewicht Komplettrad 10,8 Kilo ( in Größe 57)

+ guter Komfort, bequeme Kontaktpunkte, relativ leicht, durchweg hochwertig ausgestattet

- relativ teuer

Foto: Kerstin Leicht

Wer das Alu-Backroad als Alltagsrad in Betracht zog, wird im nächsten Modelljahr leider enttäuscht. Die preiswerte Randonneur-Variante wird von Rose nicht mehr angeboten, es bleibt nur der Selbstaufbau oder ein Glückstreffer auf dem Gebrauchtmarkt. Das Carbonmodell hingegen läuft weiter und stellt die Edel-Variante in unserem Test. Ob der Gewichtsvorteil eines Carbonrahmens in dieser Radklasse den heftigen Aufpreis wert ist, muss jeder selbst beurteilen – 600 bis 800 Gramm erscheinen bei den Gesamtgewichten der Räder wenig. Doch das Rad kann noch weitere Argumente in die Waagschale werfen, die den Preis zumindest etwas relativieren. Das fängt bei den Komponenten an: Im Gegensatz zu den anderen Rädern ist hier die hochwertigere GRX 800 verbaut. Die stabilen und breiten Schutzbleche bieten besten Schutz – auch, weil Rose auf breite Gravelbereifung verzichtet. Die 35 Millimeter dicken Straßenpneus sind im Stadtverkehr breit genug, zudem läuft das Rad schneller. Den nötigen Komfort realisieren die gut flexende Stütze und der ergonomisch gelungene Lenker. Der elegant integrierte Gepäckträger wird vom Stahl-Schutzblech getragen und verträgt immerhin 16 Kilogramm. Auch die Lichtanlage sticht heraus, vorn wie hinten sind hochwertige Leuchten von Busch & Müller montiert.


Stevens Supreme Pro

Preis 1.899 Euro

Gewicht Komplettrad 11,6 Kilo (in Größe 56O

+ hochwertige Lichtanlage, Reflexstreifen, Tubeless-Reifen

- schweres Rahmen-Set, kein Gepäckträger

Foto: Kerstin Leicht

Das Supreme ist bei Stevens von vornherein als Alltagsrad gedacht; zwei Varianten gibt es, die jeweils mit Schutzblechen und Licht ausgestattet sind. Dennoch fällt die Sitzposition auf dem Rad recht gestreckt aus und dürfte vor allem sportliche Fahrer ansprechen. Das Rahmen-Set ist mit außen verlegten Bremsleitungen und Standard-Anbauteilen betont unkompliziert gehalten. Mit der schweren Alu-Gabel drückt es ordentlich auf die Waage, dank der Ausstattung ist das Gesamtgewicht aber noch konkurrenzfähig. Die getestete Variante kommt mit bewährter GRX-Elffach-Gruppe von Shimano und 40 Millimeter breiten G-One-Tubeless-Reifen von Schwalbe, die den mäßigen Komfort des Rades gut kaschieren können. Die Schutzbleche sind hier, anders als am Cube, deutlich breiter und länger und decken die breiten Reifen gut ab. Einen sehr stabilen Eindruck machen sie jedoch nicht. Ein Gepäckträger fehlt dem Rad, ließe sich aber ebenso problemlos nachrüsten wie ein Seitenständer, Befestigungspunkte dafür sind jeweils vorgesehen. Lob verdient die Beleuchtung mit leistungsstarkem Supernova-Scheinwerfer und im Schutzblech integriertem Rücklicht von Busch & Müller; dank großem Rückstrahler und Reflexstreifen auf den Reifenflanken ist das Rad sogar StVZO-konform.

TOUR testet alle Räder und die meisten Bauteile im eigenen Labor, dessen Anfänge bis 1993 zurückreichen. Die Messwerte vieler tausend Räder aller Kategorien bilden das Rückgrat der Tests, die wir zusammen mit dem Zedler-Institut für Fahrradtechnik und -Sicherheit ständig weiterentwickeln.


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